München 2018 Holprige Olympia-Bewerbung

München hat mit der Abgabe des Bid Books an das IOC die Auflagen für eine Olympia-Bewerbung erfüllt. Die Probleme sind damit allerdings nicht gelöst, das Unbehagen im eigenen Land ist groß. Dabei geht es um mehr als um ein paar renitente Grundstückseigentümer.

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dpa

Bilder wie dieses hat die Bewerbungsgesellschaft München 2018 am liebsten: eine strahlende Kuratoriumsvorsitzende Katarina Witt, umringt von Dutzenden Fotografen. Die frühere Eisprinzessin, groß geworden im Sportsystem der DDR, ist die derzeit beste Waffe der Münchner im Kampf um die Olympischen Winterspiele. Die Witt besitzt Charme und soll gewohnt kufensicher dafür sorgen, dass es keinen Ausrutscher gibt.

Am Dienstag hatte Witt wieder ausreichend Gelegenheit, ihr Lächeln breitenwirksam einzusetzen. München hat als dritter und letzter Kandidat dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in Lausanne die offiziellen Bewerbungsunterlagen überreicht. Das Strahlen der Witt und rund 400 Seiten "Bid Book" - eine märchenhafte Verbindung. Auch eine erfolgreiche?

Zweifellos hat die Münchener Bewerbung nicht zuletzt dank des Wittschen Einsatzes gegenüber der Konkurrenz aus Frankreich und Südkorea, Annecy und Pyeongchang, in den vergangenen Monaten Boden gut gemacht. Die südkoreanische Konkurrenz unternimmt den dritten Anlauf. Pyeongchang, das auf die Unterstützung des im Sportsponsoring sehr eifrigen Samsung-Konzerns bauen kann, gilt aber immer noch als Favorit.

Die global agierenden Sportverbände neigen dazu, Großveranstaltungen vor allem nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu vergeben. Fußballweltverband Fifa und die Formel 1 verfahren vermehrt nach der Devise "Go east!". Die WM-Turniere 2018 und 2022 wurden unlängst nach Russland und Katar vergeben, von den 20 F1-Rennen dieses Jahres wird die Hälfte in Asien oder dem Pazifikraum ausgetragen.

Für die Münchner Olympia-Bewerbung spricht die höchste Zustimmung der drei Bewerber bei den offiziellen IOC-Präsentationen in Acapulco und Zagreb. Im eigenen Land ist die Akzeptanz von München 2018 deutlich geringer. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" spricht von einer "grundsätzlich kritischen Öffentlichkeit". Deutschland habe sich bisher bestenfalls zu einem "Ja, aber" durchringen können.

Insofern geht es beim Streit um die Olympia-Bewerbung um mehr als um die renitenten Bauern von Garmisch-Partenkirchen, die sich derzeit noch weigern, ihre Grundstücke für die Spiele zur Verfügung zu stellen. Zumal die Bewerbungsgesellschaft immer wieder betont hat, im Notfall gebe es für alle benötigten Flächen eine Alternative. Die 59 Garmischer Landwirte haben es in den vergangenen Wochen zwar geschafft, dass sie als Hauptwiderstand gegen die Austragung der Spiele wahrgenommen wurden. Aber die eigentliche Gegnerschaft zu München 2018 speist sich nach wie vor aus der Sorge um die Umwelt - und ums Geld.

Umweltschützer sprechen von Augenwischerei

Auf der Website Nolympia.de haben sich die München-Gegner organisiert. Hier wird auch die Übergabe des Bid Books entsprechend kommentiert. "Viel Gejuble, wenig Fakten", kritisiert der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Bayern die Präsentation. Die Umweltschützer halten vor allem die Ankündigung der Bewerbungsgesellschaft, München werde ökologisch nachhaltige Spiele erleben, für Augenwischerei.

Christian Hierneis, Sprecher des BUND München, weist beispielsweise darauf hin, dass allein in der bayerischen Landeshauptstadt fast 2000 Bäume gefällt würden, um Platz fürs Olympische Dorf zu machen. Im Werdenfelser Land bei Garmisch müssten laut Hierneis 12.000 Parkplätze neu gebaut werden. Umstritten ist auch der Austragungsort der Biathlon- und Langlaufwettbewerbe, das Gestüt Schwaiganger.

Der keinesfalls schneesichere Ort wurde nur deswegen ausgewählt, so die Kritiker, weil hier sämtliche benötigte Flächen in öffentlicher Hand seien und man daher im Unterschied zu Garmisch keine Auseinandersetzungen mit Grundstückseigentürmern befürchten muss. "Ökologische Kriterien gelten für diese Bewerbung schon lange nicht mehr", sagt Axel Doering vom BUND in Garmisch-Partenkirchen.

Argumente, die die Grünen dazu brachten, sich auf ihrem Bundesparteitag im November 2010 gegen die Münchener Bewerbung auszusprechen. Sehr zum damaligen Unwillen von DOSB-Chef Thomas Bach und dessen Generalsekretär Michael Vesper - seines Zeichens selbst Grünen-Politiker.

Kostenschätzungen belaufen sich auf drei Milliarden Euro

"18 Gründe gegen Olympia" führen die München-Gegner auf ihrer Website auf. So befürchten sie unter anderem, dass sich die Bewerbung finanziell übernimmt. Während Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, von der "Süddeutschen Zeitung" zum "größten aller Olympia-Befürworter" gekürt, davon ausgeht, dass sich die Spiele auch finanziell für die Stadt lohnen, machen die Gegner auf die Haftungspflicht Münchens aufmerksam, falls der Spiele-Etat ein Minus aufweist.

Zudem würden bereits existierende Sportstätten wie in Ruhpolding, Oberstdorf oder Inzell nicht genutzt, während rund um Garmisch und Königsee noch gewaltig investiert werden müsse. Ude hält dagegen: "Nirgendwo auf der Welt gibt es eine derartige nacholympische Nutzung wie bei unserer Bewerbung."

Die Gesamtkosten für die Winterspiele werden auf gut drei Milliarden Euro geschätzt. Allein für die Modernisierung von Bahnstrecke und Straßen nach Garmisch werden eine halbe Milliarde Euro veranschlagt. Die bayerische Staatsregierung verweist allerdings darauf, dass diese Investitionen auch ohne Olympische Spiele angefallen wären.

Die Kritiker bezweifeln auch Positiveffekte auf den Tourismus durch die Spiele. Sie verweisen stattdessen auf Umfragen, dass mehr als 60 Prozent der Touristen, die nach Garmisch kommen, Sommergäste seien. "Demnach wäre es wesentlich sinnvoller, die intakte Natur zu erhalten, als in eine zerstörte Landschaft zu investieren", so der BUND.

Katarina Witt und Bewerbungschef Bernhard Schwank erzählten freilich eine andere Geschichte, als sie am vergangenen Samstag im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF reichlich Raum bekamen, noch einmal für das Projekt München 2018 zu werben.

Wirklich erfolgreich war das Duo an diesem Abend aber nicht. Bei einer Online-Abstimmung, an der sich die TV-Zuschauer beteiligen konnten, war nur eine knappe Mehrheit für die Münchner Bewerbung. Da gefror sogar der Witt einmal kurz ihr Lächeln.



Forum - Sollten München und Garmisch-Partenkirchen die Bewerbung für die Winterspiele 2018 besser aufgeben?
insgesamt 215 Beiträge
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Seite 1
mimas101 14.12.2010
1. Kostenfalle
Und wie teuer werden die olympischen Spiele den Steuerzahler kommen? Können und wollen wir uns das überhaupt leisten?
Keine Panik, 14.12.2010
2.
Zitat von sysopUm die deutsche Bewerbung zu den Olympischen Winterspielen 2018 gibt es derzeit wieder einmal viele Diskussionen. Es gibt zahlreiche Befürworter und Gegner. Denken Sie, dass die Bewerbung zurückgezogen werden sollte?
Nein und das werden sie auch nicht. Das dzt. Theater ist doch lachhaft
Niamey 14.12.2010
3. Bewerbung für 2018 aufgeben?
Zitat von sysopUm die deutsche Bewerbung zu den Olympischen Winterspielen 2018 gibt es derzeit wieder einmal viele Diskussionen. Es gibt zahlreiche Befürworter und Gegner. Denken Sie, dass die Bewerbung zurückgezogen werden sollte?
Die Bauern sind mutig und haben meine Sympathie. Diese Geldschefflerei und Schönfärberei einer solchen Veranstaltung geht mir schon seit Jahrzehnten auf den Wecker. Hier verdienen sich einige Wenige auf dem Buckel der Mehrheit eine goldene Nase und von der Korruption die damit einhergeht wollen wir lieber aus lauter Scham schweigen. Mal ein paar Jahre ohne solche Events und es geht uns gleich besser. Auch wenn dann einige Ihre "Pöstchen" verlieren, na und!
berns 14.12.2010
4. Bauern, bleibt standhaft!
Wehrt Euch gegen die Umweltverschmutzung durch die "Olympischen" Spiele, die doch nichts anderes sind, als Profitmacherei für gewisse Leute. Bayern soll das Geld besser für soziale Zwecke ausgeben. Für Kinderkrippen, die überall fehlen,z.B. Und für Alters- und Pflegeheime, die bezahlbar sind. Olympische Spiele brauchen wir nicht. Auf die 50 Cent, die Ihr pro qm "als Entschädigung" bekommen sollt, könnt Ihr "sch......".
MünchenerKommentar 14.12.2010
5. Olympia ist doch lustig
Die Fussballweltmeisterschaft in Deutschland war doch auch ganz lustig, da wird eine Winterolympiade auch nicht schlecht und man muss ja nicht immer alles auf den letzten Cent ausrechnen und rummotzen was alles passieren könnte, ob das wirklich nötig ist, etc.
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