Auftakt in der DEL: Ein Hecht unter Adlern
Fast 15 Jahre lang spielte er in der NHL, nun will Jochen Hecht bei seinem Heimatclub Adler Mannheim in der DEL angreifen. Der 36-Jährige ist einer der größten deutschen Eishockeystars, trotz zahlreicher Verletzungen denkt er noch nicht an ein Karriereende - sondern an die Meisterschaft.
Jochen Hecht hat in seiner Karriere einiges einstecken müssen. Eine kleine Auswahl gefällig? Knöchelverletzungen, eine Störung des Gleichgewichtorgans, ein Armbruch, eine Knieverletzung, Finger- und Fußbrüche, Gehirnerschütterungen - mehr als 100 Spiele musste der deutsche Eishockeyspieler deshalb in seiner Karriere aussetzen.
Jochen Hecht, 36 Jahre alt, 1,85 Zentimeter groß, rund 90 Kilogramm schwer, ist einer der größten deutschen Eishockeystars. Knapp 15 Jahre lang spielte er in der nordamerikanischen Eishockeyliga NHL, davon elf für die Buffalo Sabres. In insgesamt 892 Spielen gelangen ihm 200 Tore und 295 Assists.
Mit 17 Jahren schon zu den Profis
Vergangenheit. Hecht ist zurück in seiner Heimat, zurück bei seinem alten Club Adler Mannheim. Pünktlich zum 20. Geburtstag der Deutschen Eishockeyliga, die am Freitag beginnt, ist er wieder dabei.
Schon in der Premierensaison der DEL 1994/1995 hatte er für die Mannheimer auf dem Eis gestanden. "Ich war damals 17 Jahre alt, und wir hatten eine junge Mannschaft, von der niemand etwas erwartete. Unser Stadion, der alte Friedrichspark, war eigentlich nicht profisporttauglich. Aber die Atmosphäre war trotzdem super", erzählt Hecht.
Hecht konnte in den Folgejahren zwei Meistertitel feiern (1997 und 1998) - und ging dann in die beste Liga der Welt. Dort setzte er sich nach einem holprigen Start schließlich in Buffalo durch, wurde bei den Sabres gar der erste Deutsche, dem das Kapitänsamt eines NHL-Clubs übertragen wurde.
Während der NHL-Lockouts 2004 und 2012, als sich Clubs und Spielergewerkschaft über die Gehälter stritten und Partien deshalb ausfielen, spielte er wieder in der DEL, natürlich in Mannheim. Nach dem Ende des Lockouts 2012 kehrte Hecht kurz in die USA zurück, entschied sich dann aber doch für die endgültige Rückkehr. "In Buffalo waren die Chancen auf den Gewinn des Stanley Cup (die Meisterschaft, d. Red.) minimal, das Team ist im Umbruch", sagt Hecht: "Zudem war es einfach an der Zeit, in die Heimat zurückzukommen."
"In der NHL wird härter gespielt"
Obwohl er so lange in den USA gespielt hat, sieht er die DEL auf dem Vormarsch: "Das Eishockey wird hier immer besser und schneller. Die Trainer haben mehr Hilfsmittel, besonders im Videobereich. Wenn ich an meine ersten Jahre denke: Da mussten die Schnitte mit dem Videorekorder gemacht und vor- und zurückgespult werden. Heutzutage reicht dafür ein Knopfdruck am Computer." Auch die Stimmung in den Stadien sei gut, den Eindruck hätten ihm auch viele NHL-Kollegen bestätigt, die gemeinsam mit Hecht während des Lockouts in Deutschland spielten.
Dennoch gibt es Unterschiede: "In der NHL wird auf jeden Fall härter gespielt", sagt der Center: "Das Spiel ist schneller und körperbetonter, man läuft direkt aufeinander drauf." Ein Grund dafür ist die im Vergleich kleinere Eisfläche in den nordamerikanischen Stadien. Während ein NHL-Spielfeld 60,96 Meter lang und 25,91 Meter breit ist, orientieren sich die Eisflächen in der DEL am internationalen Standard (61 Meter Länge, 30 Meter Breite).
Das deutlich körperbetontere Spiel führt zwangsläufig zu mehr Ausfällen. "Es gibt keinen Profi, der noch nie eine Verletzung davongetragen hat", sagt Hecht: "Das Spiel ist so schnell, die Schüsse so hart, wenn man den Puck gegen den Fuß oder ein anderes Körperteil bekommt, dann passiert schon mal was." Knochenbrüche oder Kniegeschichten bekomme man wieder hin, gefährlich werde es jedoch bei Gehirnerschütterungen. "Da muss man vorsichtig sein", sagt Hecht.
Er weiß, wovon er spricht: In der Saison 2011/2012 fiel er wegen zwei Gehirnerschütterungen lange Zeit aus. "Da kommt schon Unsicherheit in einem hoch. Man weiß nicht, ob man weiter spielen kann, hört zudem die Horror-Storys von anderen Spielern." Das Thema Kopfverletzungen war in den USA lange Zeit totgeschwiegen worden, erst in der jüngeren Vergangenheit wurde darüber kontrovers diskutiert. "Man weiß einfach nicht, wo die Verletzungen hinführen", sagt Hecht.
Seinen Kopf braucht Hecht noch, denn mit den Mannheimern hat er viel vor. Er hat einen Zweijahresvertrag bei den Adlern unterschrieben: "Titel-Favoriten sind andere Mannschaften", sagt Hecht zwar bescheiden. Trotzdem wolle er nicht um den fünften oder sechsten Platz spielen. "Ziel ist die Meisterschaft, dafür ziehen wir uns die Schlittschuhe an."
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| Karrierestationen von Jochen Hecht | |
| Zeitraum | Team |
| 1994-1998 | Adler Mannheim |
| 1998-2001 | St. Louis Blues |
| 2001-2002 | Edmonton Oilers |
| 2002-2004 | Buffalo Sabres |
| 2004-2005 | Adler Mannheim (NHL-Lockout) |
| 2005-2012 | Buffalo Sabres |
| 2012-2013 | Adler Mannheim (NHL-Lockout) |
| 2013 | Buffalo Sabres |
| ab 2013 | Adler Mannheim |

Gängig ist dabei, dass einzelne Reihen besondere Aufgaben haben und daher in speziellen Situationen eingesetzt werden. So sollen die ersten beiden Reihen vorwiegend die Tore schießen und spielen deshalb auch in Überzahl. Die dritte, oft als "checking line" bezeichnet, ist dagegen eher defensiv orientiert und soll die Top-Reihen des Gegners ausschalten. Eine ähnliche Aufgabe hat Reihe 4, die oft auch deshalb aufs Eis geschickt wird, um den Top-Spielern eine Verschnaufpause zu ermöglichen.
| Die Meister der Deutschen Eishockey-Liga | |
| Jahr | Verein |
| 2013 | Eisbären Berlin |
| 2012 | Eisbären Berlin |
| 2011 | Eisbären Berlin |
| 2010 | Hannover Scorpions |
| 2009 | Eisbären Berlin |
| 2008 | Eisbären Berlin |
| 2007 | Adler Mannheim |
| 2006 | Eisbären Berlin |
| 2005 | Eisbären Berlin |
| 2004 | Frankfurt Lions |
| 2003 | Krefeld Pinguine |
| 2002 | Kölner Haie |
| 2001 | Adler Mannheim |
| 2000 | München Barons |
| 1999 | Adler Mannheim |
| 1998 | Adler Mannheim |
| 1997 | Adler Mannheim |
| 1996 | Düsseldorfer EG |
| 1995 | Kölner Haie |
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