Pressestimmen zur Russland-Entscheidung "Das IOC verdient keine Glückwünsche"

Russische Athleten unter neutraler Flagge: Einige Medien finden, das Land sei damit "ziemlich glimpflich" davongekommen. Aber was ist mit der Fußball-WM? Das sind die internationalen Pressestimmen.

Olympische und russische Flagge
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Olympische und russische Flagge


Das IOC hat sich nicht zu einem Komplettausschluss Russlands von den Olympischen Winterspielen durchringen können. Die Russen müssen wegen ihrer Dopingverfehlungen allerdings unter neutraler Flagge starten. Hier sind die internationalen Pressestimmen zur Entscheidung:

USA

"Washington Post": "Die Schaufenster-Entscheidung des IOC zur Sperre Russlands berührt nicht wirklich den 'Staat' im Wort 'Staatsdoping'. Die russische Führung hatte vom IOC, ihrem willfährigen Partner, ja schon bekommen, was sie wollte: den Gewinn durch die enorme Werbung mit den Winterspielen 2014. Das IOC verdient nun keine Glückwünsche für diese Entscheidung."

"New York Times": "Trotz der übertriebenen Umschreibung, dass Russland von den Winterspielen ausgeschlossen worden sei, ist das Land wohl ziemlich glimpflich davongekommen. Die Strafe wäre deutlich härter gewesen, wenn allen russischen Sportlern die Teilnahme in Pyeongchang untersagt worden wäre. Das IOC hat Russland bestraft, die Tür für die Athleten aber offen gelassen - vielleicht zu weit offen. Die Sportler, welche die Starterlaubnis erhalten, werden Trikots tragen, welche sie als russische Starter identifizieren. Damit kommt das IOC den Russen im Versuch, einen Boykott zu verhindern, weit entgegen."

"USA Today": "Russland wurde endlich für den Doping-Missbrauch bestraft. Sie haben es getan, das IOC hat Russland rausgeschmissen. Die teuflischste Staatsdoping-Maschine unserer Zeit, die schlimmste seit der DDR, hat endlich die Strafe erhalten, die sie verdient. In der langen, verworrenen Geschichte von Doping bei Olympia ist dies ein guter Moment. Wie signifikant wird es sich auswirken? Stellen Sie sich eine Medaillenzeremonie in zwei Monaten vor, ein russischer Sportler gewinnt Gold, aber es wird keine Hymne geben, kein blau-rot-weißes Trikot. Welche sichtbare Peinlichkeit wird das für Russland sein? Und welch wundervoll wohlverdiente Strafe ist das für Wladimir Putin."

"New York Post": "Hut ab vor dem IOC für diese Entscheidung. Allerdings hatte es viele Beweise gegen Russland auch schon vor den Sommerspielen 2016 in Rio, als es diesen Schritt scheute. Anscheinend haben die Proteste der anderen Nationen und der betrogenen Athleten das Handeln des IOC nun stark beeinflusst. Immerhin hat es Wladimir Putin damit nun das richtige Zeichen gesendet."

"Los Angeles Times": "Das IOC hat entschiedene Maßnahmen ergriffen, welche es bislang vermieden hatte."

RUSSLAND

"Sport Express": "Die Sanktion ist hart und in gewisser Weise demütigend für Russland. Es ist sehr schwierig, die Anschuldigungen und Strafen zu ertragen. Aber das Schicksal unserer Sportler und das Erhalten unseres Platzes in der olympischen Familie sind wichtiger."

"Iswestija": "Ohne Russland geht es nicht. Russische Athleten werden die Ehre ihres Mutterlandes unter jeder Fahne verteidigen."

ENGLAND

"Telegraph": "Ohne Zweifel, die Entscheidung war ein Schritt in die richtige Richtung. Aber es war nur das. Halber Job erledigt. Für das Wohl der Sportlerinnen und Sportler weltweit hätte es einen Komplettausschluss der russischen Athleten vom internationalen Sport geben müssen. Wie kann man neutral sein? Diese Sportlerinnen und Sportler sind immer noch Russen."

"Daily Mail": "Es ist ein Schritt, der wieder die Anschuldigungen von schwacher Führung beim IOC laut werden lässt."

"BBC Sport": "Es ist ein schwarzer Tag für den russischen Sport. Die Strafe gegen Russland ist beispiellos in der olympischen Geschichte. Das IOC hat sich endlich hart gegenüber den Russen gezeigt."

"Guardian": "Zu lange hat das IOC eine seltsame Abneigung dagegen gezeigt, russisches Doping zu bestrafen. Am Dienstag hatte das IOC schließlich keine andere Wahl mehr als zu handeln. Die Wahrheit hat die Zurückhaltung und Verteidigung überwältigt."

ITALIEN

"La Repubblica": "Für Sünden zahlt man, auch wenn man die Flecken entfernt. Das IOC entscheidet sich für den Kompromiss, aber auch für die Strafe. Es entscheidet sich für die Linie des Leichtathletik-Weltverbands. Die einzelnen Athleten dürfen nicht für die Schulden eines ganzen Systems zahlen. Das IOC ist konservativer als die ägyptischen Pharaos und bewegt sich stets mit größter Umsicht. Wenn es seinem Exekutivkomitee erlaubt, gewisse Entscheidungen zu treffen, bedeutet das, dass die Regeln gravierend verletzt worden sind."

"Corriere della Sera": "Die Höchststrafe, der totale Ausschluss von den Olympischen Spielen in Pyeongchang, wäre für Russland vielleicht weniger demütigend gewesen. Ein kleines russisches Athletenkontingent wird zu den Spielen zugelassen, doch ohne Fahne und ohne Nationalhymne. Ab heute hat Putin ein Problem: Wie kann er die Fußball-WM retten, ohne seinen Vertrauensmann Mutko zu opfern?"

ÖSTERREICH

"Kurier": "Ein Komplettausschluss - es wäre der erste in der 121-jährigen Geschichte der Olympischen Spiele wegen Doping-Verstößen - blieb Russland erspart. Die Konsequenzen, die das IOC zieht, sind weitreichend, fallen aber weniger dramatisch aus als zunächst erwartet."

SCHWEIZ

"Blick": "IOC-Präsident Bach zieht die Notbremse. Obwohl die Beweise gegenüber einem Jahr die gleichen geblieben sind, konnten er und sein IOC nicht mehr anders. Es ist ein weiser Entscheid. Indem das IOC den Russen mit der neutralen Flagge ein Türchen offen lässt, ist die juristische Angriffsfläche mit dem Vorwurf von Sippenhaft überschaubar."

"Neue Zürcher Zeitung": "Dem IOC gelingt in der Affäre um das russische Staatsdoping die Quadratur des Kreises. Das Urteil geht weiter, als gemeinhin erwartet wurde. Und doch bleibt ein ungutes Gefühl. Hart trifft das Urteil einzig den einstigen Sportminister Mutko, der den russischen Fußballverband und das Organisationskomitee der nächsten Fußball-WM führt. Er ist die Schachfigur, die kippt."

zusammengestellt vom sid

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