Kuzminas Biathlongold Die Maschine schlägt zurück

Anastasiya Kuzmina ist beim Massenstart der Konkurrenz enteilt. Die deutschen Biathletinnen um Laura Dahlmeier enttäuschten - und konzentrieren sich jetzt auf die Staffel-Wettbewerbe.

Anastasiya Kuzmina
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Anastasiya Kuzmina

Aus Pyeongchang berichtet


"Respekt." Mehr Worte brauchte Laura Dahlmeier nach dem Massenstart bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang nicht, um die Leistung der Goldmedaillengewinnerin Anastasiya Kuzmina zu beurteilen. Es war eine Machtdemonstration, nachdem Dahlmeier die Biathlon-Schlagzeilen bei Olympia mit zweimal Gold und einmal Bronze dominiert hatte.

Wie eine gut geölte Maschine unter Volldampf stampfte die Slowakin von Anfang an voraus - und gab die Führung im Feld der weltbesten Biathletinnen bis zur Ziellinie nicht mehr ab. "Sie ist brutal losgelaufen", sagte die Deutsche Denise Herrmann nach dem Rennen: "Ich habe gleich versucht, mich in ihren Windschatten reinzuhängen, aber sie hatte einen extremen Schritt drauf."

Dritter Olympiasieg nach Sotschi und Vancouver

Seit Monaten läuft die Maschine Kuzmina auf Hochtouren. Bei den Biathlon-Weltcups gehört sie regelmäßig zu den besten Läuferinnen, sieben Mal stand die Gesamtweltcupzweite in dieser Saison schon auf dem Podium. Der Olympiasieg, ihr dritter nach Sotschi und Vancouver, war so gesehen nur eine Frage der Zeit. Dabei unterscheidet Kuzmina eine Fähigkeit von vielen anderen Athletinnen in der Weltspitze: Sie kann alle Ergebnisse, Begleitumstände und Rückschläge in Motivation umwandeln, in Treibstoff für ihren Motor.

  • Erstens: Enttäuschung. "Eigentlich hatte ich erwartet, im Sprint die besten Chancen zu haben", sagte Kuzmina. Doch beim Olympia-Auftakt war sie nur 13. geworden. "Ich war sehr traurig", gab die Slowakin zu. Doch was andere verunsichert, steigert nur ihren Ehrgeiz.
  • Zweitens: Erinnerung. "Vor neun Jahren habe ich bei der Weltmeisterschaft hier in Pyeongchang die erste slowakische Medaille überhaupt gewonnen", sagte sie. "Den Sieg wollte ich genau hier wiederholen."
  • Drittens: Nebengeräusche. Das Chaos um die gesperrten russischen Athleten, die bei den Winterspielen in Sotschi unter einem staatlich betriebenen Dopingsystem zahlreiche Medaillen einheimsten, spornt die gebürtige Russin an. Ihr Bruder, der russische Biathlet und Sotschi-Olympiasieger Anton Shipulin, darf in Pyeongchang nicht teilnehmen. "Die erste Medaille habe ich für mich gewonnen, die zweite für meinen Bruder", sagte Kuzmina. Und die dritte? "Die ist für die ganze Slowakei und mein Team."
  • Viertens: Karriereende? Die 33-Jährige deutete an, dass sie sich bald zurückziehen könnte. Zumindest diese Winterspiele dürften ihre letzten sein. "Ich bin mir nicht sicher, dass ich die nächsten vier Jahre noch durchhalte", sagte sie.

Kuzminas Laufform ist aus Sicht ihrer Konkurrenz fast beängstigend. Beim Massenstart schoss sie zudem sehr schnell und präzise. Erst für den allerletzten Schuss, als sie schon einen sehr komfortablen Vorsprung herausgelaufen hatte, brauchte sie sehr lange - und setzte die Kugel dann trotzdem daneben. "Sie ist auch nur ein Mensch", sagte die Deutsche Franziska Preuß anschließend. Es klang fast erleichtert.

Enttäuschte Laura Dahlmeier
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Enttäuschte Laura Dahlmeier

Preuß zeigte sich mit ihrem zwölften Platz direkt hinter Denise Herrmann leidlich zufrieden. Die 16. Dahlmeier gab zu, dass sie sich ein besseres Ergebnis erhofft habe. Doch nach je einem Fehler in den ersten zwei Schießen wusste die 24-Jährige schnell, dass diesmal keine Medaille zu holen war. "Wenn man ehrlich ist, waren wir heute materialmäßig auch nicht ganz vorne dabei", sagte die zweifache Olympiasiegerin und bestätigte damit die Klagen von Herrmann und Preuß, denen das Laufen von Beginn an schwer gefallen war.

Nach vier Schießfehlern und Platz 25 verließ die vierte Deutsche Vanessa Hinz vollkommen enttäuscht das Biathlonstadion. Möglich, dass sie sich mit diesem verkorksten Rennen um einen Platz in der deutschen Staffel gebracht hat. Am Dienstag steht zunächst die Mixed-Staffel an, am Donnerstag sind die deutschen Frauen Topfavoriten für den nächsten Olympiasieg.

Wer startet bei den Staffel-Wettbewerben?

Wer für das deutsche Team bei diesen Rennen an den Start geht, ist noch offen. Vor dem Massenstart am Samstag hatte Bundestrainer Gerald Hönig angekündigt, Franziska Hildebrand für die Staffel schonen zu wollen. Dahlmeier hielt sich am Abend noch bedeckt, ob sie Anspruch erhebt auf einen Einsatz bei beiden Staffeln. Hönig sagte, seine Athletinnen könnten sich sehr gut einschätzen und seien Teamplayer: "Jede hat den Charakter, sich zu äußern, wie sie sich fühlt", sagte er, "das wird uns die Entscheidung der Staffelaufstellung erleichtern." Auch Maren Hammerschmidt hofft noch auf ihr zweites Rennen bei diesen Olympischen Spielen.

Die Zeit bis zum Dienstag wollen die Athletinnen nun zur Regeneration nutzen. "Wir müssen schon zusehen, dass wir in den nächsten Tagen frische Beine kriegen", sagte Herrmann. Für die Staffelwettbewerbe haben die Deutschen immerhin eine Sorge weniger: Selbst die überragende Anastasiya Kuzmina dürfte nicht in der Lage sein, das slowakische Team auf Medaillenniveau zu hieven.



insgesamt 3 Beiträge
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Staatssekretär Holm 17.02.2018
1. Deutsche Biathletinnen enttäuschend?
Überhaupt nicht, liebe SPON-Journalisten! Wieso eigentlich enttäuschend? Unter den besten 30 Sportlerinnen, wo fast jede gewinnen kann bzw. schon siegen konnte, sind die deutschen Platzierungen gut. Freuen wir uns doch einfach über spannende Rennen, tollen Sport und Plätze hinter Gold, Silber und Bronze! Einerseits wird sich permanent über Doping aufgeregt, andererseits sollen die SportlerInnen permanent Höchstleistungen erbringen. Genau solcherart Bewertungen sind es nämlich, die Dopingsysteme begünstigten, wo z.B. ein 4. Platz den Wert von "Blech" hat. Auch der Journalismus könnte maßgebend mit dazu beitragen, nicht nur die Leistungen der ersten 3 Plätze zu würdigen! Mein Vorschlag für zukünftige Siegerehrungen: die ersten Sechs mit zu Siegerehrung und einen 11. oder 15. Platz würdigen! -
spon-41d-frm9 17.02.2018
2. ... enttäuschten??!!!!!!
Mich hat Laura Dahlmeier nicht enttäuscht. Im Gegenteil, sie hat zwei Goldmedallien und eine Bronzemedallien gewonnen. Wie wäre es wenn der Autor selber mal auf die Skier steigt, mit Gewehr am Rücken und die selber Tour innerhalb einer Woche viermal fährt. Das wäre mal eine Enttäuschung, deswegen kann er auch nur solche Kommentare tippen.
kagemusha 18.02.2018
3. Treibstoff?
"Sie kann alle Ergebnisse, Begleitumstände und Rückschläge in Motivation umwandeln, in Treibstoff für ihren Motor." Über weiteres darf spekuliert werden.
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