Norwegens Olympiasiege Erfolge mit langem Atem

Norwegen führt den Medaillenspiegel bei den Winterspielen an, täglich gibt es Anlass zum Jubeln. Bei den Gründen für die Erfolge herrscht aber auch Argwohn.

Johannes Høsflot Klæbo
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Johannes Høsflot Klæbo

Aus Pyeongchang berichtet


Die Norweger haben bei ihren Olympia-Planungen vollkommen versagt. Vor den Winterspielen in Pyeongchang beschlossen die Skandinavier, auf ein eigenes Haus für ihre Athleten und Fans zu verzichten - was für eine Fehlkalkulation. Jetzt müssen sich die Sportler bei all ihren Goldmedaillen zum Feiern ein anderes Obdach suchen - wie die Skispringer, die ihren Teamerfolg im Deutschen Haus begossen haben.

Kein Tag vergeht ohne norwegische Jubelmeldungen, in den Online-Artikeln über das Team Norge müssen die Medaillenzahlen ständig aktualisiert werden, am Donnerstagmorgen lag das Team noch bei 33: 13-mal Gold, elfmal Silber, neunmal Bronze. Da an diesem Tag noch Biathleten und Kombinierer in die Loipe gehen (Entscheidungen ab 11.20 Uhr MEZ, Liveticker SPIEGEL ONLINE), ist davon auszugehen, dass diese Zahl wieder nur ein kurzes Haltbarkeitsdatum hat.

33 Medaillen, so viele gab es noch nie. "Es läuft bei uns einfach vieles glücklich", sagt der Chef de Mission, Tore Øvrebø. Wie so oft liegen die Gründe für den Erfolg in einem früheren Misserfolg. Von den Winterspielen von Calgary 1988 kehrten die Norweger mit fünf Medaillen heim, keine war Gold. Eine Schmach für das Land der Loipen - und das in dem Jahr, in dem Norwegen den Zuschlag für Olympia daheim erhielt. Für die Winterspiele 1994 in Lillehammer wurde das komplette Sportfördersystem umgestellt, es wurde die Organisation "Olympiatoppen" gegründet, die Wissenschaftler, Sponsoren und Athleten zusammenführte. Davon profitiert der Sport bis heute.

Kinder stehen natürlich auf Langlaufskiern

Auch wenn das Land auf dem Eis ebenfalls Weltklasseathleten hat, zum Beispiel im Eisschnelllauf, ist Norwegen eine Nation der Skifahrer. Im Winter gibt es zuverlässige Schneeverhältnisse, den Kindern bleibt dann gar nichts anderes übrig, als sich auf Langlaufskier zu stellen. Es käme den Norwegern auch gar nicht erst in den Sinn, das nicht zu tun. Der Quell der Talente im Skisport in diesem 5,3-Millionen-Einwohner-Land versiegt nie.

"Trotz aller Ablenkungen, die unsere Zeit mit sich bringt, ist für die Norweger der Weg in die Natur noch immer wichtiger. Die Familien gehen hinaus, egal zu welcher Jahreszeit, egal wie das Wetter ist", sagt Alexander Stöckl dem österreichischen "Standard". Stöckl muss das wissen, er trainiert seit einigen Jahren die norwegischen Skispringer, ist mitverantwortlich dafür, dass das Land auch von der Schanze wieder zu den West-Besten gehört. Das klingt nach einer sehr einfachen Erklärung, aber wer Norwegen kennt, weiß, dass es stimmt.

Es gibt natürlich auch andere Erklärungen, und die klingen weniger nach feinem Naturidyll. Die Delegation hat aus Europa 6000 Dosen Asthmamittel mitgebracht, hat der norwegische Fernsehsender NRK berichtet. 6000 Dosen für 121 Athleten, die die Reise nach Südkorea auf sich genommen haben. Es soll auch das Mittel Salbutamol darunter sein, dass bei höherer Verabreichung als Dopingmittel gilt.

Ein Volk von Asthmakranken

Asthmamittel sind bei den Sportlern sehr beliebt, da sie die Bronchien weiten. Die Mittel benötigen unterhalb einer gewissen Dosis auch keiner Ausnahmegenehmigung durch die Anti-Doping-Agenturen. Die Häufung von angeblichen Asthmakranken im Spitzensport im Allgemeinen und im norwegischen Spitzensport im Besonderen weckt jedoch Argwohn. Vor allem, wenn sie dann trotzdem Höchstleistungen vollbringen können.

Die Ärztin des norwegischen Teams hat die hohe Zahl der Asthmadosen mit dem Hinweis gerechtfertigt, man habe sich an Erfahrungswerten von den vergangenen Spielen orientiert. "Wir stehen zu diesen Mengen", sagte sie. Norwegische Medien haben recherchiert, dass die Ärzte noch bei der Nordischen Ski-WM im Vorjahr den Trainern und Athleten die Einnahme sogar flächendeckend empfohlen hatten.

Gerade die Dominanz der Norweger im Langlauf nährt die Gerüchte, dass dies nicht alles mit dem Genuss von Hüttenkäse zu erreichen ist. Der Langlauf ist ein gebranntes Kind beim Thema Doping, er ist so etwas wie der Radsport des Winters. Zahlreiche Sportler sind schon auffällig geworden, auch norwegische Topleute waren darunter.

Die siebenfache Weltmeisterin Therese Johaug muss sich die Spiele im Fernsehen anschauen, weil sie wegen der Einnahme einer verbotenen Substanz über eine Lippencreme gesperrt ist. Sie hat stets beteuert, sie habe sich nur gegen Sonnenbrand schützen wollen. Topsprinter Martin Johnsrud Sundby wurde sein Sieg bei der Tour de Ski 2015 aberkannt, weil er Salbutamol in zu großer Menge eingenommen und es nicht angemeldet hatte. Er wurde für zwei Monate gesperrt. Zu seinem Glück waren es Sommermonate.



insgesamt 59 Beiträge
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SanSany4 22.02.2018
1. Wettkampf der Medikamenten
Das ist doch lächerlich, wenn das Volk von "kranken" Asthmatiker (norwegische Wintersportler und US-Leichtathleten) bei den großen Sportevents alles abräumen.
RalfHenrichs 22.02.2018
2. Norweger sind halt keine Russen
Dass im norwegischen Sport - wie im US-amerikanischen - flächendeckend gedopt wird, ist nun wirklich allgemein bekannt. Nur Deutschland kann ohne Doping mithalten - natürlich...
herm16 22.02.2018
3. erstens
ich freu mich für die Norweger. 2. muss eigentlich immer mit zweifelhaften Substanzen handiert werden. Wo bleibt der olympische Gedanke?,, so kannst du alles vergessen.
alex300 22.02.2018
4. Stichwort "mit langem Atem"
Nur zur Erinnerung. 47% der norwegischen Athleten sind unheilbare Asthmatiker. Ganz offiziell. Sie haben das WADA-Erlaubnis die entsprechenden Medikamente zu nehmen. Ken weiteres Kommentar.
Waldemar Peschel 22.02.2018
5. ....weiter Herr Ahrens
...schon alles an Recherche? Bemerkenswert folgende Reihenfolge im Text: "...die Wissenschaftler, Sponsoren und Athleten zusammenführte."! Wobei hier das Wort, welches an erster Stelle steht zu beachten ist. Herr Seppel übernehmen Sie.! P.S. Von N ist es nicht weit bis GB. Da könnte direkt mal recherchiert werden, wie es den zu Olympia in London so im britischen Team abgelaufen ist?
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