Neujahrsspringen Georg Späth fliegt aufs Podium

Der 22-jährige Georg Späth ist aus deutscher Sicht die große Überraschung der Vierschanzentournee. Beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen kam der Oberstdorfer erstmals in seiner Weltcup-Karriere unter die ersten Drei. Seinen zweiten Sieg landete der überragende Norweger Sigurd Pettersen.


 Jubel über Platz drei
AP

Jubel über Platz drei

Garmisch-Partenkirchen - Späth streckte jubelnd die Arme in den grauen Himmel von Garmisch-Partenkirchen und küsste seine Ski: Mit dem besten Ergebnis seiner Karriere verbesserte sich der Oberstdorfer auf einen sensationellen dritten Platz im Tournee-Gesamtklassement und krönte den starken Auftritt der deutschen Springer am Fuße der Zugspitze. "Die Mannschaft war toll. Sie hat gezeigt, dass sie dem Druck standhalten kann", sagte ein sichtlich erleichterter Bundestrainer Wolfgang Steiert, der sich auch über die Plätze sieben für Michael Uhrmann und neun für Sven Hannawald freute.

Fotostrecke

6  Bilder
Vierschanzentournee: Impressionen vom Neujahrsspringen
Für den 22-jährigen Späth erfüllte sich bei der Siegerehrung ein lang gehegter Traum. "Da, wo ich stehe, wollte ich immer hin", bekannte der Sportsoldat. Seine Sprünge auf 120,5 und 118,5 Meter ließen die etwa 35.000 Zuschauer und das gesamte Team in Jubelstimmung verfallen. "Ich muss derzeit nicht nachdenken, es geht fast alles von allein. Es ist schön zu wissen, dass ein Sprung wie der andere klappt", sagte der Allgäuer glücklich. Mit 510,0 Punkten liegt Späth nach zwei Wettbewerben in Reichweite des Österreichers Martin Höllwarth (522,2), der Zweiter des Neujahrsspringens wurde.

Über allen thront jedoch Pettersen, der nach seinem zweiten Sieg mit Sprüngen von 123 und 120,5 Meter in den Spuren von Hannawald wandelt, der vor zwei Jahren als erster Athlet alle vier Wettbewerbe gewonnen hatte. "Ich bin überglücklich, so könnte es bleiben. Das habe ich vor der Tournee nicht erwartet", sagte der Norweger, der mit 549,0 Zählern auf Kurs Gesamtsieg liegt. "Der springt derzeit in einer anderen Liga", erklärte Uhrmann, der mit 506,5 Punkten Gesamtvierter ist.

Mit einem Glas Sekt stieß Späth auf seinen dritten Platz an, für den er auch die Glückwünsche von Hannawald erhielt. "Gott sei Dank hat es für uns mal wieder zu einem Podestplatz gereicht", sagte der immer noch um seine Form ringende Schwarzwälder. "Ich muss derzeit viel zu viel tun, um Spaß beim Springen zu haben. Ich freue mich aber über die Platzierung unter den Top Ten, es geht langsam aufwärts", so Hannawald.

Sein Weg führt nach oben: Georg Späth
DPA

Sein Weg führt nach oben: Georg Späth

Am Mittwoch hatte er nach zwei miserablen Trainingssprüngen die Qualifikation ausgelassen, um nicht zusätzlich verunsichert zu werden. Doch die Auszeit, in der sich der Hinterzartener beim Tennisspiel mit Physiotherapeutin Nicole Hoffmeyer ablenkte, half dem 29-Jährigen nicht entscheidend weiter. "Irgendetwas passt nicht, aber ich habe keine Ahnung, was es ist. Ich weiß einfach nicht, was ich abstellen oder umstellen muss, damit es besser läuft", sagte der ratlos wirkende Tournee-Gewinner von 2001/02 nach 114,5 Metern im ersten Durchgang.

Im Finale ging es mit 116 Meter zwar besser, doch volle Zufriedenheit stellte sich deshalb bei ihm nicht ein. "Ich bin jetzt nicht euphorisch, denn es ist noch ein schwerer Weg. Ich möchte meine Form so schnell wie möglich finden", erklärte Hannawald. An einen Sieg sei derzeit aber nicht zu denken, so Bundestrainer Steiert. "So etwas zu erwarten, wäre utopisch", sagte der Coach. Das dritte Springen der Vierschanzentournee findet am kommenden Sonntag in Innsbruck statt.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.