Dahlmeiers zweites Biathlongold Die Chefin

In Garmisch, wo Laura Dahlmeier trainiert, bläst der Wind nicht so wie in Pyeongchang. Trotz widriger Umstände dominiert die Doppelsiegerin das olympische Biathlon - und genießt ihren Triumph schon auf der Loipe.

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Aus Pyeongchang berichtet


Vor ein paar Wochen, der zweite Olympiasieg von Pyeongchang war noch in weiter Ferne, hat Laura Dahlmeier über das 10-Kilometer-Verfolgungsrennen gesagt: "Ich mag's am liebsten, wenn ich beim Verfolger eine entspannte Schlussrunde habe und es total genießen kann." Die Schlussrunde von Pyeongchang war also genau nach ihrem Geschmack.

Mit ihrer Souveränität am Schießstand hatte Dahlmeier sich ihrer ärgsten Gegnerin, Anastasiya Kuzmina aus der Slowakei, entledigt und konnte schließlich gelassen mit der deutschen Fahne in der Hand ins Ziel einlaufen. Dahlmeier und Kuzmina waren beim vorletzten Schießen gemeinsam zum Stehendanschlag eingelaufen, so standen sie nebeneinander, und allein diese Situation reicht für die Konkurrenz derzeit, um in Stress zu verfallen. Kuzmina leistete sich zwei Schießfehler, Dahlmeier schoss wie ein Uhrwerk und war damit entfleucht. "Dieses Schießen war der aufregendste Moment", sagte die Geschlagene nachher.

Aufgeregt. Das Wort kommt bei Dahlmeier aktuell nicht vor.

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Biathlonverfolgung: Doppelte Dominanz

Beim Liegendschießen verfehlte die Deutsche zwar einmal das Ziel, ansonsten ließ sie sich auch diesmal nicht von Wind und Wetter beeinflussen. Immerhin musste sie eingestehen, dass es "ein ganz, ganz hartes Rennen war", bei minus zehn Grad und ständigem Wind. "Bei uns daheim in Garmisch haben wir nie Wind", aber auch das brachte sie letztlich nicht weiter aus der Ruhe. Sie habe die Windbedingungen nicht extra trainiert, sagte sie. Offenbar muss sie das nicht.

Daheim wartet der Dahlmeier-Hype

Mit ihrem zweiten Gold ist sie jetzt schon der Star der deutschen Olympiamannschaft, daheim dürfte so langsam der Dahlmeier-Hype ausbrechen. Ganz spurlos sind die ersten beiden Wettkämpfe nicht an ihr vorübergegangen: Den geplanten Auftritt im ZDF-Studio sagte Dahlmeier zumindest ab. "Sie ist einfach komplett hinüber. Sie hat das Feiern der zweiten Goldmedaille etwas reduziert", sagte DSV-Pressesprecher Stefan Schwarzbach: "Die Kälte zehrt einfach. Sie hatte wegen der Kälte wirklich starke Schmerzen." Vielleicht wollte Dahlmeier aber auch einfach nur ihre Ruhe.

"Eigentlich liebe ich es mehr, für mich allein zu sein", hatte die Doppel-Olympiasiegerin zuvor gesagt. "Aber jetzt wird es wohl normal in meinem Leben sein, dass Leute mit mir Fotos machen wollen und um Autogramme bitten." Sie stellte aber fest, dass sie "auch in diesen Dingen so langsam besser und besser" werde.

Besser und besser werden - das hat Dahlmeier in der Loipe und am Schießstand schon erfolgreich praktiziert. Die Konkurrenz zuckt mittlerweile auch nur noch mit den Achseln. Bronzemedaillengewinnerin Anaïs Bescond sagte nur: "Sie dominiert einfach unseren Sport."

Medaillenspiegel 2018
Platz
Land
Gesamt
1
Norwegen
14
14
11
39
2
Deutschland
14
10
7
31
3
Kanada
11
8
10
29

Das kann man bei den Männern von Besconds Landsmann Martin Fourcade wohl auch behaupten. Seine Vorstellung beim 12,5-Kilometer-Verfolgungsrennen war eine einzige Machtdemonstration. Mit mehr als 20 Sekunden Rückstand auf den Führenden Arnd Peiffer war der Franzose gestartet, hatte beim ersten Schießen gleich eine Scheibe verfehlt und ab dann das perfekte Rennen hingelegt. Die gesamte ihn jagende deutsche Armada im Rücken, mit Peiffer, Benedikt Doll, Simon Schempp und Erik Lesser, gab sich Fourcade keine Blöße mehr.

Nach dem letzten Schießen hatte er gar die Chuzpe, sich zum Publikum umzudrehen und schon eine Triumphgeste zu machen. Das sind die Fourcade-Momente, die seine Mitbewerber nicht so besonders gern haben.

Doll belohnte die starke Leistung des Teams

Während Peiffer am Ende nichts mehr zusetzen konnte und sich damit trösten mag, dass erbereits seine Goldmedaille gewonnen hat, holte sich sein Teamkollege Benedikt Doll doch noch deutsches Edelmetall. Man musste den Versuch auf ein naheliegendes Wortspiel vehement unterdrücken, wenn man seine Coolness am Schießstand beobachtete. Im Ziel durfte der 27-Jährige über Bronze ebenso jubeln wie der erstaunliche Schwede Sebastian Samuelsson. Der mit erst 20 Jahren Konzentration und Stehvermögen wie ein Routinier bewies und vollkommen überraschend von Startplatz 14 zu Silber lief.

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Pyeongchang 2018: Alle deutschen Medaillengewinner

Doll, Peiffer, Schempp und Lesser - nach dem ersten Schießen lagen die vier sogar noch unter den ersten Sechs, alle vier hatten bis zum letzten Schießen Tuchfühlung zur Medaille: Mit einer solchen Vorstellung ist der Sieg in der Staffel ein realistisches Ziel. Gold und Bronze nach zwei Männerrennen, dazu die beiden Siege von Dahlmeier: Das Desaster von Sotschi 2014 ist längst abgehakt.

Nicht immer im Sport gewinnen wirklich die, die man für die Besten ihrer Art hält. An diesem Montagabend im Alpensia Biathlon Centre war es einmal so: Laura Dahlmeier und Martin Fourcade sind zwei Ausnahmebiathleten in ihrem Sport.



insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
Hirn gefragt? 12.02.2018
1. Könnten ihre Spiele werden...
Und das dieses Mal weniger wegen ihrer Schnelligkeit in der Loipe, sondern wegen ihrer phänomenalen und souveränen Schießeinlagen. Das liegt vermutlich aber auch an unerlaubten Mitteln, an zu vielen Hautunreinheiten und der Tatsache, dass sie wie M. Neuner aus Bayern kommt, nicht wahr @zaunreiter35...
bimberle84 12.02.2018
2.
Zitat von Hirn gefragt?Und das dieses Mal weniger wegen ihrer Schnelligkeit in der Loipe, sondern wegen ihrer phänomenalen und souveränen Schießeinlagen. Das liegt vermutlich aber auch an unerlaubten Mitteln, an zu vielen Hautunreinheiten und der Tatsache, dass sie wie M. Neuner aus Bayern kommt, nicht wahr @zaunreiter35...
Eine Goldmedaile erstmal zum Anlass nehmen um bissl Hass im Forum zu schüren? Onlineforen sind halt auch nichts anderes als ne Klowand an der Raststätte. Sauber und sympathische Leistung mein Herr! Und nebenbei auch meinen aufrichtigen Glückwunsch an Dahlmeier. Das war wirklich überragend!
Munzelchen 12.02.2018
3.
@bimberle84 Der Text von @Hirn gefragt" war auf @zaunreiter35 gemünzt, der Frau Dahlmeier ständig des Dopings beschuldigt
knapi 12.02.2018
4. die journalisten sollten sich vielleicht
etwas Zurückhaltung auferlegen. damit diese junge frau durch gequatsche und lauter dumme fragen nicht noch zusätzlich belastet wird. dafür ist doch zeit. wenn sie ihre 3. oder 4. Goldmedaille geschafft hat
gammoncrack 12.02.2018
5. Sie sitzen hier auf dem falschen Dampfer
Zitat von bimberle84Eine Goldmedaile erstmal zum Anlass nehmen um bissl Hass im Forum zu schüren? Onlineforen sind halt auch nichts anderes als ne Klowand an der Raststätte. Sauber und sympathische Leistung mein Herr! Und nebenbei auch meinen aufrichtigen Glückwunsch an Dahlmeier. Das war wirklich überragend!
Der Forist ist mit Ironie auf die Kommentare von ZAUNREITER35 zu Laura Dahlmeiers erster Goldmedaille eingegangen. Dieser unterstellte Doping aufgrund von Pickeln im Gesicht - genau wie bei Magdalena Neuner auch. Wobei die Probleme des Foristen zaunreiter35 offensichtlich ganz anderer Natur sind.
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