Deutsche Eishockey-Mannschaft Kein Glück, kein Tor - aber neuer Mut

Der Modus macht es möglich: Deutschland träumt im olympischen Eishockeyturnier trotz Pleiten weiter vom Viertelfinale. Wichtiger war die gute Leistung gegen Schweden - was noch fehlt: Cleverness.

Deutschlands Felix Schütz (rechts) beim Torschuss
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Deutschlands Felix Schütz (rechts) beim Torschuss

Aus Pyeongchang berichten und


Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hat auch das zweite Gruppenspiel bei den Winterspielen in Südkorea verloren. Das war im Vorfeld so erwartet worden, immerhin hießen die beiden Gegner Finnland und Schweden. Doch nach dem deutlichen 2:5 gegen die finnischen Angstgegner war das Team von Bundestrainer Marco Sturm gegen die "Tre Kronor" über weite Strecken gleichwertig und verlor nur knapp 0:1 (0:1, 0:0, 0:0). Das entscheidende Tor fiel vor 3077 Zuschauern bereits nach zwei Minuten durch Viktor Stalberg.

"Es war ein enges Spiel mit einem unglücklichen Ausgang für uns", sagte Stürmer Patrick Reimer. "Wir haben am Anfang den einen Fehler zu viel gemacht und hatten dann viele Möglichkeiten, das Spiel auszugleichen oder in Führung zu gehen." Sturm ging sogar noch einen Schritt weiter: "Das war eine der besten Leistungen während meiner Amtszeit."

Am kommenden Sonntag (4.10 MEZ, Liveticker SPIEGEL ONLINE) geht es gegen Norwegen darum, sich für die Viertelfinal-Qualifikation eine bessere Ausgangsposition zu sichern. In dem olympischen Turnier mit zwölf Mannschaften qualifizieren sich die drei Gruppenersten sowie der beste Zweite direkt für das Viertelfinale. Die anderen acht Teams spielen die weiteren vier Viertelfinal-Plätze aus, für die Paarungen wird aus den Vorrundenergebnissen eine Setzliste erstellt. Will Deutschland also nicht auf Russland oder Tschechien treffen, muss ein Sieg gegen das dritte skandinavische Team her. "Das war ein guter Weg für das Spiel gegen Norwegen", sagte Verteidiger Björn Krupp.

Schwächen in Chancenverwertung und Überzahlspiel

Dann muss sich aber die Chancenverwertung verbessern. Denn auch wenn der Bundestrainer mit dem Unterzahlspiel, der Defensive mit dem starken Torhüter Timo Pielmeier, der läuferischen Leistung und der taktischen Disziplin seiner Mannschaft zufrieden sein konnte, so gibt es auch einiges zu kritisieren: Das DEB-Team verzeichnete ein Torschussverhältnis von 28:26, traf dabei viermal Latte oder Pfosten, aber eben nicht: ins Tor. Oft fehlte die Genauigkeit, Schwedens Torwart Jhonas Enroth musste häufig einfach nur stehenbleiben.

Das Spiel begann mit einer Großchance für Felix Schütz, doch nur Sekunden später stimmte die Abstimmung in der Verteidigung nicht und Patrik Zackrisson fand mit einem Pass zwischen zwei deutsche Abwehrspieler hindurch Stalberg, der allein vor Pielmeier unten links einschoss. Der Mitfavorit auf den Olympiasieg war in der Folge die bessere Mannschaft, auch wenn das Fehlen der NHL-Stars ein Team wie Schweden mehr schwächt als Deutschland. Mit dem Pfostenschuss von Dominik Kahun und dem Außennetztreffer von Yannic Seidenberg hätte der Außenseiter aber auch schon im ersten Drittel ausgleichen können.

Im zweiten Drittel ging Sturms Taktik - frühes Anlaufen und sehr schnelle Überbrückung der neutralen Zone - noch besser auf. Deutschland kam zu guten Chancen und zwang Schweden zu insgesamt vier Zeitstrafen. Doch selbst 70 Sekunden mit doppelter Überzahl reichten nicht, um Enroth zu bezwingen. "Am Ende sind es dann Zentimeter, die bei einem Pfostenschuss den Unterschied ausmachen", sagte Reimer. "Heute hatten wir einfach das Glück nicht."

"Da sind wir also ungeschlagen"

Mittlerweile scheint das Team im Turnier angekommen, nachdem es in der ersten Olympia-Woche neben dem Training auch darum ging, etwas Olympia-Stimmung mitzunehmen. "Wir waren dreimal draußen an der Strecke", sagte Reimer. "Da gab es zweimal Gold für Dahlmeier, einmal für Wellinger, da sind wir also ungeschlagen. Das haben wir in der ersten Woche aufgesaugt."

Positiv überrascht waren die Spieler von der Atmosphäre im Kwandong Hockey Centre. Die kleinere der beiden Hallen in Gangneung an der Küste war zwar nur zur Hälfte gefüllt, doch das reichte, um olympische Stimmung aufkommen zu lassen. Das lag auch an einer kleinen Gruppe aus Deutschland, die mit gewohnten europäischen Gesängen die Führungsrolle in der Halle übernahm.

Jetzt fehlen nur noch die Tore.



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svempa 16.02.2018
1. Nicht schlecht
Auch wenn wegen der NHL Saison nur gegen die schwedische B- Mannschaft gespielt wurde. Aber selbst die schwedischen Kommentatoren im Radio hätten den Deutschen aufgrund des beherzten Spiels einen Punkt gegönnt.
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