Ski-Star Shiffrin Die Perfektionistin

Wird Mikaela Shiffrin der Superstar der Winterspiele? Die US-Amerikanerin ist im Slalom Titelverteidigerin und gehört auch in der Abfahrt zu den Favoritinnen. Damit wird sie zur großen Rivalin von Lindsey Vonn.

Aus Pyeongchang berichtet


Als Lindsey Vonn am Tag vor der Eröffnungsfeier nach einer 24-stündigen Odyssee im olympischen Dorf eintraf, war Mikaela Shiffrin bereits eine Woche in Pyeongchang. In diversen Trainingsläufen hatte sie sich bereits frühzeitig auf die Pistenverhältnisse eingestellt. In Abwesenheit der NHL-Stars und ohne eine amerikanische Gold-Favoritin im Eiskunstlauf haben die beiden so unterschiedlichen US-Amerikanerinnen die Chance, das Gesicht der großen Sportnation USA bei den Spielen in Südkorea zu werden. Oder gar der globale Superstar der Spiele.

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Skistar Shiffrin: "Ich will Medaillen in allen Wettbewerben"

Vonn hätte sich die beschwerliche Anreise aus München gerne erspart, ihr erstes Rennen startet allerdings auch erst am 17. Februar. Für Shiffrin geht es bereits am Montag (2.15 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) im Riesenslalom los - das erste ihrer möglicherweise fünf Rennen in Pyeongchang. "Ich weiß noch nicht, wie oft ich wirklich antreten werde", sagt die 22-Jährige. "Vor den Speed-Disziplinen werde ich gemeinsam mit den Trainern entscheiden, ob die Kraft für fünf Rennen reichen wird." Es gilt als wahrscheinlich, dass sie zumindest auf den Super-G verzichten wird.

Shiffrin, die im Alter von zwei Jahren erstmals auf Skiern stand und mit 18 Jahren in Sotschi die Goldmedaille im Slalom gewann, will nichts dem Zufall überlassen. Sie erscheint mit Handschuhen zum Pressetermin, will auf keinen Fall krank werden. Dabei gibt sie sich betont locker, will die Erwartungshaltung nicht an sich heranlassen - auch wenn das nicht immer gelingt. "Ich spüre keinen Druck von außen", sagt Shiffrin etwas unsicher: "Ich will Medaillen gewinnen."

Dieses Ziel schien Ende Januar nach einer unglaublichen Serie von acht Siegen in neun aufeinanderfolgenden Weltcup-Rennen in Gefahr. Shiffrin schied bei drei Rennen aus, belegte zudem einmal nur den siebten Platz. Im Gesamtweltcup hat sie weiterhin fast doppelt so viele Punkte wie die Zweitplatzierte Wendy Holdener (Schweiz), aber Shiffrin wirkte plötzlich schlagbar - und das ist in ihrer Welt keine Option.

Also traf Shiffrin gemeinsam mit Manager Kilian Albrecht und ihrer omnipräsenten Mutter Eileen eine Entscheidung: Keine weiteren Rennen vor Olympia, vorzeitige Abreise nach Pyeongchang. "Ich war einfach etwas müde", sagt die dreifache Slalom-Weltmeisterin: "Nun habe ich mich erholt und fühle mich wieder viel besser."

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Pyeongchang 2018: Das könnten die Top-Stars werden

Seit Shiffrin 2013 mit dem WM-Titel im Slalom zum Nonplusultra in dieser Disziplin aufstieg, ist viel passiert. Ihrem Traum, die beste Skifahrerin der Welt zu werden, ordnete sie früh alles unter. Keine Partys in der Highschool, extrem viel Training, mit 16 Jahren das Debüt im Weltcup. Im Riesenslalom gewann sie 2014 ihr erstes Rennen, im Super G tastete sie sich 2015 langsam an die Speed-Disziplinen heran und als Shiffrin im vergangenen Dezember in Lake Louise ihr erstes Abfahrtsrennen gewann, war sie zuvor nur dreimal überhaupt in der Abfahrt gestartet.

Der Stenmark-Rekord: Erst Vonn, dann Shiffrin?

Mittlerweile hat Shiffrin 41 Weltcup-Rennen gewonnen, das hat zu einem so frühen Zeitpunkt noch kein Skifahrer geschafft. Die Bestmarke insgesamt stammt aktuell noch von Ingemar Stenmark, der zwischen 1974 und 1987 insgesamt 86 Siege feierte und dessen Rekord viele Jahre als unantastbar galt. Nun aber wackelt er. Und das gleich doppelt. Denn zunächst schickt sich im Moment Vonn mit aktuell 81 Siegen an, Stenmark zu übertreffen. Die Olympiasiegerin von Vancouver hängt noch eine Saison dran, denn sie "will diesen Rekord - unbedingt".

Shiffrin weist die Sehnsucht nach diesem Rekord weit von sich, verständlich bei der damit verbundenen Pflicht, in einem sehr verletzungsanfälligen Sport noch über Jahre Bestleistungen bringen zu müssen. Doch es zeigt eben auch, wie verschieden die beiden Superstars der alpinen Szene sind - bei allem grundsätzlichen Ehrgeiz, der beide vereint.

Auf der einen Seite die extrovertierte Vonn, die sich mit Nacktbildern, ihrem Beziehungsstatus oder wie in Pyeongchang mit einer tränenreichen Pressekonferenz zu inszenieren weiß. Shiffrin will all das nicht. Sie will den Skisport mit Skisport bekannter machen, lässt ihre Beziehung zum französischen Kollegen Mathieu Faivre unkommentiert und zeigt sich in sozialen Medien bescheiden.

Eine Gemeinsamkeit gibt es dann aber doch noch. Vonn machte vor Jahren ihre Depression öffentlich und auch Shiffrin offenbarte im "Time Magazine" psychische Probleme, die sie mit einer Sportpsychologin bekämpfte. So fand Shiffrin im vergangenen Jahr die zwischenzeitlich verloren gegangene Lockerheit wieder. Sie überlässt nichts dem Zufall. Wie es sich für eine Perfektionistin gehört.

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insgesamt 3 Beiträge
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blueberryhh 11.02.2018
1. drücke den beiden...
...die Daumen!
TS_Alien 11.02.2018
2.
So stark ist die Konkurrenz beim Damenskifahren nicht. Da kann man schnell ein Superstar werden. Ob ein echter Superstar auch mit einer "schicken" Mütze mit Nudel-Werbung herumläuft, glaube ich nicht.
Prussia Culé 11.02.2018
3. Die Konkurrenz ist sogar sehr groß
Zitat von TS_AlienSo stark ist die Konkurrenz beim Damenskifahren nicht. Da kann man schnell ein Superstar werden. Ob ein echter Superstar auch mit einer "schicken" Mütze mit Nudel-Werbung herumläuft, glaube ich nicht.
Also das ist Unsinn. Der Damenweltcup ist hart umkämpft. Wenn man den Gesamtweltcup und die Slalomwertung herausnimmt, dann sieht man wie viele da vorne mitmischen. Goggia, Vonn, Rebensburg, Worley, Weirather, Hütter, Gut, Veith, Brignone, Mowinckel, Vlhová, Hansdotter, Holdener, Gisin, Schmidhofer, Mölgg usw. Wenn das mal keine starke Konkurrenz sein soll, weiß ich auch nicht
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