Olympia-Bilanz Deutschland, ein Wintersportmärchen

Es sind die aus deutscher Sicht erfolgreichsten Olympischen Winterspiele seit langem. Der DOSB-Boss wirkt hochzufrieden und findet deutliche Worte zum russischen Doping.

Alfons Hörmann, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und dessen Frau Elke Büdenbender (v.l.n.r.)
DPA

Alfons Hörmann, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und dessen Frau Elke Büdenbender (v.l.n.r.)

Aus Pyeongchang berichtet


Wer bei den Winterspielen von Pyeongchang ernsthaft über Sport redet, redet irgendwann über Russland. Eigentlich sollte und wollte DOSB-Präsident Alfons Hörmann die üppigen Erfolge des deutschen Teams ins Licht rücken, aber Olympische Spiele haben auch immer ihre Schatten.

"Ich habe bisher noch keine reumütige, um Entschuldigung bittende Haltung bei Russland erkennen können", gab der oberste deutsche Sportfunktionär seine zurückhaltende Formulierung aus der Vorwoche auf. Da hatte er sich noch diplomatischer zu dem Thema geäußert, doch zwei neue russische Dopingfälle bei den Spielen lassen ihn jetzt deutlicher werden: "Ich würde mir wünschen, dass der Beobachterstatus Russlands noch zwei Jahre bis Tokio aufrecht erhalten bleibt." Das heißt: Keine Hymne, keine Fahne bei der Schlussfeier am Sonntag.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat sich noch nicht geäußert, wie es in der Frage verfahren will. Hinter den Kulissen wird offenbar heftig verhandelt, debattiert, gedealt. Aber dass nach dem Curler Alexander Kruschelnitzki auch noch die Bobfahrerin Nadeschda Sergejewa durch den Dopingtest gerasselt ist, macht es für die Russland-Wohlmeinenden im IOC zunehmend schwerer. Das IOC wollte seine Entscheidung zu Fahne und Hymne eigentlich im Lauf des Samstags bekanntgeben, vertagte die Abstimmung jedoch.

Kein deutscher Sportler mit Ausnahmegenehmigung

Das Dopingthema waberte zwei Wochen durch Südkorea, es lässt sich nicht mehr unter den Teppich kehren. Misstrauen überwiegt - auch in Richtung der hier überragenden Norweger. Die bekanntlich mit Tausenden von Asthmadosen im Gepäck nach Südkorea gekommen sind. Ob und wie viele deutsche Sportler auch von Asthmamitteln Gebrauch machen, das wusste der DOSB nicht zu sagen. Asthmapräparate fallen bis zu einer gewissen Dosis nicht unter die Mittel, die anmeldepflichtig sind.

Alfons Hörmann
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Alfons Hörmann

Nur eines konnte Hörmann sicher zusagen: Es gebe im deutschen Kader keinen Athleten, der mit einer medizinischen Ausnahmegenehmigung an den Start gegangen sei, "keinen einzigen". Diese Genehmigungen, im Fachjargon TUE genannt, werden beantragt, wenn Sportler aus vermeintlich medizinisch notwendigen Gründen Arzneimittel einnehmen, die an sich nicht erlaubt sind. Mehrere US-Sportler zum Beispiel haben bei den Olympischen Sommerspielen von Rio diese Möglichkeit genutzt. Ein Graubereich im Anti-Dopingkampf.

Hörmann hatte sich schon zur Halbzeitbilanz vor einer Woche aus dem Fenster gelehnt und sich dafür verbürgt, dass sämtliche DOSB-Sportler "manipulationsfrei am Start sind". Was unbestritten ist: Wie erfolgreich sie am Start sind.

Hörmann eröffnet Debatte um deutsche Spiele

Schon vor dem Schlusstag der Spiele liegt man deutlich über den Medaillenergebnissen von Sotschi 2014 und Vancouver 2010. Die deutschen Sportler hätten "die Spiele zu einem Spektakel gemacht", schwärmte der ansonsten eher für Zurückhaltung bekannte Chef de Mission, Dirk Schimmelpfennig. Er weiterte zudem den Blick von den Medaillen weg und strich auch die Vielzahl der Resultate auf den Plätzen vier bis acht heraus.

Hörmann wäre nicht er selbst, wenn er die Gelegenheit nicht sofort ergriffen hätte, die Diskussion um sein Steckenpferd-Thema, Olympische Spiele in Deutschland, wieder anzuheizen: "Die Erfolge hier sind auch eine Verpflichtung." Rückenwind dafür empfindet er auch durch den ausgehandelten Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD. Dort wird auch der Wille, sportliche Großveranstaltungen nach Deutschland zu holen, angedeutet.

Aber noch ist es 2018, und noch sind die Spiele in Pyeongchang, der Stadt, die bei der Vergabe deutlich vor München den Zuschlag erhielt. "Was wäre das für eine Euphorie in Deutschland, wenn wir diese sportlichen Erfolge in München gehabt hätten", seufzte Hörmann laut vor sich hin.

Seit 2002 ist es mit der Medaillenausbeute der deutschen Teams stetig bergab gegangen, dieser Trend wurde nun umgedreht. Jetzt ist nur noch vom "Ausrutscher Sotschi" die Rede, Deutschland sei wieder "eine der führenden Wintersportnationen".

Fahnenträger Christian Ehrhoff (2.v.r.)
DPA

Fahnenträger Christian Ehrhoff (2.v.r.)

Wobei das nur eingeschränkt gilt: Die alpinen Skifahrer, die Eisschnellläufer und Langläufer kehren undekoriert aus Pyeongchang zurück, immerhin drei klassische Kernsportarten der Winterspiele. Die Snowboarder sammelten am Samstag die ersten Medaillen, auch hier hatte es andere Erwartungen gegeben.

Rodler, Bobfahrer, Biathleten und Nordische Kombinierer - das sind die deutschen Aushängeschilder, nicht erst seit diesen Spielen. "Es sind Verbände, die schon seit langem stark sind", sagte Schimmelpfennig. Mit dem Eiskunstlauf-Gold und der Finalteilnahme des Eishockey-Teams sind zwei Medaillensammler dazugekommen, die diesem Ziel seit langem hinterherlaufen. Kein Wunder, dass Hörmann diese beiden Medaillen "zu den einzigartigen Erfolgen" des deutschen Teams rechnete. Möglicherweise dürfte er mit diesem Adjektiv unfreiwillig auch schon nach vorne geblickt haben.

Eishockey ist spätestens seit dem Kanadaspiel vom Freitag das ganz große Ding im deutschen Sport. Dem trägt der DOSB auch auf seine Weise Rechnung. Zum Träger der deutschen Fahne bei der Schlussfeier wurde Eishockeyspieler Christian Ehrhoff ausgewählt.

insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
alterego13 24.02.2018
1.
Bisher gab es ja noch kein Forum zu diesem Thema. Aber kann mir mal jemand erklären, wozu ein Curler dopen soll? Und mit dem 12. Platz hat es ja der Bobfahrerin auch nicht viel gebracht. Man sollte sich besser auf die ersten Plätze konzentrieren.
Merlin001 24.02.2018
2. Sorry, aber...
.... seit 2002 ist es nur noch bergab gegangen?? Aha. 2002 1 Norwegen 13 5 7 25 2 Deutschland 12 16 8 36 3 Vereinigte Staaten 10 13 11 34 4 Kanada 7 3 7 17 2006 1 Deutschland 11 12 6 29 2 Vereinigte Staaten 9 9 7 25 3 Österreich 9 7 7 23 4 Russland 8 6 8 22 2010 1 Kanada 14 7 5 26 2 Deutschland 10 13 7 30 3 Vereinigte Staaten 9 15 13 37 4 Norwegen 9 8 6 23
fat_bob_ger 24.02.2018
3. Wenn es nichts bringt, warum haben dann die russischen
Sportler nicht auf Dopingmittel verzichtet? Die Sportler und ihre Mediziner werden schon wissen, welche Effekte sie erhofft haben. Lange hat man auch behauptet, dass im Fußball gar keine Dopingtests notwendig seien, weil dies eine technische Sportart sei, bis man herausgefunden hat, dass eine Mannschaft mit EPO die "zweite Luft" bekommt und besser pressen kann. PS: Der zwölfte Platz von heute, kann in vier Jahren zum 1. Platz mutieren.
Bernd.Brincken 24.02.2018
4. Dank
Die deutschen Medaillen verdanken sich auch dem Ausschluss vieler russischer Sportler. Ob die alle ihr sportliches Niveau nur durch Doping erreicht haben, unwahrscheinlich. Eher ist es so, dass die Sportförderung auch mangels Mitteln in Russland insgesamt nicht so gut organisiert ist wie die deutsche. Klar sollte Doping geächtet werden, aber die Selbstgerechtigkeit, wie sie hier von einem Funktionär vorgeführt wird, ist fehl am Platze - und gehörte auch verboten. Dafür gibt's nun keine Kommissionen, das müssen die Leute selbst lernen, oder eben nicht. Traurig.
mwroer 24.02.2018
5.
Zitat von alterego13Bisher gab es ja noch kein Forum zu diesem Thema. Aber kann mir mal jemand erklären, wozu ein Curler dopen soll? Und mit dem 12. Platz hat es ja der Bobfahrerin auch nicht viel gebracht. Man sollte sich besser auf die ersten Plätze konzentrieren.
Die ersten 3 werden. soweit ich weiß, in Süd-Korea sowieso getestet, in jeder Sportart. Das war schon in Brasilien so. Dazwischen gibt es immer Stichproben aus dem Feld. Insgesamt sind über 2500 Dopingproben geplant.
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