Verstorbenes Ski-Talent Max Burkhart "Das Schlimmste, was passieren kann"

Nach dem Tod des 17 Jahre alten Skirennläufers Max Burkhart in Kanada herrscht Entsetzen. Das Nachwuchstalent träumte von einer Karriere als Profi.

Max Burkhart
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Max Burkhart

Von Florian Kinast


Viel konnte und wollte Michael Maurer am frühen Donnerstagnachmittag nicht sagen: "Wir sind alle in tiefster Trauer", so der Präsident des SC Partenkirchen am Telefon, "wenn so ein junger Bursch ums Leben kommt, ist es das Schlimmste, was passieren kann."

Wie so viele in Garmisch-Partenkirchen war auch Maurer vom Tod des 17-jährigen Skirennläufers Max Burkhart in Lake Louise tief erschüttert. Maurer ist ein enger Freund der Familie, er sagte noch: "Wir sind uns sehr nah und kennen uns sehr gut. Tröstende Worte gibt es in diesem Moment nicht. Und ich bin auch nicht in der Lage, im Moment darüber zu sprechen."

Max Burkhart war ein vielversprechendes Nachwuchstalent. Ende September wurde er 17, er träumte von der großen Karriere als Alpinrennläufer. Sein großes Vorbild war Felix Neureuther, sein Vereinskollege vom Skiklub Partenkirchen, der immer wieder beim Nachwuchs vorbeischaute und gerne mit den Kindern und Jugendlichen trainierte, so auch im Februar 2013, als er mit der Gruppe um den damals 12-jährigen Max Burkhart an einem sonnigen Wintertag zum Skifahren ging.

Er ging für die Profikarriere nach Amerika

Burkhart besuchte viele Jahre das Werdenfels-Gymnasium im Zentrum der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen. Der Unterricht in seiner früheren Klasse fiel heute komplett aus, die Schulpsychologin und ein Kriseninterventionsteam kümmerten sich um die Schüler, Prüfungen und Schularbeiten wurden vorerst ausgesetzt. "Max war ein fröhlicher Schüler. Immer zu einem Spaß aufgelegt. Ein Gaudibursch, wie man bei uns in Bayern sagt", so Oberstudiendirektor Tobias Schürmer. Freitagmorgen gibt es eine Andacht in der Schule, dazu zu Beginn der dritten Stunde eine Schweigeminute in allen Klassen.

Burkhart wusste, wie gefährlich der Skisport sein kann (Einen Text zur Sicherheit im Skisport lesen Sie hier). Noch im Mai dieses Jahres engagierte er sich für den 16-jährigen Nikolai Sommer vom Skiverband Chiemgau, der nach einem tragischen Trainingssturz eine Querschnittslähmung erlitten hatte.

Für die Karriere kehrte Max Burkhart seiner Heimat unterhalb der Zugspitze den Rücken und zog nach Amerika. Er glaubte, dort bessere Bedingungen vorzufinden, um eines Tages in den Deutschen Skiverband aufgenommen zu werden. Bislang war er noch in keinem Kader des DSV, lediglich im Bayerischen Skiverband. So ging er auf die Sugar Bowl Academy in Kalifornien, nordwestlich des Lake Tahoe, am Fuße des Ski Resorts am Mount Lincoln: Eine 1999 gegründete Highschool für 14- bis 18-Jährige, in der die Schüler neben einer umfassenden Ausbildung auch professionelles Ski-Training bekommen.

Sechs Skitage pro Woche haben die Schüler an der Sugar Bowl Academy mit ihren Trainern in der Wintersaison, lediglich Montag ist schneefrei.

Große Bestürzung in der internationalen Skiszene

In dieser Woche fuhr Max Burkhart mit seiner Leistungsgruppe nach Kanada. Am Weltcuport in Lake Louise wollte er für die Sugar Bowl Academy an einem Rennen der NorAm-Serie teilnehmen, die mit den Europacup-Rennen in den Alpen vergleichbar ist, wo die Läufer wichtige Punkte sammeln, um in der Rangliste des Skiweltverbands Fis weiter nach vorne zu kommen.

Der tödliche Unfall ereignete sich am Dienstag kurz nach 14 Uhr. Nach seinem Sturz am Rande der Piste landete Max Burkhart im Sicherheitszaun, die messerscharfen Kanten seiner Skier durchschnitten die Maschen. Genau dieselbe Tragik wie im Dezember 2001 beim Schweizer Silvano Beltrametti, der bei der Abfahrt in Val d'Isere hinter dem Fangnetz gegen einen Baum prallte und seitdem querschnittsgelähmt im Rollstuhl sitzt. Burkhart wurde noch eine knappe halbe Stunde vor Ort stabilisiert, dann kam er mit dem Rettungshubschrauber ins Foothills Hospital nach Calgary, wo er am Mittwoch seinen schweren Verletzungen erlag.

Der Tod rief in der internationalen Skifamilie große Bestürzung hervor. "Verstörende Neuigkeiten", schrieb etwa Olympiasiegerin Lindsey Vonn auf Twitter, "mein Beileid an Max' Familie und Freunde."

Maria Höfl-Riesch, die ebenfalls beim SC Partenkirchen das Skifahren begann, sagte: "Ich bin fassungslos. Meine Gedanken sind bei seinen Eltern und seiner Familie." Und Felix Neureuther schrieb, nur wenige Wochen nach dem Tod von David Poisson im kanadischen Nagiska erschüttert: "Was ist momentan bitte los? Ich verstehe es nicht! Ruhe in Frieden Junge."



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