Abfahrts-Gold für Svindal Jetzt fehlt ihm nur noch die Streif

Aksel Lund Svindal ist nach Gold im Super-G vor acht Jahren nun auch Abfahrt-Olympiasieger. Sein Comeback nach langer Leidenszeit spornt den deutschen Hoffnungsträger Thomas Dreßen an.

Aksel Lund Svindal
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Aksel Lund Svindal

Aus Pyeongchang berichtet


Aksel Lund Svindal hat sich schon das Kreuzband gerissen, den Meniskus und die Achillessehne auch. Das Jochbein hat er sich gebrochen, die Rippen sowie das Nasenbein - doppelt. Bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang hat der 35-jährige Norweger nun das Abfahrtsrennen gewonnen.

Einen "ziemlich guten Zeitpunkt, um rechtzeitig fit zu sein", nannte Svindal das nach dem Rennen, "es ist heute auf diesen einzigen Lauf angekommen, nachdem wir eine Woche gewartet haben". Wegen widrigen Witterungsbedingungen war das Abfahrtsrennen verschoben worden.

Nun ist Svindal der erste Skirennläufer, der Olympia-Gold sowohl im Super-G, vor acht Jahren in Vancouver, als auch in der Abfahrt gewonnen hat. Es war ein norwegischer Doppelerfolg, mit einer Silbermedaille für Kjetil Jansrud. "Das ist heute der Anfang vom Ende meiner Karriere", sagte Svindal, "denn das hier sind definitiv meine letzten Olympischen Spiele."

Jetzt will Svindal auch in Kitzbühel gewinnen

Svindals Karriere ist nicht nur gepflastert mit fünf Weltmeistertiteln und zwei Gesamtweltcupsiegen, sondern auch mit Rückschlägen, mit "Comebacks für die Ski-Geschichte" und "medizinischen Sensationen", wie es Beobachter beschrieben. Der Norweger hat nie aufgegeben, im Gegenteil.

Nach seinem schweren Sturz auf der berüchtigten Kitzbüheler Streif vor zwei Jahren, als Kreuzband und Meniskus im rechten Knie rissen, steht das Hahnenkammrennen ganz oben auf Svindals Liste. "Kitzbühel habe ich noch nicht gewonnen" , merkte Svindal in der Siegerpressekonferenz in Pyeongchang lachend an. Der Ehrgeiz ist noch da.

Auf der südkoreanischen Abfahrtspiste, die ausschließlich für Olympia in einen bewaldeten Berg gefräst wurde, hat Svindal vor allem die zweite Hälfte gemeistert. Nach der Schrägfahrt und dem ersten Sprung im oberen Teil habe er nicht mehr damit gerechnet, den bis dahin führenden Schweizer Beat Feuz noch schlagen zu können. Doch danach kam er immer besser in seinen Rhythmus und nahm ausreichend Tempo auf. Besonders zwischen der dritten und vierten Zeitnahme konnte er den Vorsprung herausfahren, den 49 Fahrer nach ihm nicht mehr einholen konnten.

"Es ist hier einfach, Zeit zu verlieren"

Zuvor hatten einige Skirennläufer bemängelt, dass es keine Hochgeschwindigkeits-Abschnitte auf der ansonsten durchaus anspruchsvollen Strecke gibt. "Es ist hier einfach, viel Zeit zu verlieren", hatte Thomas Dreßen vorab beschrieben, "aber es ist schwierig, richtig schnell zu werden". Der Deutsche wurde Fünfter.

Thomas Dreßen
Getty Images

Thomas Dreßen

Svindals "überlegene Technik" habe darum den Unterschied gemacht, sagte der viertplatzierte Italiener Dominik Paris nach dem Rennen. Überraschend ist Svindals Sieg nicht. Schon beim Training am vergangenen Samstag hatte der Schweizer Beat Feuz vor der Konkurrenz gewarnt. "Die zwei Norweger muss man sicher ganz oben auf dem Zettel haben", sagte der 31-Jährige, der das Olympiarennen mit einer Bronzemedaille abschloss - hinter den zwei Norwegern.

Dreßen, der beste deutsche Skirennläufer, nannte Svindal "ein Vorbild für jeden Athleten, der da oben am Start steht". Er gönne dem Norweger seinen Sieg, "er ist ein richtig cooler Typ, ein netter Kerl". Svindals Leistungen seien ein Ansporn für ihn, sagte der 24-Jährige, der seine anfängliche Enttäuschung über den fünften Platz schnell überwinden konnte. "Ich habe gezeigt, dass ich mich jetzt in der Weltspitze etabliert habe", sagte er. "Ich werde alles daran setzen, dass ich da bleibe."

Nach dem überraschenden wie geschichtsträchtigen Sieg bei der Streif-Abfahrt in Kitzbühel im Januar hatte sich nicht nur Dreßen Hoffnungen auf eine Olympiamedaille gemacht. Die nächste Chance auf die Plakette hat er am Freitag (3 Uhr deutscher Zeit, Liveticker SPIEGEL ONLINE): "Ich freue mich jetzt schon auf den Super-G morgen", sagte Dreßen. "Ich weiß, dass ich gut in Form bin."

insgesamt 2 Beiträge
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skeptikerjörg 15.02.2018
1. Sind wir schon verwöhnt?
Haben die vielen Medaillen uns schon verwöhnt und maßlos gemacht? Dreßens 5. und Rebensburgs 4. Platz sind absolute Weltspitze, auch ohne Medaille und sollten entsprechend gewürdigt werden.
zaunreiter35 15.02.2018
2. Ja, da hat er recht
der Thomas Dreßen, dass er sich in der Weltspitze etabliert hat. Er lag zwar nach der Kombi-Abfahrt auf Platz Eins, aber Platz 5 in der "richtigen" Abfahrt ist doch auch hervorragend. Und ein Hoch auf Aksel Lund Svindal, der alte Schwede...äh... ;-) pardon, alter Norweger. Dem jetzt wirklich nur noch die Streif fehlt. Und auch Glückwunsch an Jansrud und Feuz.
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