Olympiasieger Frenzel Der Selbstvertrauensriese

Nach einer ungewohnt schwachen Saison hat Kombinierer Eric Frenzel seine beste Leistung gezeigt - mal wieder. Der Fahnenträger setzt mit seiner Goldmedaille eine erfolgreiche Tradition fort.

Gold-Kombinierer Eric Frenzel
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Gold-Kombinierer Eric Frenzel

Aus Pyeongchang berichtet


Der Olympiasieg von Eric Frenzel in der Nordischen Kombination hat gezeigt, dass eine Goldmedaille nicht immer die logische Konsequenz einer tollen Saison sein muss. Hinter dem 29-Jährigen liegen schwierige Wochen und Monate, es schien fast, als habe er das Siegen verlernt.

Als Frenzel Ende Januar auf seiner Lieblingsstrecke im österreichischen Seefeld bei drei Rennen nicht einmal auf dem Podium landen konnte, schien die auf Olympia ausgerichtete Saison nur schwer zu retten zu sein. In den vier Jahren zuvor hatte Frenzel in Seefeld zehn von zwölf Rennen gewonnen und das Nordic Combined Triple, vergleichbar mit der Vierschanzentournee der Skispringer, dominiert. Doch in diesem Jahr siegte Akito Watabe in allen drei Wettbewerben.

Nun, in Pyeongchang, ist Frenzel in Bestform, "auf den Punkt", wie man im Sportjargon sagt. Er selbst habe daran nicht gezweifelt, sagt Frenzel, auch dann nicht, als es ungewohnt schlecht lief. "Ich war nicht ratlos", sagte er nach seinem goldenen Comeback, bei dem er vor Watabe und dem Österreicher Lukas Klapfer gewann. Frenzel war Titelverteidiger von der Normalschanze und ist mittlerweile schon fünffacher Weltmeister. Auf den Punkt eben.

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Pyeongchang 2018: Alle deutschen Medaillengewinner

Im Team hatten die Kombinierer nach der Enttäuschung von Seefeld entschieden, eine Wettkampfpause einzulegen. Der Weltcup in Hakuba fiel für die deutschen Athleten aus. Stattdessen ging es nach Oberstdorf in ein Trainingslager, wo Regeneration und viele Übungssprünge an erster Stelle standen. "Es war nicht einfach, wie wir in die Saison gestartet sind", sagte Frenzel nun. "Aber ich habe nie den Glauben an mich verloren, auch wenn mir etwas die Zeit weggelaufen ist."

Zwischenzeitlich schien es sogar so, als würden die Spiele in Südkorea einfach ein Jahr zu spät stattfinden, hatten Frenzel und sein Teamkollege Johannes Rydzek doch eine enorme Siegesserie hingelegt: 18 von 23 Einzelrennen gewannen die beiden Kombinierer. Und weil auch Fabian Rießle und Björn Kircheisen in drei Rennen ganz oben standen, gab es nur zweimal keinen deutschen Sieger. Doch die Dominanz ist verloren gegangen - in dieser Saison gewannen Frenzel, Rydzek und Rießle jeweils nur ein Rennen.

Dass es ausgerechnet bei Olympia für Frenzel besser laufen sollte, hatte sich bis zur Ankunft noch nicht abgezeichnet. Mehr als 24 Stunden dauerte die Anreise von München, es hatte Probleme mit dem Flugzeug gegeben. Dann wurde Frenzel zum Fahnenträger der deutschen Olympiamannschaft gewählt. Für "viel Euphorie" habe das bei ihm gesorgt, sagte Frenzel. "Mein Ziel war, das mit ins Rennen zu nehmen."

Medaillenspiegel 2018
Platz
Land
Gesamt
1
Norwegen
14
14
11
39
2
Deutschland
14
10
7
31
3
Kanada
11
8
10
29

Das hat wie bei vielen seiner Vorgänger funktioniert. Seit der Wiedervereinigung ist Frenzel der achte Fahnenträger bei einer olympischen Eröffnungsfeier und der fünfte, der im Anschluss Olympiasieger wurde. Maria Höfl-Riesch gewann 2014 in Sotschi sogar Doppel-Gold, André Lange (2010), Kati Wilhelm (2006) und Mark Kirchner (1994) wurden ebenfalls Olympiasieger. Wolfgang Hoppe holte 1992 Silber im Viererbob.

Auf der Alpensia Sprungschanze, die beim Sieg von Andreas Wellinger und dem zweiten Platz von Katharina Althaus schon sehr windige Verhältnisse bot, gehörte für Frenzel aber auch Glück dazu. Er erwischte gute Verhältnisse, sprang 106,5 Meter weit und profitierte auch davon, dass die Mitfavoriten Jan Schmid, Jörgen Graback (beide Norwegen) und Rydzek bei schwierigem Wind runtergeschickt wurden.

Für Fabian Rießle, der am Ende als Siebter zusammen mit Rydzek (Platz fünf) und Vinzenz Geiger (neun) ein hervorragendes Mannschaftsergebnis ablieferte, ein Unding. "Da kriegt man schon einen leichten Hals", sagte der 27-Jährige. "Denn die Jury kann sich auch fünf Minuten mehr Zeit lassen und den einen oder anderen wieder vom Balken runterholen. Es ist halt ein Riesenunterschied, ob man Seiten- oder Aufwind hat." Rydzek sah das etwas gelassener. "Ich bin sehr zufrieden und stolz auf meine Leistung", sagte der Sportler des Jahres 2017. "Die Spiele sind noch nicht vorbei."

Am 20. Februar steht der Wettkampf von der Großschanze an, zwei Tage später will das Team laut Frenzel die Niederlage bei den Spielen in Sotschi wiedergutmachen. "Da haben wir noch eine Rechnung offen", sagte der Olympiasieger. Vor vier Jahren verlor Deutschland Gold im Zielsprint an Norwegen.



insgesamt 3 Beiträge
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zaunreiter35 14.02.2018
1. Herzlichen Glückwunsch
zum Sieg des deutschen Fahnenträgers! Das war ja dann schon richtig, dass er die Fahne beim Einmarsch trug.
gammoncrack 14.02.2018
2. Meiner Meinung nach wäre das auch richtig
Zitat von zaunreiter35zum Sieg des deutschen Fahnenträgers! Das war ja dann schon richtig, dass er die Fahne beim Einmarsch trug.
gewesen, wenn er nicht Gold gewonnen hätte. Zurecht wird der Fahnenträger/die Fahnenträgerin aus einer Langzeitbetrachtung der sportlichen Erfolge und des persönlichen Auftretens heraus gewählt. Deswegen benötigt es keine neuen Goldmedaillien, auch wenn das im Ergebnis bei Frenzel äußerst erfreulich und gegönnt ist.
ogoehni 14.02.2018
3. Leistunswille...
Schon ein vorbildlicher Sportler und ein sympathischer Mensch. Wir können stolz auf diesen Sportler sein. Hier zeigt sich eine richtige Förderung mit einem klaren Leistungsprinzip. Dieses sollte auch für andere Sportarten und im gesellschaftlichen Leben gelten, nur so bleibt Deutschland Spitze. Herzlichen Glückwünsch Eric.
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