Biathlon-Olympiasieger Peiffer Gold mit dem Problemgewehr

Arnd Peiffer hat die zweite Goldmedaille für die deutschen Biathleten gewonnen. Die Entscheidung fiel am Schießstand, wo der Wind kräftig blies. Dabei hatte der 30-Jährige noch kurz vor dem Rennen Probleme mit dem Gewehr.

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Aus Pyeongchang berichtet


An einem Abend voller Jubelschreie und Interviews war es einer der wenigen besinnlichen Momente für Sprint-Olympiasieger Arnd Peiffer. Gerade noch hatte er mit Betreuern aus dem deutschen Biathlon-Team gefeiert, da kam der geschlagene Top-Favorit Martin Fourcade, nickte dem Überraschungssieger anerkennend zu und umarmte Peiffer kurz und knapp. Als wollte der Franzose sagen: Respekt für diese Schießleistung.

Denn wie schon am Vortag, an dem Laura Dahlmeier als eine von zwei fehlerfreien Schützinnen Gold gewonnen hatte, fiel die Entscheidung im Sprint der Herren am Schießstand. Nur der Zweitplatzierte Michal Krcmar aus Tschechien traf wie Peiffer alle zehn Scheiben. In der Loipe aber war er etwas langsamer und kam so mit einem Rückstand von 4,4 Sekunden ins Ziel. Bronze ging an Dominik Windisch, der sich als einer der wenigen nur einen Fehler leistete. Der Italiener hatte sich gegen die Kälte jeden einzelnen Finger mit Tape-Verband überklebt.

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Für Peiffer hatte der Tag mit mehreren Missgeschicken begonnen. "Ich hatte überhaupt kein gutes Gefühl", erzählte der 30-Jährige nach der medaillenlosen Zeremonie im Zielraum. Am Morgen vergaß Peiffer den Schlüssel zu seinem Waffenschrank, später rutschte er auf einer Treppe aus und prellte sich den Ellbogen. "Und dann war kurz vor dem Rennen auch noch mein Schlagbolzen im Verschluss kaputt." Mit Hilfe von Bundestrainer Mark Kirchner konnte Peiffer den Bolzen tauschen - doch an eine Nullrunde am Schießstand war nicht zu denken. Aber: "Bei Olympischen Spielen läuft sowieso nicht alles so rund, wie im Weltcup", sagte Peiffer. "Das war dann aber auch egal."

"Da muss man einfach beharrlich bleiben"

Zuvor im Rennen hatte der eisige Wind im Alpensia Biathlon Centre, der schon beim Olympiasieg von Andreas Wellinger für extreme Verhältnisse gesorgt hatte, über den Ausgang mitentschieden. Besonders bei Fourcades Liegendschießen blies der Wind ordentlich ins Stadion hinein. Der überragende Biathlet der vergangenen Jahre schoss trotzdem sehr zügig - und verlor das Rennen frühzeitig mit drei Fehlern.

Der sechstplatzierte Benedikt Doll, der mit Peiffer sowie Simon Schempp auf Platz sieben und Erik Lesser auf Platz elf ein unerwartet starkes Mannschaftsergebnis ablieferte, fand eine Erklärung für die vielen Schießfehler im Feld: "Man kann nicht seinen gewohnten Rhythmus schießen. Deshalb schießt man etwas langsamer, dadurch wird es aber auch nicht einfacher. Dann fängt man an zu denken und so wird es richtig schwierig."

Arnd Peiffer
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Arnd Peiffer

Oder um es mit Oliver Kahn zu sagen: Bei solchen Verhältnissen benötigt man die "Eier", um unbeirrt seinen Rhythmus beizubehalten. Genau das gelang Peiffer. Der Sprint-Weltmeister von Khanty-Mansiysk 2011 schoss schnell, jedoch nicht zu schnell. Er zögerte aber auch nicht unnötig. Eine beachtliche Leistung, auch angesichts der zum Teil mäßigen Ergebnisse am Schießstand im Weltcup. "Wir haben das Rad im Vorfeld nicht neu erfunden", sagte Peiffer zum Formanstieg zum rechten Zeitpunkt. "Da muss man einfach mal beharrlich bleiben."

Folgt der Angriff von Fourcade?

Anders als Krcmar und Windisch, die angesichts des am Montag anstehenden Verfolgungsrennens (13 Uhr MEZ, Liveticker SPIEGEL ONLINE) nur schnell ins Bett wollten, freute sich Peiffer auf ein Bier mit seinen Teamkollegen und den Betreuern. "Man muss die Feste feiern, wie sie fallen."

An das Verfolgungsrennen wollte Peiffer allerdings noch keinen Gedanken verschwenden, eine Lehre aus seinem Erfolg in Khanty-Mansiysk vor sieben Jahren: "Da habe ich mich sehr mit dem Verfolger beschäftigt und konnte meinen Sprintsieg gar nicht richtig genießen." Diesen Fehler wolle er nicht wiederholen, nach dem Aufstehen gehe der Fokus dann Richtung zweiter Medaillenchance.

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Im Verfolgungsrennen rechnen viele mit einem schnellen Angriff von Fourcade. Der Gesamtweltcupführende wird als Achter mit einem Rückstand von 22,1 Sekunden auf Peiffer in die Loipe gehen. Die Verhältnisse werden dann allerdings ähnlich sein, der Wind soll noch mindestens bis Mitte der Woche so stark bleiben. "Das wird eine Riesenquälerei", weiß Peiffer.

Mit Gold in der Tasche lässt es sich aber leichter quälen.



insgesamt 7 Beiträge
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hooge789 11.02.2018
1. Herzlichen Glückwunsch
Die grosse Erfahrung heute voll ausgespielt. Und die richtigen Schlüsse aus dem Damenrennen gezogen, denn ja schon zu sehen wie man den Wind nehmen muss. Ein super Erfolg!
winfriedgiesen 11.02.2018
2. Peiffer oder Pfeiffer?
Hat jemand eine Erklärung, warum alle Reporter und Moderatoren den Namen Peiffer falsch aussprechen, nämlich wie Pfeiffer, also mit Pf? Spricht er vielleicht sich selbst so aus?
eihopos 12.02.2018
3. An winfriedgiesen
Um deine Frage zu beantworten: Der amtierende Sprint-Olympiasieger im Biathlon heißt Arnd Peiffer und nicht Arnd Pfeiffer, in seinem Nachnamen kommt kein Pf sondern nur ein P vor.
smsderfflinger 12.02.2018
4. Problemgewehr - ist das so etwas wie ein Problembär?
Das Gewehr hatte einen gebrochenen Schlagbolzen, ein selbstgemachter Defekt: Er ensteht durch zu häufiges Abschlagen des Schlosses und damit des Schlagbolzens ohne Widerlager.Das führt bei jedem Gewehr früher oder später zum Bruch. Ein Austausch des Schlagbolzens stellt kein Problem dar, wenn man weiss wie. Ich denke man kann davon ausgehen, dass das fast jeder imTeam kann (hier MarK Kirchner) . Weshalb dann an eine Nullrunde nicht mehr zu denken war, bleibt wohl das Geheimnis des Autors, denn das Ergebnis zeigt das Gegenteil. Auch haben nicht nur zwei, sondern vier Läufer null geschossen... D
Thorkh@n 12.02.2018
5. Hat sich ...
... schon mal jemand gefragt, wie Sportler, deren Dopingmittellevel nach internen Messungen zu Turnierbeginn noch zu hoch ist und sie deshalb vermeiden müssen, zur Dopingprobe gerufen zu werden, sich am Geschicktesten aus der Affäre ziehen können? Genau, sie nehmen das erste Rennen als erweiterten Trainingslauf und verzichten erst einmal auf den Kampf um einen Titel. Zu gestern fallen mir da die Boe-Brüder und Martin Fourcade ein. Letzterer hatte sich mit den drei Strafrunden 60 Sekunden Rückstand auf Peiffer eingefangen, war aber bei der ersten Zwischenzeit der letzten Runde wieder auf 15 Sekunden heran, ehe es am Ende dann 22 Sekunden waren. Eine solche Diskrepanz in der Laufleistung zweier Weltklasseathleten wirft einfach Fragen auf.
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