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23. Februar 2013, 11:32 Uhr

Lüdemanns 1000. DEL-Spiel

"Früher hat es nach Bratwurst und Glühwein gerochen"

Als erster Profi bestreitet Mirko Lüdemann am Sonntag sein 1000. Spiel in der Deutschen Eishockey-Liga. Im Interview spricht der 39-Jährige über harte Verletzungen, das "Winterfeeling" in den neunziger Jahren und seine Liaison mit dem Erzrivalen Düsseldorf.

SPIEGEL ONLINE: Herr Lüdemann, als Kind wollten Sie Matrose werden, nun bestreiten Sie am Sonntag Ihr 1000. DEL-Spiel - als erster Eishockeyspieler überhaupt. War es die richtige Wahl?

Lüdemann: Es war in jedem Fall die schönere Wahl. Das Leben als Eishockeyprofi mit all den Höhen und Tiefen hat mich immer begeistert. Den wöchentlichen Wettkampf hätte ich auf See sicher vermisst.

SPIEGEL ONLINE: Im Eishockey geht es nicht gerade zimperlich zu, ihr ehemaliger Nationalmannschaftskollege Stefan Ustorf muss seit über einem Jahr mit starken Kopfschmerzen pausieren. Kopfverletzungen sind in der Sportart kein Einzelfall. Wie haben Sie diese Knochenmühle überstanden?

Lüdemann: Wahrscheinlich gehört auch etwas Glück dazu, dass man in bestimmten Situationen nicht da ist, wo es weh tut. Wenn mich ein Gegner von hinten zusammenfährt, bin ich aber machtlos.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben sich unter anderem schon Ihr Syndesmoseband angerissen, hatten einen Muskelabriss im Oberschenkel und haben sich den Knöchel abgesplittert. Gibt es überhaupt ein Körperteil, das nicht betroffen war?

Lüdemann: Auf die Schnelle fällt mir keins ein. Außer die Wirbelsäule, die ist noch heil und stabil.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind seit der Premierensaison der Deutschen Eishockey-Liga 1994/1995 dabei. Damals wurde noch mit Holzschlägern gespielt, die Hallen waren zum Teil nicht überall geschlossen. Vermissen Sie die Ursprünglichkeit der Sportart?

Lüdemann: Nur manchmal. Die neuen Hallen, in denen man jetzt spielt, sind schön, sie sind gemütlich. Ein bisschen fehlt aber diese Stimmung, die man vor 10 oder 15 Jahren hatte. Das Winterfeeling. Früher war es kalt, es hat nach Bratwurst oder Glühwein gerochen.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind 39 Jahre alt. Wie behaupten Sie sich gegen 20 Jahre jüngere Konkurrenten?

Lüdemann: Keine Ahnung (lacht). Ich mache nichts Besonderes. Ich trainiere wie meine Konkurrenten auch im Sommer und versuche, mich fit zu halten.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben im Herrenbereich nur für einen Club gespielt: die Kölner Haie. Hatten Sie nie Lust auf etwas Neues?

Lüdemann: Ich hatte auch Angebote von anderen Vereinen wie Düsseldorf und Mannheim. Aber der finanzielle Anreiz war dann doch nicht so groß, um mein gewohntes Umfeld in Köln zu verlassen. Mir war es immer wichtiger, dass ich mich in der Stadt wohlfühle, in der ich spiele. Das tauscht man nicht so leicht ein.

SPIEGEL ONLINE: 1996 wären Sie eigentlich bei der Düsseldorfer EG, Kölns Erzrivalen, gelandet.

Lüdemann: Ich stand in Köln unter Vertrag, mein Jugendverein Weißwasser hatte aus Liquiditätsproblemen aber 1994 meine Transferrechte an Düsseldorf verkauft. So habe ich eigentlich der DEG gehört, obwohl ich dort nie einen Vertrag unterschrieben hatte. Ich hatte kein Mitspracherecht, aber auch keine Ambitionen, für Düsseldorf zu spielen.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben jüngst in Köln noch einmal bis 2014 verlängert. Sven Felski, ein alter Weggefährte, sagte: "Meinetwegen könnte er noch weitere 1000 Spiele machen." Wie lange wollen Sie denn noch spielen?

Lüdemann: So lange ich noch mithalten kann. Wenn ich irgendwann zu langsam für die erste Liga bin, wird es das gewesen sein. Ein Ballast für meine Mannschaft will ich auf keinen Fall sein. Nur weil ich 1000 Spiele absolviert habe, muss ich meiner Mannschaft am Ende nicht schaden.

Das Interview führte Nils Lehnebach

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