Sportförderung und Olympia-Erfolge Goldrausch zur richtigen Zeit

Das deutsche Olympia-Team ist sehr erfolgreich in die Winterspiele von Pyeongchang gestartet. Das hilft vor allem dem DOSB, der auf mehr Geld vom Steuerzahler aus ist.

Natalie Geisenberger (l.), Dajana Eitberger
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Natalie Geisenberger (l.), Dajana Eitberger

Aus Pyeongchang


Deutschland hatte etwas zu klären bei diesen Winterspielen. Vor vier Jahren hatte die Abordnung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) bei den Winterspielen in Sotschi für das schlechteste Resultat seit 1990 gesorgt: acht Gold-, sechs Silber- und fünf Bronzemedaillen. Selbst wenn man die in Südkorea wegen Staatsdoping ausgeschlossene Nation Russland außer acht lässt, landete Deutschland immer noch hinter Norwegen, Kanada, den USA und der Eislaufnation Niederlande auf Platz fünf.

Diese sportliche Enttäuschung macht das Team in Pyeongchang aktuell wieder gut. Das kann man bereits sagen, bevor die Hälfte der sechzehn Wettkampftage vorüber ist. Die Staatsquote ist dabei enorm, mehr als 100 der 154 Olympiateilnehmer stehen bei der Bundespolizei, der Bundeswehr, dem Zoll und bei anderen Polizeieinheiten im Dienst. Enorm sind auch die Investitionen in die technikintensiven Wintersportarten - kein anderes Land leistet sich zum Beispiel vier Kunsteisbahnen.

Und so sagte der scheidende Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) trotz der jüngsten Erfolge in Pyeongchang, Deutschland nehme "gemessen am Einsatz des Steuerzahlers und am Einsatz von Trainern und Athleten nicht mehr die Rolle ein, die es mal eingenommen hat". Derlei Töne hört man gern beim DOSB. Hat doch Leistungssportchef Dirk Schimmelpfennig im Herbst von einem Anstieg der Bundessportförderung um 100 Millionen Euro gesprochen.

Die Beamten im für Spitzensport zuständigen Bundesinnenministerium zeigten sich überrascht von derlei Zahlenspielen. Weder der Staatssekretär Hans-Georg Engelke noch Sport-Abteilungsleiter Gerhard Böhm konnten diese konkreten Überlegungen nachvollziehen. Kurz darauf ruderte DOSB-Präsident Alfons Hörmann zurück und erklärte, es sei zu früh, genaue Zahlen zu nennen.

Medaillen sind die besten Argumente für Hörmann

Mit den Medaillen im Rücken werden Hörmann und seine Sportlobbyisten im Bundestag und den Ländern wieder selbstbewusster agieren. Auch am Mittwoch herrschte Festtagsstimmung im Deutschen Haus in Pyeongchang: Mit Eric Frenzel ( Nordische Kombination) und dem Rodel-Doppel Tobias Wendl und Tobias Arlt feierte das DOSB-Team die nächsten Olympiasiege. Am Donnerstag triumphierten Aljona Savchenko und Bruno Massot im Paarlauf.

Tobias Wendl (l.), Tobias Arlt
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Tobias Wendl (l.), Tobias Arlt

Unter den Gästen in Südkorea waren am Mittwoch auch zwei Mitglieder des Sportausschusses im Bundestag gewesen: Eberhard Gienger (CDU), langjähriger DOSB-Vizepräsident Leistungssport, und André Hahn, sportpolitischer Sprecher der Linken. Stephan Mayer (CSU) hatte schon die Heimreise angetreten. Eine offizielle Delegation des Sportausschusses gibt es diesmal nicht. Die Abgeordneten reisten auf Fraktionskosten.

Hahn erlebte spätabends mit DOSB-Mann Schimmelpfennig den Erfolg im Rodeln live an der Bahn. Es war die siebte von inzwischen acht Goldmedaillen für Deutschland, hinzu kommen zweimal Silber und viermal Bronze. Und es gibt noch weitere große Chancen. Das Sotschi-Resultat könnte schon am Freitag übertroffen sein. Sogar Rang eins in der Nationenwertung scheint möglich.

Die Spitzensportreform stockt

DOSB-Präsident Hörmann, der seit Amtsantritt 2013 von einem Fettnäpfchen ins nächste tappte, hat aktuell also viele Gründe zur Freude. Die neue Vorstandschefin des Verbands, Veronika Rücker, feiert zudem einen großen Einstand. Sie wurde von Hörmann ohne öffentliche Ausschreibung als Nachfolgerin des in den Ruhestand gewechselten Michael Vesper installiert. Nun darf sie im Deutschen Haus die Empfangskommandos für die Olympiasieger anführen.

Katharina Althaus im Deutschen Haus
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Katharina Althaus im Deutschen Haus

Die Medaillenflut kommt zur rechten Zeit. Denn aktuell werden Weichen für die Zukunft gestellt. Die Spitzensportreform, im Dezember 2016 in Magdeburg verabschiedet, stockt gewaltig. Mit den Ministerialen im BMI steht Hörmann im Grunde auf Kriegsfuß. BMI-Abteilungsleiter Gerhard Böhm wurde vom organisierten Sport als Feindbild auserkoren und musste immer wieder gewaltige Kritik einstecken.

Böhm wiederum will notgedrungen das Zeitalter der diskreten Absprachen zwischen BMI und dem olympischen Dachverband beenden. Denn die mangelnde Transparenz der staatlichen Sportförderung wurde von Gerichten und vom Bundesrechnungshof gerügt. Das BMI will sich davon leiten lassen - und von den Vorgaben des Haushaltsausschusses. Der DOSB versucht es gern mit Lobbyismus.

Was passiert, wenn Seehofer Innenminister wird?

Bislang konnte Hörmann auf Innenminister De Maizière bauen. Doch der war quasi auf Abschiedsbesuch in Südkorea und flog am Mittwoch zurück nach Berlin. Horst Seehofer wird dort wohl das Amt des Innenministers übernehmen - sollten die SPD-Mitglieder einer erneuten Großen Koalition zustimmen.

Horst Seehofer
DPA

Horst Seehofer

Der neue Mann muss kein Nachteil sein, Hörmann und Seehofer sind CSU-Parteifreunde. Die Frage wird sein, welche Usancen künftig das BMI prägen. Vielleicht geht es ja sogar zurück zur vom Rechnungshof gerügten Mittelvergabe. Umso wichtiger wird die Rolle des Sportausschusses, wo Dagmar Freitag von der SPD für eine dritte Legislaturperiode den Vorsitz übernommen hat. Sie scheint entschlossen, allzu forsche DOSB-Begehren abwehren zu wollen.

Momentan laufen die behördlichen Anerkennungsverfahren für 167 Bundesstützpunkte in den Sommersportarten. Die 35 Winter-Stützpunkte sind bis Ende 2018 gesichert. Insgesamt stehen also derzeit 202 Bundesstützpunkte auf der Wunschliste. Dabei hatten sich Sport und Politik Ende 2016 auf eine zwanzigprozentige Reduzierung von damals 204 auf etwa 160 Stützpunkte verständigt.

Jede Medaille stärkt den DOSB

Auch das ist eine wichtige Frage, die für Spannungen sorgt. Hörmann weiß die Sportministerkonferenz der Bundesländer auf seiner Seite. Die Ministerpräsidenten haben Sonderwünsche für die Stützpunkte, gleiches gilt für einige Bundestagsabgeordnete. In einigen Wochen wird sich die Sportministerkonferenz mit DOSB und BMI auf einer Sondersitzung verständigen.

Jede Medaille in Pyeongchang wird die Verhandlungsposition des DOSB stärken. Es geht letztlich immer um mehr Geld vom Steuerzahler. Der DOSB stützt sich auf seine Athleten, die im Winter wieder hervorragend funktionieren.

Zwar gibt es auch Kritik an der Fokussierung auf Staatssportelemente, so seit Jahren vorgetragen vom Wirtschaftswissenschaftler Wolfgang Maennig. Maennig, Professor an der Uni Hamburg, wurde 1988 Olympiasieger im Achter und führte einige Jahre als Präsident den Deutschen Ruderverband. Derlei Einwände verblassen aber in diesen Tagen, wo der DOSB im Deutschen Haus jeden Abend Olympiasiegern zujubeln darf.



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kai.friedrich 15.02.2018
1. Erfolge im Winter
Eins ist ja wohl klar: die Wintersportler haben im Gegensatz zu den Sommersportlern einfach viel weniger Konkurrenz hat. Es gibt einfach viel weniger Nationen die Sport im Schnee betreiben können. Trotzdem ist die Leistung natürlich TOP!
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