Deutscher NHL-Coach Krueger Der Mann, der nicht Bundestrainer werden wollte

Er sollte die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft übernehmen, doch Ralph Krueger blieb lieber Co-Trainer bei den Edmonton Oilers. Heute ist der 53-Jährige der erste deutsche Chefcoach in der NHL-Geschichte - und könnte den ehemaligen Gretzky-Club zu neuer Blüte führen.

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Es ist gerade einmal zwei Jahre her, da war Ralph Krueger die große Hoffnung des deutschen Eishockeys. Im Frühjahr 2011 rollte ihm der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) den roten Teppich aus: Präsident Uwe Harnos und Vize Manuel Hüttl nutzten jede Gelegenheit, um ihre Wertschätzung zu betonen. Damit ihr Wunschkandidat den Posten des Nationaltrainers übernimmt, hatten sie sogar den Sportdirektor Franz Reindl entmachtet.

Der Deutsch-Kanadier Krueger sollte beim DEB denselben Aufgabenbereich erhalten, den er von 1998 bis 2010 beim Schweizer Verband innehatte. Dort war Krueger äußerst erfolgreich gewesen, hatte den ehemals Weltranglisten-15. in die Weltspitze geführt. Genau diese Entwicklung erhoffte sich die DEB-Führung auch für das heimische Eishockey.

Mehrmals versuchten sie, Krueger die mächtige Position schmackhaft zu machen. Dafür fuhren Harnos und Hüttl sogar ins kanadische Edmonton, wo Krueger als Assistenztrainer beim NHL-Team der ansässigen Oilers arbeitete. Doch es half alles nichts: Zwar sei das Angebot "eine Ehre" gewesen, sagte Krueger SPIEGEL ONLINE. "Aber ich wollte nicht mehr dieses Leben als Nationaltrainer, ich wollte ein Clubleben, die tagtägliche Arbeit."

Rund zwei Jahre später scheint der 53-Jährige, der sich selbst als "großen Fan des deutschen Eishockeys" bezeichnet, alles richtig gemacht zu haben: Während das Nationalteam die Olympia-Qualifikation verpasste, stieg Krueger in Edmonton zum ersten deutschen Cheftrainer in der NHL auf und feiert seitdem Erfolge.

"Wir fühlen uns gut, was unsere Chancen betrifft, die Playoffs zu erreichen"

Nach fünf Siegen aus den vergangenen sieben Spielen sind seine Oilers rund drei Wochen vor dem Ende der Vorrunde nur einen Platz von den Playoffs entfernt. "Wir fühlen uns gut, was unsere Chancen betrifft, die Playoffs zu erreichen", sagte der 21 Jahre alte Edmonton-Star Taylor Hall nach dem 8:2-Sieg in Calgary vorige Woche. Das konnten die Oilers-Spieler in den vergangenen Jahren nur selten behaupten. Seit sechs Jahren hat das Team, das Wayne Gretzky in den achtziger Jahren zu fünf Titeln führte, die Endrunde nur noch vor dem Fernseher erlebt.

Nicht wenige verbinden den Aufwärtstrend mit Coach Ralph Krueger. Der Trainer gilt als Eishockey-Besessener, der nur für den Sport lebt und langfristig denkt. Das hatte er vor seiner Zeit in der Schweiz bereits in Feldkirch bewiesen, wo er 1991 den Tabellenletzten übernahm und nach sieben Jahren fünf österreichische Meisterschaften gewonnen hatte.

Krueger mag keine Schnellschüsse, er möchte etwas aufbauen. Ideal, um eine Mannschaft wie die Oilers, deren sieben Top-Spieler alle unter 24 Jahre alt sind, über einen längeren Zeitraum hinweg zu formen. "Es geht mir nie um das einzelne Ergebnis. Wir müssen das umsetzen, was wir lernen, dann sind Erfolge das logische Nebenprodukt", erklärt er seine Philosophie.

Dass Krueger den richtigen Draht zu den millionenschweren Jungstars hat, bewies er bereits in den vergangenen zwei Spielzeiten als Assistent. Zuständig für das Über- sowie Unterzahlspiel machte er Edmonton von einem der schlechtesten zu einem der besten NHL-Teams in dieser Kategorie. So war die Entscheidung von Oilers-Manager Steve Tambellini, Krueger nach dem Aus seines Vorgängers Tom Renney zu befördern, eine logische Konsequenz.

NHL-Karriere als Spieler blieb Krueger verwehrt

Als Spieler hatte es hingegen nicht für die NHL gereicht ("Ich war zu langsam"). Also versuchte er es im Geburtsland seiner Eltern, die in den fünfziger Jahren nach Kanada ausgewandert waren, und lief 350-mal in der Bundesliga (187 Tore, 186 Vorlagen) auf, dazu kamen 45 Länderspiele für Deutschland.

Dass er nun ein NHL-Team trainieren darf, ist die Erfüllung eines Lebenstraums. "Allerdings", sagt Krueger, "habe ich kaum Luft zum Atmen". 38 Spiele musste seine Mannschaft in den vergangenen zweieinhalb Monaten absolvieren, wegen des Tarifstreits in der Liga hatte die Saison statt Anfang Oktober erst Mitte Januar begonnen.

Kruegers Gedanken drehen sich ständig um die Mannschaft. "24/7 Hockey", nennt er die totale Fokussierung auf den Job, ginge es nach ihm, würden sich er und sein Team jeden Tag sehen. "Aber die Jungs brauchen freie Tage, sie sind jung und müssen den Kopf frei kriegen." Abstriche gibt es notgedrungen beim Training. Die sonst monatelange Vorbereitung dauerte durch den Lockout nur sechs Tage. Insgesamt trainierte das Team in der kompletten Saison erst 18-mal.

Das deutsche Eishockey beschäftigt ihn auch hin und wieder. Der Sport sei auf einem guten Weg: "Die Stadien sind voll, wir haben mittlerweile viele NHL-Profis und Talente in den College-Ligen, aber das letzte Puzzlestück ist die dauerhafte Verbreitung im Fernsehen."

Man werde sich zwar nie mit dem Fußball messen können, "aber wir waren in den achtziger Jahren die Sportart Nummer zwei. Da muss das Eishockey wieder hin." Jetzt klingt er doch wie ein Nationaltrainer.



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Crom 09.04.2013
1.
"Nach fünf Siegen aus den vergangenen sieben Spielen sind seine Oilers rund drei Wochen vor dem Ende der Vorrunde nur einen Platz von den Playoffs entfernt." Der Autor hat wohl das heutige (dt. Zeit) Spiel gegen Anaheim verpasst. Nach zwei Niederlagen in Kalifornien sieht's eher wieder düster für Edmonton aus (Platz 11 und 4 Punkte Rückstand auf Platz 8 in der Western Conference). Gegen Calgary (aktuell Vorletzter in der Western Conference) zu gewinnen, reicht nun einmal nicht. Am Donnerstag (dt. Zeit) geht es gegen einen direkten Konkurrenten, da muss gepunktet werden.
christoph.89 09.04.2013
2.
Ich glaube, dass Krueger auch deshalb nicht Bundestrainer werden wollte, weil ihm so einiges beim DEB nicht passt. Der DEB wird von Dilettanten wie Harnos geleitet, die sich gegen die DEL nicht in Ansätzen durchsetzen können und so das Herreneishockey erfolgreich vor die Wand fahren. Außerdem macht der DEB dank Harnos in unteren Ligen was er will. Es ist bezeichnend, dass die Frauennationalmannschaft um die sich der DEB kaum bzw gar nicht kümmert derzeit die Erfolge für den DEB einfährt. Im Gegensatz zu den Männern sind die Frauen für Olympia qualifiziert und haben sich gestern bei der WM in Ottawa einen richtig starken 5. Platz erkämpft. das gelang zuletzt 2005 und man schnitt besser ab als der Weltranglisten-Vierte Schweden, der sich in der Relegation den Klassenerhalt und damit Platz 7 sicherte (das war das Ziel der DEB-Frauen). Von Erfolgen wie dem Viertelfinale einer WM sind unsere Männer Meilenweit entfernt
Crom 09.04.2013
3.
Zitat von christoph.89Ich glaube, dass Krueger auch deshalb nicht Bundestrainer werden wollte, weil ihm so einiges beim DEB nicht passt. Der DEB wird von Dilettanten wie Harnos geleitet, die sich gegen die DEL nicht in Ansätzen durchsetzen können und so das Herreneishockey erfolgreich vor die Wand fahren. Außerdem macht der DEB dank Harnos in unteren Ligen was er will. Es ist bezeichnend, dass die Frauennationalmannschaft um die sich der DEB kaum bzw gar nicht kümmert derzeit die Erfolge für den DEB einfährt. Im Gegensatz zu den Männern sind die Frauen für Olympia qualifiziert und haben sich gestern bei der WM in Ottawa einen richtig starken 5. Platz erkämpft. das gelang zuletzt 2005 und man schnitt besser ab als der Weltranglisten-Vierte Schweden, der sich in der Relegation den Klassenerhalt und damit Platz 7 sicherte (das war das Ziel der DEB-Frauen). Von Erfolgen wie dem Viertelfinale einer WM sind unsere Männer Meilenweit entfernt
Vor drei Jahren waren wir im Halbfinale, danach 2011 im Viertelfinale (Gruppensieger vor Russland). So lange ist das also nicht her. Beim Eishockey geht's immer rauf und runter.
Mabitron 09.04.2013
4. Krueger gilt als "zu lieb" für die NHL
Zitat von Crom"Nach fünf Siegen aus den vergangenen sieben Spielen sind seine Oilers rund drei Wochen vor dem Ende der Vorrunde nur einen Platz von den Playoffs entfernt." Der Autor hat wohl das heutige (dt. Zeit) Spiel gegen Anaheim verpasst. Nach zwei Niederlagen in Kalifornien sieht's eher wieder düster für Edmonton aus (Platz 11 und 4 Punkte Rückstand auf Platz 8 in der Western Conference). Gegen Calgary (aktuell Vorletzter in der Western Conference) zu gewinnen, reicht nun einmal nicht. Am Donnerstag (dt. Zeit) geht es gegen einen direkten Konkurrenten, da muss gepunktet werden.
Ich muss CROM Recht geben. Der Artikel ist nicht sorgfältig recherchiert, Edmonton hat die letzten drei Spiele ohne viel Gegenwehr verloren. Neun Runden vor Ende der Qualifikation hat man vier Punkte Rückstand auf den letzten Playoff-Platz, der momentan von Detroit gehalten wird. Hier in Edmonton wird Krueger zwar als nett eingestuft, aber man glaubt vielerorts nicht wirklich, dass er die richtige Wahl war. Die NHL ist ein Haifischbecken, wo der "Liebe" nur schwer überlebt. Ich drücke Krueger natürlich die Daumen, fürchte aber, dass er, sollten die Oilers die Playoffs verpassen, eine turbulente "Off-Season" haben wird. Trotzdem: "Go, Oilers go" bzw. "Go, Ralph, go"!
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