Eishockey-Stars aus der NHL Zu gut für Olympia

Sie halfen mit, Deutschland nach Pyeongchang zu bringen. Spielen dürfen Stars wie Leon Draisaitl bei Olympia aber nicht, die nordamerikanische Profiliga NHL lässt sie nicht. Für die Männer aus der zweiten Reihe ist das eine Chance.

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Er gehört mit 22 Jahren zu den besten Offensivkräften in Nordamerikas Profiliga NHL; in der vergangenen Saison war er dort mit 77 Punkten die Nummer acht der Scorerliste. Man kann mit ruhigem Gewissen behaupten, dass Leon Draisaitl derzeit der beste deutsche Eishockey-Spieler ist. Aktuell wird das für ihn zum Problem. Draisatil ist zu gut für Olympia.

Normalerweise ist der Stürmer als Leistungsträger gesetzt, nicht nur bei den Edmonton Oilers, sondern auch in der Nationalmannschaft. Dennoch stürmt er in Pyeongchang nicht für Bundestrainer Marco Sturm. Denn die NHL hat sich geweigert, ihre Akteure nach Südkorea zu schicken.

Dabei wollte Draisaitl unbedingt zu diesen Winterspielen. Deshalb hatte er 2016 seinen Sommerurlaub verkürzt, in Riga das Qualifikationsturnier gespielt. Er half neben den anderen deutschen NHL-Profis Dennis Seidenberg, Philipp Grubauer, Tom Kühnhackl, Korbinian Holzer und Tobias Rieder mit, Deutschland nach Pyeongchang zu bringen, jubelte nach dem entscheidenden 3:2-Sieg gegen Lettland ausgelassen - und muss jetzt trotzdem zuschauen.

"Natürlich ist es nicht optimal. Jeder Sportler wäre bei solch einem Event gerne dabei. Aber wir haben uns mittlerweile damit abgefunden", sagt Draisaitl dem SPIEGEL. Er klingt ein bisschen frustriert und machtlos. Er hoffe, sagt Draisaitl, dass "es in vier Jahren" klappt. Denn er will das nächste olympische Familien-Kapitel schreiben.

Draisaitl? Winterspiele? Da war doch was!

Méribel, 18. Februar 1992: Im Olympia-Viertelfinale in Albertville zwischen Deutschland und Kanada steht es nach 60 Minuten überraschend 3:3. In der Verlängerung fallen keine weiteren Tore. Penaltyschießen. Peter Draisaitl ist an der Reihe. Er muss treffen, sonst ist Deutschland ausgeschieden. Der Routinier schießt den Puck mittig, Kanadas Schlussmann Sean Burke macht die Lücke zwischen seinen Beinen reaktionsschnell zu. Der Puck passt trotzdem zwischen den Schonern hindurch, trudelt die wenigen Zentimeter Richtung Tor - und bleibt auf der Linie liegen.

Peter Draisaitl gehörte zu den besten deutschen Eishockeyspielern seiner Generation. Doch es ist vor allem diese Szene von Méribel, die viele mit seinem Namen verbinden. "Mein Vater hatte das Glück, dreimal Winterspiele miterleben zu dürfen. Es wäre cool gewesen, wenn ich jetzt in seine Fußstapfen hätte treten können", sagt Leon Draisaitl.

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Ähnlich ergeht es Tom Kühnhackl. Er hat in den vergangenen beiden Jahren mit den Pittsburgh Penguins jeweils den Stanley Cup gewonnen, gilt aber immer noch schlichtweg als "der Sohn vom Erich." Denn Erich Kühnhackl ist eine Legende, Deutschlands Eishockeyspieler des Jahrhunderts und war dabei, als die DEB-Auswahl 1976 sensationell Olympia-Bronze holte.

Während es für Draisaitl und Kühnhackl NHL statt Nationalmannschaft heißt, wird Björn Krupp in Pyeongchang sein Debüt bei Winterspielen geben - 20 Jahre nachdem Vater Uwe in Nagano auf dem olympischen Eis stand. "Ich konnte es zuerst nicht glauben. Es ist schon ein verrücktes Gefühl", sagte Björn Krupp, als Bundestrainer Sturm am 23. Januar sein endgültiges Olympiaaufgebot bekanntgab. An jenem Dienstagabend war Verteidiger Krupp mit den Grizzlys Wolfsburg bei den Eisbären Berlin zu Gast - die von seinem Vater trainiert werden.

"Bulgarische Bobfahrer links, Skandinavische Skiläufer rechts"

Nach der Partie gab es in den Katakomben eine kräftige Umarmung für den Sohn. "Als Vater bin ich stolz und als Trainer muss ich sagen: Respekt", meinte Uwe Krupp. Als die NHL 1998 erstmals ihre Stars zu den Winterspielen entsandte, war Björn sechs Jahre alt und somit zu jung, um sich heute an seinen Vater im Deutschland-Trikot erinnern zu können. Uwe Krupp fällt rückblickend spontan die Cafeteria im Olympischen Dorf ein. Ein Sammelsurium von Athleten, Trainern, Betreuern. Mal lange, intensive Gespräche, mal Konversationsversuche mit Händen und Füßen. "Bulgarische Bobfahrer links, Skandinavische Skiläufer rechts - einfach eine besondere Atmosphäre", sagt Krupp.

Er war damals einer der besten NHL-Verteidiger - und kam nur zu Olympia, weil Nordamerikas Liga expandieren und ihr Produkt beim größten Wintersportevent promoten wollte. Björn Krupp ist nun dabei, weil die NHL nach 20 Jahren fernbleibt - und somit gestandene Abwehrspieler wie Seidenberg (New York Islanders) und Holzer (Anaheim) nicht nach Pyeongchang dürfen. "Das ist natürlich super, dass sich diese Tür für mich geöffnet hat. Und wenn man die Gelegenheit bekommt - wer würde nein sagen zu Olympia?", sagt Krupp.



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Rust Cohle 15.02.2018
1. die Gier des Gary Bettman...
Die (NHL-) Spieler wollen (zu den Olympischen Spielen), die Fans wollen-nur den Herrn Commissioner, Gary Bettman interessiert's nicht. Dem geht's nämlich nur ums Geld. Seit ca. zwanzig Jahren ruiniert er den Sport-shoot out in der regulären Spielzeit statt Unentschieden-was war früher der penalty shot was tolles, denn es gab ihn nur selten-heute sieht man wegen der obigen Regelung ein Dutzend alle zwei, drei Spiele. Oder die neueste Regel, 3 gegen 3 in der Verlängerung, eine Situation (3 gegen 3), die es normalerweise kaum gibt im Eishockey. Alles nur zu einem Zweck: um Hockey für die attraktiver zu machen die das Spiel nicht verstehen und sich auch eigentlich nicht dafür interessieren. Die echten Fans wissen das und deshalb wird der kleine Rechtsanwalt Zwerg, der natürlich selbst nie im Leben Eishockey gespielt hat, in jeder NHL Arena regelmäßig ausgepfiffen. Die Spieler können ihn auch nicht ab (ich kenne einige persönlich), sie halten aber die Klappe, denn in einem ist Bettman Spitze: er erwirtschaftet sehr viel Geld und deshalb verdient heute ein unterdurchschnittlicher, unbekannter Spieler mehr als Wayne Gretzky vor zwanzig Jahren. Aber nix neues, im Ende geht's halt immer um's Geld, speziell im Amerikanischen Profisport, wo Spiele ja unterbrochen werden damit im Fernsehen Werbung gezeigt werden kann. Wenn das eines Tages bei uns im Fussball übernommen wird hab' ich mein letztes Spiel gesehen...
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