Biathlon-Weltmeisterin Dahlmeier Die neue Königin

Erst Gold geholt, dann zur Audienz beim König: Biathlon-Weltmeisterin Laura Dahlmeier hat sich in Oslo einen unvergesslichen Tag beschert. Vor allem lief sie endlich aus dem Schatten der Magdalena Neuner.

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Den vergangenen Sonntag hat Laura Dahlmeier im Bett verbracht. Krank und höchstwahrscheinlich extrem schlecht gelaunt. Schließlich gibt es wenig Ungelegeneres, als sich einige Tage vor dem Saisonhöhepunkt einen Infekt einzufangen.

Eine Woche später ist Laura Dahlmeier Weltmeisterin.

Die 22-Jährige stürmte dermaßen souverän zum WM-Gold in der Verfolgung, als hätte es nie einen Infekt gegeben. Extrem sicher am Schießstand, viermal blieb sie fehlerlos, damit war der Grundstein für den WM-Erfolg gelegt. "Beim letzten Schießen habe ich mir einfach versucht einzureden: Du stehst da jetzt am Schießstand wie im Sommer, beim ganz normalen Training", sagte sie anschließend.

Aber dies war nicht irgendein normaler Schießstand im Sommer. Dies war der Holmenkollen, für die nordischen Skisportler die denkbar feinste Adresse, und es schauten auch nicht nur ein paar Trainer und Serviceleute Dahlmeier über die Schultern, sondern unter anderem auch der norwegische König Harald. Zu dem durfte Dahlmeier anschließend in die Ehrenloge, und es seien "wirklich schöne fünf Minuten" gewesen.

Aus dem Schatten von Magdalena Neuner heraus

Ihre Eltern, so erzählte die 22-Jährige, hätten ihr früher vorm Fernsehen gesagt: "Wenn du dich anstrengst, dann schaffst du es auch bis zum König." Jetzt ist sie selbst eine Art Königin ihres Sports. Als Nachfolgerin Ihrer Majestät Magdalena Neuner, der Ersten.

Neuner - das ist der riesige Schatten über dem deutschen Frauen-Biathlon. Die Rekordweltmeisterin, die Olympiasiegerin - ein Schatten, der sich bei den Olympischen Spielen in Sotschi vor zwei Jahren noch als zu groß, zu übermächtig, zu einschüchternd für die jungen Biathletinnen nach Neuner erwies. Jetzt scheint die Zeit gekommen, aus dem Schatten herauszutreten. Gold an Dahlmeier, dazu Rang vier für Franziska Hildebrand, Platz sechs für Franziska Preuß.

Das riecht nach einer neuen Ära, wie vor Jahren, als Neuner, Kati Wilhelm und Andrea Henkel die Szene dominierten. Dahlmeier ist erst 22, Preuß gar 21. Selbst beim DSV sind einige überrascht, wie schnell die Lücke im Frauen-Biathlon, die 2014 noch so groß schien, geschlossen worden ist.

Sechs Weltcupsiege hat Dahlmeier jetzt schon auf ihrem Konto, vier allein in diesem Winter - und das, obwohl sie immer wieder von hartnäckigen Erkältungskrankheiten geplagt wurde. Vier Infekte hat sie in dieser Saison schon hinter sich bringen müssen, aber das scheint auch abzuhärten. Eine Woche später nach dem Betthüten zu Gold zu laufen, das hätte sie am Anfang der Saison wohl noch nicht geschafft.

"Es war ein perfekter Tag, es war ein perfektes Rennen", hat sie nach dem Wettkampf gesagt, und es gab niemanden, der ihr da nur im Ansatz hätte widersprechen können. Die Coolness, mit der sie all ihre 20 Schüsse ins Ziel gesetzt hat, die Lockerheit, mit der sie sich am Ende einen Vorsprung von 48 Sekunden auf die Italienerin Dorothea Wierer herausgelaufen hatte - das hat die Fachwelt beeindruckt.

Am Ende der Audienz hat der König Dahlmeier gefragt, ob sie hier in Oslo denn gedenke, noch mehr Medaillen zu holen. "Versprechen konnte ich ihm das nicht", hat Dahlmeier gesagt. Aber ausgeschlossen hat sie es auch nicht.



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Daniel K 06.03.2016
1. Glückwunsch
zum überragenden WM-Gold und der tollen Mannschaftsleitung. An den Damen werden wir noch sehr viel Freude haben.
Mondaugen 06.03.2016
2. Sympathisch
Eine sympathische Athletin, die hoffentlich natürlich bleibt und weiter offen redet. Sprechautomaten haben wir schon genug bei Interviews. Um allerdings an Magdalena Neuner heranzukommen, braucht es noch etwas.
Nikkitarian 06.03.2016
3. Super
Gold für Deutschland! Und wie sie mit schwarz-rot-gold ins Ziel gewedelt kam, musste ich eine Freudenträne wegdrücken, so schön war das.
aurichter 06.03.2016
4. Eine Laura Dahlmeier
ist keine Magdalena Neuner! Ein Carl Lewis war kein Usain Bolt usw Die deutschen Damen haben eindrucksvoll, auch wenn nicht soviel Goldene dies zeigen, bewiesen, daß die ganze Trainingsarbeit sich nun auszahlt. Auch eine Miriam Gössner wird dieses Level wieder erreichen, da bin ich mir sicher. Wäre der schlimme Unfall nicht gewesen, wer weiss....!! Glückwunsch an Laura Dahlmeier und machet noch einmal :-))
heinz_schmitz 07.03.2016
5.
Nun ja... auf den National-Klimbim hätte ich verzichten können... Aber wie abgezockt sie heute agierte, das hat mich schwer beeindruckt. In aller Seelenruhe nochmal das Visier umzustellen, weil sie bemerkt hatte, daß mitten im Schießen der Wind sich drehte - und das obwohl sie die Schüsse davor getroffen hatte - an solch einer Souveränität scheitern selbst gestandene Athletinnen hin und wieder. Im Sprint merkte man den "jungen Hüpfern" noch an, daß ihnen wohl ein wenig die Nerven flatterten. WM am Holmenkollen! Heute dagegen lieferten alle drei, Dahlmeier, Preuss und Hildebrandt nahezu perfekte Leistungen ab! Und wäre der (Zeit-)Rucksack des Sprints nicht gewesen, hätten sie heute alle drei auf dem Treppchen stehen können! Und schaut man sich dann noch an, daß eine phantastische Läuferin (aber lausige Schützin) wie Miriam Gössner und die Ex-Junioren-Weltmeisterin Maren Hammerschmidt "auf der Bank" saßen, und dazu noch Vanessa Hinz und die Horchler-Schwestern in der Lauerposition, Tina Bachmann.... Nein, um die Zukunft des deutschen Frauen-Biathlons muß man sich wirklich keine Sorgen (mehr) machen. Eher um die der Athletinnen, wenn die Trainer schon bald wieder vor der schwierigen Entscheidung stehen werden, Läuferinnen nicht für Wettbewerbe nominieren zu können, die in jeder anderen Nationalmannschaft gesetzt wären, einfach, weil es zuviele gute sind, und einem irgendwann die Startplätze ausgehen. Das gab es vor gar nicht so langer Zeit schon einmal: Neuner, Wilhelm, Henkel, Glagow, Denkinger, Buchholz...
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