Klagen gegen IOC-Urteil Sportgerichtshof hebt Großteil lebenslanger Sperren gegen russische Sportler auf

Der Sportgerichtshof Cas hat den lebenslangen Bann gegen 28 gesperrte russische Wintersportler aufgehoben. Elf Sportler bleiben von den Spielen in Südkorea ausgeschlossen.

Matthieu Reeb
DPA

Matthieu Reeb


Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat vor dem Internationalen Sportgerichtshof (Cas) eine Niederlage erlitten. Der Cas hob die vom IOC verhängten lebenslangen Olympiasperren gegen 28 russische Sportler auf. Es seien keine individuellen Verstöße gegen Anti-Doping-Regeln festgestellt worden.

Auch die von den Sportlern bei den Winterspielen 2014 in Sotschi erzielten Erfolge sind wieder gültig. In elf weiteren Fällen wurden Verstöße festgestellt und die Einsprüche nur teilweise bestätigt.

"Wir sind froh, dass die Gerechtigkeit endlich triumphiert hat", sagte Russlands Sportminister Pawel Kolobkow. Die Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs Cas bestätige, dass die Athleten "sauber" seien. Nun erwarteten die Sportler, dass das IOC reagiere und sie auch zu den Olympischen Winterspielen in Südkorea zulasse, sagte Kolobkow der Agentur Interfax zufolge.

Das Urteil bedeutet nicht, dass die entlasteten Sportler, darunter die Sotschi-Olympiasieger Alexander Legkow (Langlauf) und Alexander Tretjakow (Skeleton), nun an den Winterspielen in Pyeongchang (9. bis 25. Februar) teilnehmen dürfen. Da ihnen keine Einladung des IOC vorliegt, müssten sie zunächst ihr Startrecht einklagen.

IOC befürchtet "ernsthafte Folgen für den Anti-Doping-Kampf"

Das Gericht betonte, es habe nicht über die Feststellung des IOC geurteilt, dass es in Russland ein staatlich gelenktes Dopingsystem gegeben habe, sondern lediglich die individuelle Schuld der einzelnen Athleten untersucht.

Das IOC befürchtet nach dem Cas-Urteil "ernsthafte Folgen für den Anti-Doping-Kampf". In einer Mitteilung der Organisation heißt es weiter: "Das IOC wird die Urteilsbegründungen sorgfältig prüfen, wenn sie zur Verfügung stehen, und wird Konsequenzen überlegen einschließlich eines Einspruchs vor dem Schweizer Bundesgericht."

Insgesamt waren 42 russische Athleten vor den Cas gezogen. Zunächst wurden aber nur 39 Fälle behandelt. Die der Biathletinnen Jana Romanowa, Olga Wiluchina und Olga Saizewa wurden vertagt.

Das IOC hatte insgesamt 43 russische Sportler lebenslang für Olympische Spiele gesperrt. Nur der Bobfahrer Maxim Belugin, der in Sotschi Vierter geworden war, legte keine Berufung ein.

Richard McLaren
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Richard McLaren

Der Sportgerichtshof hatte in den vergangenen Tagen 39 der Athleten und auch weitere Zeugen wie Grigori Rodschenkow, den früheren Chef des Moskauer Anti-Doping-Labors, und Richard McLaren, Chefermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), angehört. Rodschenkow und McLaren hatten mit ihren Enthüllungen und Ermittlungen maßgeblich dazu beigetragen, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) Teile der russischen Athleten sperrte.

Das Nationale Olympische Komitee Russlands ist nach der IOC-Entscheidung Anfang Dezember für die Winterspiele gesperrt. Allerdings dürfen russische Sportler unter neutraler Flagge und ohne Hymne starten. Sie werden als "Olympische Athleten aus Russland" geführt. Nach eingehender Prüfung hat das IOC 169 russischen Athleten erlaubt, in Südkorea anzutreten.

Eine ausführliche Chronologie des russischen Dopingskandals finden Sie hier.

tip/sid



insgesamt 35 Beiträge
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ichsagwas 01.02.2018
1. Am Ende zählt alleine das Recht
Auch wenn es den meisten hier nicht passen wird: wenn keine harten Beweise vorliegen (positive Tests) kann auch nicht verurteilt und lebvenslang gesperrt werden. Es kann nicht sein, dass sich alles auf die Aussagen eines einzigen Kronzeugen stützt. Klare Vorgaben und heftige, ständige internationale Kontrollen hätte die WADA schon lange durchsetzen müssen - da lag der Fehler im System. Fast alle hätten dopen können oder haben es getan.
Idinger 01.02.2018
2. Ich staune:
Russland erkennt wieder Urteile internationaler Gerichte an! Wer hätte das gedacht.
Joe Amberg 01.02.2018
3. Internationale Doping Spiele...
Mögen die Internationalen Doping Spiele endlich beginnen! Ich wäre für eine Vorwärtsstrategie: jeder Sportler kann offensiv für die Präparate werben die er eingeworfen und gespritzt hat. Und darauf abgestimmte Pharama-Bandenwerbung ist schon längst überfällig!
Wolfgang Heubach 01.02.2018
4. Ein bemerkenswertes Urteil
Der so genannte "Kronzeuge" gerät dadurch in ein schiefes Licht. Aber das überrascht mich persönlich nicht.
dannyinabox 01.02.2018
5. gute Freunde
helfen sich eben. so kann man weiterwursteln wie bisher und keinen juckts. offenbar verdienen zu viele zu gut an dem ganzen system. anders ist dieses peinliche theater nicht zu erklären.
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