Nordische Ski-WM: Kombinierer lösen Medaillenlawine aus 

Aus Oslo berichtet

Ein Gymnasiast und ein junger Familienvater auf Erfolgskurs: Die Kombinierer Johannes Rydzek und Eric Frenzel haben für weitere Medaillen des DSV bei der Nordischen Ski-WM in Oslo gesorgt. Ihre Trainer sind beeindruckt - und sehen die beiden Helden erst am Anfang einer großen Entwicklung. 

Erfolg der deutschen Kombinierer: Medaillenjäger machen erneut Beute Fotos
DPA

Den Abschiedsgruß vom großen Boss hat Hermann Weinbuch auch nach der dritten von vier WM-Entscheidungen bei den Nordischen Kombinierern noch nicht vergessen. Im Gegenteil: Mit jeder weiteren Medaille, die ihm seine junge Mannschaft am Holmenkollen beschert, schleicht sich dem Bundestrainer die sanfte Forderung von Thomas Pfüller wieder in den Kopf.

Eine Einzel- und zwei Mannschaftsmedaillen hatte Pfüller, im Deutschen Ski-Verband (DSV) zugleich Generalsekretär und Sportdirektor, von den Kombinierern bei der WM in Oslo gefordert. Und Weinbuch erinnert sich: "Als der Chef das gesagt hat, fand ich das doch ein bisschen hoch gegriffen. Ich persönlich wäre vorher mit zwei Medaillen hoch zufrieden gewesen."

Nun haben Johannes Rydzek (19 Jahre) mit Silber und Eric Frenzel (22) mit Bronze auch am Mittwoch wieder zwei Medaillen geholt - und mit der Fortsetzung der norwegischen Erfolgsgeschichte zugleich dafür gesorgt, dass die ansonsten trübe WM-Bilanz des DSV stark verbessert daherkommt. Denn neben der unerwarteten Medaillenlawine aus dem Kombinierer-Lager mit einmal Gold, dreimal Silber und einmal Bronze haben die beiden anderen nordischen Disziplinen bislang weitgehend enttäuscht. Der dritte Platz der Skispringer im Team-Wettbewerb von der Normalschanze ist der einzige Podestplatz, den der DSV abgesehen von den Kombinierern bislang vorzuweisen hat. Die Langläufer hatten mit der Medaillenvergabe bislang gar nichts zu tun.

Rydzek und Frenzel feierten am Mittwoch eine gelungene Aufholjagd. Auf Platz fünf und sechs nach dem Springen und mit einer halben Minute Rückstand auf den späteren Sieger Jason Lamy Chappuis aus Frankreich in die Loipe gegangen, arbeiteten sich die beiden DSV-Starter mit perfekter Teamarbeit immer näher an den Führenden heran. Am Ende fehlte nur noch die Kleinigkeit von sieben Sekunden zu einer erneuten Goldmedaille.

Gymnasiast Rydzek, der in Oberstdorf eigentlich gerade Abiturklausuren schreiben müsste, seine Reifeprüfung wegen der WM aber im Mai nachholen darf, war nach dem deutsch-deutschen Schlussspurt 0,3 Sekunden schneller als Frenzel. Der Vater eines vierjährigen Jungen konnte die kleine Niederlage aber verschmerzen, hat er nach seinem Sieg im Einzel von der Normalschanze und Silber im ersten Team-Wettbewerb nun schließlich einen kompletten Medaillensatz der WM in Norwegen vorzuweisen.

Eine weitere Chance auf Edelmetall haben Deutschlands erfolgshungrige Kombinierer am Donnerstag, wenn beim Wettbewerb von der Großschanze die letzten Sieger in ihrer Disziplin gekürt werden. Doch die Verantwortlichen waren schon am Mittwoch überwältigt. "Es ist nicht einfach, gleich am Anfang schon so stark zu sein und dann trotzdem dranzubleiben und die nächsten Medaillen zu gewinnen. Das imponiert mir, zumal sie ja noch so jung sind", sagte Bundestrainer Weinbuch, während Sprung-Trainer Andreas Bauer sagte: "So etwas habe ich selbst in den früheren Zeiten nicht erlebt. Und die waren schon sehr gut."

Besonders angetan war Bauer angesichts der Leistung von Johannes Rydzek. Zwar begleitet er den jungen Athleten Tag für Tag beim Training - doch bei der Show, die der Schüler am Mittwoch mit dem Teamkollegen Frenzel ablieferte, fehlten ihm beinahe die Worte. "Ich weiß ja, dass er schnellkräftig und sprintstark ist. Aber dass er das bei einer WM schon so abrufen kann, das hätte ich nicht gedacht", sagte Bauer und machte der internationalen Konkurrenz für die Zukunft schon einmal ein wenig Angst: "Johannes geht ja noch in die Schule und trainiert bisher nur am Nachmittag, mehr ist da bisher nicht. Er fängt ja erst an, was die Ausdauer betrifft."

Und was die WM-Resultate der deutschen Kombinierer am Holmenkollen angeht, hatte der Silbermedaillengewinner selbst die beste Antwort parat. Ob er und Eric Frenzel bei ihrem Duett im Schnee miteinander kommuniziert haben, wurde Rydzek gefragt. Er antwortete nach kurzer Bedenkzeit: "Man versteht sich da ohne Worte."

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Stammt Frenzel aus Nirgendwo?
p.mugay 03.03.2011
Die seit einiger Zeit gepflegte subtile Methode des SPIEGEL gegen die neuen Bundesländer besteht darin, die Herkunft von Ost-Sportler zu verschleiern oder gar nicht zu nennen. Inzwischen weiß man: Wird die Herkunft verschwiegen, handelt es sich um einen Ostler. Wie in diesem Bericht: Johannes Rydzek stammt aus Oberstorf und Eric Frenzel aus Nirgendwo. Hört doch endlich, endlich auf damit.
2. Vollkommen richtig ...
tjoster 03.03.2011
Zitat von p.mugayDie seit einiger Zeit gepflegte subtile Methode des SPIEGEL gegen die neuen Bundesländer besteht darin, die Herkunft von Ost-Sportler zu verschleiern oder gar nicht zu nennen. Inzwischen weiß man: Wird die Herkunft verschwiegen, handelt es sich um einen Ostler. Wie in diesem Bericht: Johannes Rydzek stammt aus Oberstorf und Eric Frenzel aus Nirgendwo. Hört doch endlich, endlich auf damit.
Ich kann dem nur zustimmen. SPON ist bei diesem gesellschaftlichem Phänomen ein unrühmlicher Vorreiter. Traurig, traurig. Aber ... Herzliche Gratulation an unsere beiden 'Helden'. Das war bisher ganz ganz großer Sport.
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