Bob-Pilot Machata über Kufen-Affäre "Dann ist meine Karriere vorbei"

Der deutsche Bobfahrer Manuel Machata prüft eine Klage gegen die Ein-Jahres-Sperre des Verbands. Er beteuert: "Ich habe nicht mit den Kufen gehandelt." Der 29-Jährige fühlt sich unfair behandelt und hat "existentielle Ängste".

Ein Interview von

DPA

Die Geschichte ist skurril. Nachdem Manuel Machata, deutscher Viererbob-Welt- und Europameister von 2011, die Qualifikation für die Olympischen Winterspiele in Sotschi verpasst hatte, gelangten die Kufen seines Sportgeräts zum russischen Fahrer Alexander Subkow - der damit prompt zu Gold fuhr. Der Vorgang hat beim Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) Entsetzen ausgelöst. Am Montag sperrte der Verband den 29-jährigen Machata für ein Jahr, außerdem soll der Pilot eine Strafe von 5000 Euro zahlen.

SPIEGEL ONLINE: Herr Machata, wie haben Sie auf die Sperre reagiert?

Machata: Ich war total überrascht von dieser Entscheidung. Ich kann mir das nicht erklären. Ich habe mir die Kufen zwar besorgt und bin sie auch gefahren, aber ich habe danach nicht mit ihnen gehandelt.

SPIEGEL ONLINE: Sondern?

Machata: Der Schweizer Händler Pius Meyerhans lieh mir die Kufen vor der Saison aus. Nachdem ich mich nicht für Olympia qualifizierte, wollte ich sie zurückgeben. Das war Teil unserer Abmachung. Meyerhans bat mich darum, den Kufensatz direkt an Subkow weiterzugeben. Das ist sein gutes Recht, er wollte sein Material bei Olympia sehen.

SPIEGEL ONLINE: Ist es üblich, dass Material unter internationalen Spitzenathleten hin und her gereicht wird?

Machata: Wir deutschen Piloten bekommen den Großteil unseres Materials vom Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten in Berlin. Die Forschung und Herstellung wird mit Steuergeldern finanziert. Es ist klar, dass ich von diesem Material nichts weitergebe. Die Kufen aus der Schweiz waren aber eine private Anschaffung. Da gibt es seit langem einen Austausch unter den Piloten.

SPIEGEL ONLINE: Genau das scheint dem BSD zu missfallen. Der Verband will nicht, dass es unter Sportlern verschiedener Nationen einen Kufen-Basar gibt.

Machata: Dann sollte er zuerst klare Regeln aufstellen. Stattdessen wird in meinem Fall ein Zeichen gesetzt. Das ist unfair.

SPIEGEL ONLINE: Was ist denn so toll an den Kufen aus der Schweiz?

Machata: Pah. Alle sprechen jetzt von den Wunder-Kufen. Das sind ganz normale Viererbob-Kufen, Allround-Material, nichts Besonderes.

SPIEGEL ONLINE: Subkow ist damit immerhin zu Gold gefahren.

Machata: Und das soll an diesen Kufen gelegen haben?

SPIEGEL ONLINE: Hat es nicht?

Machata: Da lache ich mich tot. Wer ganz vorne reinfahren will, braucht den besten Start und eine perfekte fahrerische Leistung. Das steht im Mittelpunkt.

SPIEGEL ONLINE: Klagen Sie gegen Ihre Sperre?

Machata: Ich warte noch auf die schriftliche Stellungnahme des Verbandes. Wenn ich die habe, werde ich mich mit meinem Anwalt besprechen. Wir werden versuchen, rechtlich dagegen vorzugehen. Sollte ich wirklich ein Jahr lang nicht mehr fahren dürfen, wäre meine Karriere vorbei. Meine Sponsoren würden wohl abspringen. Außerdem verlierst du im Bobsport ohne den regelmäßigen Wettkampf schnell deine Athletik. Das alles belastet mich, ich habe existentielle Ängste.

SPIEGEL ONLINE: Es heißt, Sie würden über einen Wechsel ins Ausland nachdenken. Der jamaikanische Verband soll Interesse an Ihnen haben.

Machata: Es gibt Kontakte, man kennt sich. Aber ich habe bislang kein Angebot. Es ist mein Plan, weiterhin für Deutschland zu starten.

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insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
volker_morales 05.03.2014
1. Klarer Fall von denkste
Als ich in den Medien von dem Fall gehört habe, habe ich gedacht, Machata hätte die Kufen aus Frust an die Russen weiter gegeben, um seinen Teamkameraden zu schaden. Wäre es so, wären Sperre und Strafe mehr als gerechtfertigt. Aber die weisungsgemäße Weitergabe von geliehenen fremden Material lässt die Sache in einem ganz anderen Licht erscheinen. Wenn es zutrifft, was er sagt, hat er sich wirklich nichts vorzuwerfen. Nicht nur juristisch, auch sportskameradschaftlich.
deus-Lo-vult 05.03.2014
2.
Die völlig ungerechtfertigte Sperre zeigt 2 Dinge: Die Hilflosigkeit und Unfähigkeit des BSD. Und einen armseligen Versuch vom eigenen Versagen abzulenken. Erbärmlich. Machata hat nicht den geringsten Fehler gemacht.
duke_van_hudde 05.03.2014
3. Hmm
Wenn er wirklich für Jamaika starten würden, dann würde einige sehr grosse Angst bekommen.Sollte dann Sponsoren und Material zu bekommen sein wird es sehr spannend. Den das er ein guter Pilot ist sollte klar sein in Verbindung mit dem Land wo man wohl die besten Sprinter der Welt für diesen Job herbekommen könnte würde das ganze eine extreme Mischung sein. Das Problem ist halt das Geld weil Bobsport sehr teuer ist aber die Idee ist sicher absolut top und sollte er dann vor den Deutschen liegen wird es sicher sehr lustig werden. Wie sich die Geshcische aus seinen Mund anhört hat er sich nichts zu schulden kommen lassen.Was aber da wirklich passiert ist müssen wohl am ende die Gerichte entscheiden.Sollte das stimmen das der Verband sagt dann liegt hier wiederum ganz sicher ein Fehler vor.
bumminrum 05.03.2014
4. seltsame Sache
wenn die Fakten so zutreffen ist der Verband nicht zu verstehen. Aber es stellt sich auch die Frage warum Millionen von Steuergeldern in diesen Sport von wenigen Athleten gesteckt werden müssen.
soerenson 05.03.2014
5. Was wäre wenn...
ob es auch eine Strafe gegeben hätte, wenn er die Kufen Oskars Melbardis (LAT) oder Steven Holcomb (USA) gegeben hätte? Nein das wären ja unsere Freunde und nicht Feinde!!! Danke an die Politiker dieser Welt, ganze 20 Jahre hatten wir den kalten Krieg überstanden. Aber aus Sicht des Bobverbandes ist es nur noch lächerlich, wer nicht gut startet wird nur mit heißen Kufen erster. Aber viel interessanter ist, dass ein Arbeitgeber einem eine 1 jähriges Berufsverbot aussprechen darf, weil man sich privat etwas leiht und verleiht. Willkommen in der modernen Sklaverei. und ganz nebenbei eröffnen sie wieder Ost - West-Schubladendenken. Glückwunsch zu dieser grandiosen Leistung.
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