Eröffnung der Winterspiele Korea gibt sich versöhnlich

Zwei Stunden Show und viel Feuerwerk: In Pyeongchang haben die Olympischen Winterspiele mit einer großen Eröffnungsfeier begonnen. Die Zeremonie setzte auf Tradition und Moderne.

Eröffnungsfeier in Pyeongchang
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Eröffnungsfeier in Pyeongchang


"Die 23. Olympischen Winterspiele sind eröffnet": Um 21.41 Uhr Ortszeit im Gastgeberland Südkorea, 13.41 Uhr deutscher Zeit, sprach Staatspräsident Moon Jae In die traditionelle Formel. Später entzündete Eiskunstläuferin Kim Yuna, Goldgewinnerin von Vancouver, das Olympische Feuer in Pyeongchang.

Bis zum 25. Februar kämpfen nun mehr als 2900 Athleten aus 92 Nationen um insgesamt 102 Goldmedaillen. Deutschland ist mit 153 Athleten vertreten. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Thomas Bach, sagte: "Im Laufe der kommenden Tage wird die Welt auf euch schauen, Sportler. Ihr werdet uns inspirieren."

Die Eröffnungsfeier hatte um 20.01 Uhr Ortszeit mit Glockenläuten begonnen. (Hier können sie die Zeremonie im Protokoll nachlesen.) Es folgte ein gut zweistündiges Programm unter dem Motto "Frieden in Bewegung". Bevor traditionell Griechenland den Einmarsch der Nationen einleitete, wurden aufwendige Filme und Choreografien aufgeführt. Der koreanische Filmproduzent Song Seung-Hwan war bereits 2015 mit dieser Eröffnungsshow beauftragt worden.

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Olympia in Südkorea: Die Bilder der Eröffnungsfeier

Gezeigt wurden opulent geschnittene Videos mit Highlights der koreanischen Kulturgeschichte, Dutzende Menschen ließen gewaltige Puppenfiguren tanzen. Natürlich durften - wie bei eigentlich jeder Olympischen Eröffnungsfeier - auch Trommelgruppen, diverse Tänzerinnen und ein Kinderchor nicht fehlen. Acht verdiente Athleten Südkoreas trugen dann die Fahne des Gastgeberlandes ins Stadion.

Das deutsche Team wurde beim Einlaufen der Länder von Fahnenträger Eric Frenzel angeführt. Als er aus dem kalten Innenraum des Olympiastadions zurückgekehrt war, sagte der Nordische Kombinierer: "Das war ein tolles Erlebnis. Daran werde ich mich mein Leben lang erinnern." Die deutschen Athleten trugen das neue, golden schimmernde Olympia-Outfit, das der Deutsche Olympische Sportbund als "lässig, modern und stylisch" bezeichnet, das bei unserer Stilexpertin Anja Rützel allerdings als "Farbpalette Fensterkitt" durchfiel.

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Olympia-Outfits 2018: Pfadfinder-Hools mit Heizkissen

Zu den bekanntesten Fahnenträgern der anderen Nationen gehörten der 45 Jahre alte japanische Skispringer Noriaki Kasai, der mit seiner achten Teilnahme einen Rekord aufstellt, Biathlonstar Martin Fourcade (Frankreich), Skispringer Janne Ahonen (Finnland) - und Pita Taufatofua aus Tonga. Der 34-Jährige war vor zwei Jahren der heimliche Star der Eröffnungsfeier von Rio geworden, als er mit nackter Brust die Fahne trug. Um auch im Winter dabei sein zu können, sattelte Taufatofua von Taekwondo auf Langlauf um.

Eine Panne unterlief der ARD bei der Eröffnungsrede von Lee Hee Beom, dem Chef des Organisationskomitees der Spiele. Er sprach, an sich nicht so überraschend, auf koreanisch. Die ARD war darauf aber nicht vorbereitet und hatte keinen entsprechenden Dolmetscher zugeschaltet. "Wir konnten die Rede deswegen nicht übersetzen", entschuldigte sich Simultandolmetscher Jürgen Stähle anschließend.

Mit etwa zehn Milliarden Euro sollen die Spiele in Südkorea wesentlich günstiger werden als die Spiele vor vier Jahren in Sotschi, die mit 50 Milliarden Euro als die bislang teuersten in der Olympiageschichte gelten. Doch auch an den Spielen von Pyeongchang gab und gibt es reichlich Kritik wegen mangelnder Nachhaltigkeit.

Pita Taufatofua aus Tonga
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Pita Taufatofua aus Tonga

Besonders im Mittelpunkt werden bei diesen Spielen vor allem die Sportler aus Russland und Nordkorea stehen. 168 Russen starten als Folge des Skandals um Staatsdoping bei den Spielen in Sotschi als "Olympische Athleten aus Russland". Sie gehen ohne Landesfahne und -hymne an den Start und müssen besondere IOC-Verhaltensrichtlinien beherzigen.

Die Sportler aus Nordkorea liefen bei der Eröffnungsfeier gemeinsam mit den Athleten des Gastgeberlandes ein. Die nordkoreanische Eishockeyspielerin Hwang Chung Gum und der südkoreanische Bobfahrer Won Yun Jong führten das Team an. Die beiden Nationen wollen die Spiele nutzen, um Annäherungspolitik zu demonstrieren, die Eishockeyspielerinnen aus dem Süden treten sogar in einer gemeinsamen Mannschaft mit ihren nordkoreanischen Kolleginnen an. IOC-Chef Bach sagte bei der Zeremonie zum gemeinsamen Auftreten: "Wir alle sind tief berührt von dieser großen Geste. Geeint sind wir stärker als alle Kräfte, die uns spalten wollen."

Zu schön, um wahr zu sein, waren dann aber die Szenen, die sich auf der Tribüne des Olympiastadions abspielten: Dort verbrüderten sich US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, winkten den einlaufenden Sportlern einträchtig zu und machten eifrig Selfies mit Zuschauern. Es handelte sich allerdings um Doubles der Politiker.

Doubles von Kim und Trump
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Doubles von Kim und Trump

luk

insgesamt 11 Beiträge
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biesi61 09.02.2018
1. Manchmal handeln Doubles intelligenter als ihre Originale!
Eine schöne Geste, die die beiden Raufbolde vielleicht, ... hoffentlich inspiriert.
mikeappel63 09.02.2018
2. Wer ist hier überfordert?
Sie schreiben „Um 21.41 Uhr deutscher Zeit, 13.41 Uhr Ortszeit im Gastgeberland Südkorea, “ ... sollte es nicht umgekehrt sein? Tatsächlich war die Eröffnung abends in Südkorea....
Namal 09.02.2018
3. Die ARD war überfordert
weil man über das Gastgeberland nicht herziehen wollte oder konnte.
schwelle 09.02.2018
4.
Tja, da hätte natürlich keiner mit rechnen können: Eine Rede auf koreanisch! ;-) Ich dachte erst, dass es eine technische Panne sei, weil die Begrüßung ja noch übersetzt wuede
sanfernando 09.02.2018
5. Der koreanische Präsident...
...hielt seine Rede in Pyeongchang (Korea!) vor koreanischen Publikum überraschenderweise auf koreanisch! Und ohne darüber den Veranstalter oder die Medien vorher zu informieren! Das konnte doch keiner ahnen...
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