Hannawalds Bruchlandung "Es ist in die Hose gegangen"

Durch einen Sturz im zweiten Durchgang des Neujahrsspringens verpasste Sven Hannawald seinen sechsten Sieg in Serie bei der Vierschanzentournee. Als Zwölfter war der Titelverteidiger noch bester Athlet der deutschen Mannschaft, die in Garmisch-Partenkirchen ihr schlechtestes Ergebnis seit 39 Jahren ablieferte.


Garmisch-Partenkirchen - "Der Anlauf war eindeutig zu lang. Aber das ist keine Entschuldigung. Wir haben einfach keine gute Leistung gebracht. Sven ist noch nicht der Ausnahmeathlet wie bei der letzten Tournee", musste Bundestrainer Reinhard Heß zugeben. Den Sieg in Garmisch-Partenkirchen holte sich der Slowene Primoz Peterka (264,6 Punkte/123,5 und 123,5 Meter), Tourneegewinner vor 1997, vor den mit 261,1 Punkten gemeinsam zweitplatzierten Adam Malysz (Polen) und Andreas Goldberger (Österreicher).


Fotostrecke vom Springen in Garmisch-Partenkirchen

Die 13 brachte ihm Glück: Der Slowene Primoz Peterka schlägt nach seinem Sieg die Hände über dem Kopf zusammen Überflieger: Vor der Zugspitze geben die Skispringer in Garmisch-Partenkirchen ein traumhaftes Motiv ab Zwei Fäuste für Platz zwei: Der Österreicher Andreas Goldberger war von seiner Leistung begeistert
Froschperspektive: Vierschanzentournee-Fotografen bei der Arbeit Sehr gute Haltungsnoten, aber zu kurz geflogen: Martin Schmitt verpasste den Finaleinzug Großreinemachen für die Herren der Lüfte: Hilfskräfte säubern die Anlaufspur der Olympiaschanze
Ausflug ins Grüne: Die Skispringer auf der Suche nach dem Schnee Bruchlandung: Sven Hannawald kam nach seinem zweiten Sprung zu Fall Über den Dächern von Garmisch-Partenkirchen: Darum müssen Skispringer schwindelfrei sein

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Nach fünf Einzelsiegen in Folge konnte Titelverteidiger Hannawald seinen 124-Meter-Flug im zweiten Durchgang des Neujahresspringen nicht stehen und humpelte mit schmerzverzerrtem Gesicht an den enttäuschten 40.000 Zuschauern vorbei.

Wie bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City ging der siebtplatzierte Hannawald im zweiten Durchgang volles Risiko, verkantete nach der Landung jedoch die Ski und stürzte wie sieben weitere Springer im buckligen Auslauf zu Boden. Damit war der Traum von der Verbesserung des 44 Jahre alten Einzelsieg-Rekords von Helmut Recknagel ausgeträumt. Für Hannawald blieb mit 235,1 Zählern nur Platz zwölf. Keinen Springer unter die Top Ten hatte der DSV beim Neujahrsspringen letztmals am 1. Januar 1964. "Garmisch ist schon immer unsere Angstschanze", sagte Heimtrainer Wolfgang Steiert.

Sven Hannawald in Garmisch-Partenkirchen: "In die Hose gegangen"
AP

Sven Hannawald in Garmisch-Partenkirchen: "In die Hose gegangen"

"Ich habe alles riskiert, aber es ist in die Hose gegangen. Zum Glück ist nicht viel passiert, Ich habe mir nur den Popo und die Wade geprellt", so Hannawald. "Bis Innsbruck kriegen wir das wieder hin, ich lasse mich jetzt sofort behandeln. Die Tournee-Gesamtwertung ist längst nicht abgeschrieben. Jetzt kann man sehen, wie wertvoll der Vierfachsieg im letzten Winter war."

Mit 498,2 Punkten liegt der Auftaktsieger von Oberstdorf als Gesamt-Vierter hinter Ahonen (513,1), Peterka (504,3) und Roar Ljoekelsoy (Norwegen/499,7) noch chancenreich im Rennen. Zu verdanken hatte er das auch einem Sturz des in Garmisch viertplatzierten Ahonen, der mit 129 Metern die größte Tagesweite erzielte.

Zu den Verlierern gehörte Martin Schmitt, der zum ersten Mal seit dem 4. Januar 1998 das Finale eines Tourneespringens verpasste. 111,5 Meter reichten nur für Platz 32. Zwar hätte sein Gegner im K.o.-Wettbewerb, der Österreicher Martin Höllwarth, nach einem Sturz von den Kampfrichtern mit höheren Punktabzügen bestraft werden müssen, aber der Schwarzwälder lamentierte nicht, sondern sagte selbstkritisch: "Das war eine Tatsachenentscheidung. Wer so schlecht springt wie ich, braucht sich nicht zu beschweren. Ich bin sauer auf mich selbst."

Michael Uhrmann (Rastbüchl/216,0 Punkte) landete auf Platz 26, Georg Späth (Oberstdorf/213,7) wurde 28. und Jörg Ritzerfeld (Oberhof/197,7) 31. Neben Schmitt hatten auch die Olympiasieger Stephan Hocke (Oberhof) und Christof Duffner (Schönwald) sowie vier weitere Deutsche den Sprung ins Finale der besten 31 verpasst.



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