NHL Bundestrainer wundert sich über Draisaitls Degradierung

Die neue NHL-Saison beginnt ohne das größte deutsche Talent: Leon Draisaitl wurde in Edmonton kurz vor dem ersten Spiel zum Reserveteam zurückversetzt. Bundestrainer Marco Sturm zeigt sich überrascht.

Leon Draisaitl: "Natürlich verärgert"
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Leon Draisaitl: "Natürlich verärgert"


Leon Draisaitl wollte in der NHL durchstarten, doch nun wurde das größte deutsche Eishockey-Talent erneut ausgebremst: Die Edmonton Oilers haben den 19-Jährigen kurz vor dem Saisonauftakt in der nordamerikanischen Profiliga ins Farmteam degradiert.

"Ich habe gedacht, er hat seinen Platz sicher", sagte Marco Sturm. Der Bundestrainer hofft auf eine Trotzreaktion seines Nationalspielers: "Es ist natürlich enttäuschend für ihn, aber er hat keine andere Wahl", so Sturm: "Ich hoffe, dass er den Kopf nicht hängen lässt. Er muss sich beweisen. Die Saison ist lang, er bekommt mit Sicherheit die Chance, wenn er weiter hart arbeitet."

Draisaitl sei "natürlich auch verärgert" gewesen, sagte Edmontons Manager Peter Chiarelli. Statt sich mit Sidney Crosby, Alexander Owetschkin und Co. zu messen, muss sich der gebürtige Kölner im AHL-Team der Bakersfield Condors wieder nach oben kämpfen. "Offensiv kann er NHL spielen", sagte Chiarelli. Defensiv und bei seiner Punktausbeute müsse Draisaitl aber noch zulegen.

"Wenn wir ihn hochholen, dann wollen wir, dass er für immer bleibt", sagte Chiarelli. Schon in seiner Debütsaison war der höchste deutsche Draftpick der NHL-Geschichte (2014 an Nummer 3) nach 37 NHL-Einsätzen in die Juniorenliga zu den Kelowna Rockets geschickt worden. Mit den Rockets gewann er die Meisterschaft in der Western Hockey League (WHL) und wurde zum wertvollsten Spieler gewählt.

Nur fünf Deutsche beginnen die Saison

Ohne Draisaitl ist die Zahl der deutschen Spieler in der NHL noch übersichtlicher. Einzig die Verteidiger Christian Ehrhoff (Los Angeles Kings) und Dennis Seidenberg (Boston Bruins), Stürmer Tobias Rieder (Arizona Coyotes) sowie die Ersatztorhüter Thomas Greiss (New York Islanders) und Philipp Grubauer (Washington Capitals) zählen zum Saisonstart zum festen Kader ihrer Teams. "Das ist ziemlich dünn", sagte Bundestrainer Sturm.

Mit den größten Titelambitionen geht Ehrhoff ins Rennen. Sein neuer Klub Los Angeles Kings, der zum Saisonstart am Mittwoch gegen die San Jose Sharks antritt, wird hoch gehandelt. "Los Angeles ist die perfekte Mannschaft für ihn", meinte Sturm über Offensivverteidiger Ehrhoff: "Er kann den Stanley Cup gewinnen." Dieser Triumph war Seidenberg 2011 mit den Boston Bruins gelungen. Der beinharte Verteidiger fehlt in den ersten Spielen dieser Saison nach einer Operation im Lendenwirbelbereich. Zudem befindet sich Boston im Umbruch.

Tobias Rieder will derweil bei den Arizona Coyotes beweisen, dass seine phänomenale Premierensaison mit 13 Toren und acht Assists kein Zufall war. "Ich erwarte viel von ihm. Wenn er an die Form vom letzten Jahr anknüpft, dann bekommt er keine Probleme", sagte Sturm.

cte/sid

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insgesamt 2 Beiträge
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kv29 06.10.2015
1.
Da bin ich mal gespannt ob Erhoff bei den Kings zu alter Stärke zurückfindet. Seit seinem Wechsel von den Canucks zu den Sabres war das doch recht bescheiden was von ihm kam.
cyberdork 06.10.2015
2.
Es stimmt, die Nachricht kam doch sehr überraschend. Gerade wo Draisaitl in den Vorbereitungsspielen extrem Positiv aufgefallen ist. Mittlerweile sind viele Oilers Fans aber der Meinung, dass ihm ein paar Spiele in der AHL gut tun würden bevor er in die NHL wechselt. Nicht vergessen: ausser in den 37 NHL Spielen, bei den grottenschlechten Oilers letztes Jahr, hat er bis jetzt nur in der Juniorenliga gespielt. Die 37 Spiele letztes Jahr waren sowieso definitiv zu viele Einsätze für einen Rookie wie Draisaitl. Draisaitl hatte nichts davon mit der Verlierertruppe zu Spielen (war bestimmt nicht gut für das Selbstvertrauen eines 19 Jährigen, der es gewohnt war zu gewinnen), die Oilers hatten auch nichts davon und haben sogar das erste Jahr seines Einstiegvertrags verbrannt, in dem sie ihn mehr als 9 Spiele haben spielen lassen. Jeder NHL Kenner wusste, dass das ein grosser Fehler war und typisch für das Chaos Management der Oilers. Weil Draisaitl aber noch keine 20 war und aus der WHL Nachwuchsliga gedraftet wurde, durfte er leider nicht in der AHL (gegen ältere und erfahrene Spieler) spielen, sondern musste zurück in die WHL und wieder gegen 17-20jährige antreten. Das Management der Oilers wurde ja zum Glück dieses Jahr nach dem McDavid Draft komplett ausgetauscht und ausserdem haben die Oilers mittlerweile soviel Kadertiefe, dass sie ein Talent wie Draisaitl erstmal in der AHL vorbereiten können bevor er Vollzeit NHL spielt. Jeder der sich mit der NHL und den Oilers auskennt ist sicher, dass Draisaitl dieses Jahr in der NHL spielen wird.
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