Silbermedaille für Skispringerin Althaus Stimmung!

Katharina Althaus hat die zweite Skisprung-Medaille für das deutsche Team gewonnen. Und siehe da: Anders als beim Männer-Wettbewerb waren die Tribünen gut gefüllt. Gibt es jetzt endlich mehr Anerkennung?

AFP

Aus Pyeongchang berichtet


Der Skisprung-Wettbewerb der Frauen bei den Olympischen Winterspielen war ein Abziehbild der Männer-Konkurrenz von der Normalschanze: Wieder herrschten bei Temperaturen von minus elf Grad und eisigem Wind sehr schwierige Bedingungen. Wieder zog sich das Springen deutlich länger hin als angekündigt, denn die Jury musste ständig Springerinnen vom Balken zurückholen und die Absprungluken versetzen. Und es gab erneut eine deutsche Medaille, nach Gold für Andreas Wellinger am vergangenen Samstag bejubelte diesmal Katharina Althaus die Silbermedaille.

Einen Unterschied gab es dann aber doch. Als Wellinger im zweiten Durchgang zum Olympiasieg gesprungen war, hatte sich das Stadion im Alpensia Skisprung Centre längst geleert - was vor allem an der Kälte lag. Nun, beim Sieg der Norwegerin Maren Lundby, waren die Zuschauer geblieben und wurden mit herausragenden Sprüngen entlohnt. "Es war richtig cool, dass so viele Zuschauer da waren", sagte Althaus: "Das sind wir sonst nicht so gewohnt."

Zu verdanken hatten Lundby und Althaus die ungewohnte Atmosphäre auch der Drittplatzierten Sara Takanashi. Die Japanerin ist in ihrer Heimat ein Star, Skispringen der Frauen hat dort einen ähnlichen Stellenwert wie das der Männer mit Altmeister Noriaki Kasai an der Spitze. Und so waren Hunderte japanische Fans gekommen und prägten die Stimmung. Die Befürchtungen mancher Beobachter, es gäbe ein Springen unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu sehen, bewahrheiteten sich nicht.

Wieder nur ein Springen für die Frauen

Althaus, die mit frisch lackierten schwarz-rot-goldenen Fingernägeln angetreten war, wünscht sich einen Aufschwung für ihre Sportart: "Ich hoffe, in Zukunft kommen immer mehr Zuschauer zu uns." Denn das Skispringen der Frauen fristet im Vergleich zu dem den männlichen Kollegen immer noch ein Schattendasein. Erste Wettbewerbe fanden seit 2002 statt. 2009 gab es mit Lindsey Van dann die erste Weltmeisterin, 2011 wurde das Skispringen der Frauen in den Weltcup integriert.

Ein erster Schritt zu mehr Anerkennung ist getan, mittlerweile werden auch vereinzelt Großschanzen für die Springerinnen im Wettkampf geöffnet. Wichtig wäre auch eine Ausweitung des olympischen Programms. In Pyeongchang sind die Spiele, wie schon wie vor vier Jahren bei der Premiere in Sotschi, für die Frauen bereits nach einem Wettkampf beendet. Ob das 2022 in Peking anders sein wird, hat das IOC noch nicht entschieden. Dann könnte es ein Teamwettbewerb oder eine Mixed-Staffel mit den Männern geben.

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Bei Jacqueline Seifriedsberger brach der Frust über das jähe Ende heraus. "Da hat man gerade seinen Rhythmus gefunden und schon ist wieder alles vorbei", sagte die Österreicherin, die auf Platz 13 gesprungen war. Für Althaus galt das nicht. Die 21-Jährige wird am Dienstag ihre Medaille bekommen und dann noch bis zum 20. Februar in Südkorea bleiben. "Ich freue mich, dass wir in den kommenden Tagen noch Zeit haben, ein paar Wettkämpfe anzuschauen."

Carina Vogt landete auf Platz fünf

Ihren persönlichen Aufschwung in dieser Saison begründete Althaus mit mehreren Faktoren. Sie habe sich ohnehin Jahr für Jahr steigern können und habe im vergangenen Sommer verletzungsfrei trainieren können. "Ausschlaggebend war aber auch, dass die Doppelbelastung mit der Schule weggefallen ist."

Zufrieden konnte auch Titelverteidigerin Carina Vogt sein. Die Spezialistin für die großen Wettbewerbe landete nach dem Olympiasieg in Sotschi und jeweils Doppel-Gold bei den Weltmeisterschaften 2015 und 2017 diesmal auf Platz fünf. Das entspricht ihrem derzeitigen Leistungsvermögen, eine Überraschung wie in den vergangenen Jahren war angesichts der starken Konkurrenz nicht möglich.

Dabei hatte Vogt besonders unter den Bedingungen zu leiden. Im ersten Durchgang musste sie wegen plötzlich aufkommenden Rückenwindes einige Minuten ausharren, ehe sie springen durfte. Althaus hatte mehr Glück, sprach aber trotzdem von einem fairen Wettkampf: "Skispringen ist eine Freiluftsportart und wir müssen es nehmen, wie es kommt." Zur Feier im deutschen Haus ließ sie sich dann von Wellinger inspirieren: "Ich trinke Weißbier", sagte Althaus.



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zaunreiter35 12.02.2018
1. Wenn man sieht
dass Nationen wie Slowenien, Russland, Japan, Österreich, Deutschland, USA und Italien mehrere gleichwertige Springerinnen haben, dann wird es Zeit für einen Teamwettbewerb. Aber ich plädiere noch für ein Springen von der Großschanze. Das haben die auch drauf.
Kazuobu Funkabe 12.02.2018
2.
Für mehr Anerkennung muss meines Erachtens vor allem die Leistungsdichte noch etwas zunehmen. Es ist nicht besonders attraktiv für den Zuschauer, wenn ein Großteil der Athletinnen nicht mal in die Nähe des K Punkt springen kann und man mit 2 mal ca 90 m und mehr Anlauf als die Spitze noch unter die Top 20 springt, bei einer Höchstweite von 110m wohlgemerkt. Bei vielen Verbänden fehlt Geld und Struktur, Talente auszubilden und zu unterstützen. Hier mangelt es auch noch an Unterstützung seitens der FIS Eine Mitschuld an der (zumindest in der Breite) etwas stagnierenden Entwicklung des Damenskispringens tragen meines Erachtens auch die TV-Anstalten. Immerhin sind bei ARD/ZDF kleinere Fortschritte zu erwähnen (viele Wettbewerbe in der Mediathek, öfter auch mal 2. Durchgänge live im TV), dennoch ist die Präsenz der Sportart noch ausbaufähig, die Damen an der Weltspitze hätten es verdient. Bei Eurosport hat man leider den Eindruck, sie waren diesbezüglich 2014 schon weiter. Wie es in anderen Ländern aussieht weiß ich nicht, ich befürchte eher noch schlechter (außer vielleicht in Japan, wo eine Sara Takanashi nicht viel weniger populär sein soll als etwa ein Daiki Ito) Vielleicht ist es aber auch einfach die positive Entwicklung der Athletinnen in den Spitzennationen selbst, die das Leistungsgefälle erklärt. Da können etwa die Nordamerikanerinnen, die bezahlen, um mitspringen zu dürfen, einfach nicht mehr mithalten. Es bleibt zu Hoffen, das wenigstens die Polen das Damenskispringen noch für sich entdecken werden, sowohl auf der Athleten-, als auch auf der Zuschauerseite.
M. Vikings 13.02.2018
3. An dieser Stelle muss man mal die Jury loben.
Einen solchen Wettkampf bei den Windbedingungen so zu steuern ist aller Ehren wert. Immerhin entspricht das Ergebnis den aktuellen Weltcupplazierungen der drei Medaillengewinnerinnen und damit dem tatsächlichen Leistungsvermögen. Bei Olympischen Spielen eine echte Seltenheit. Für einen Frauschatswettbewerb bei Olympia ist es wohl noch zu früh, dafür ist die Zahl der Athletinnen und die Leistungsdichte noch zu gering. Auf jeden Fall haben wir Sportfans gestern von den Frauen einen großartigen Wettbewerb geboten bekommen. Gold für die Jury, Gratulation an die Athletinnen, gut gemacht Frau Althaus.
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