Reaktionen zum Cas-Urteil "Die Entscheidung ermutigt Betrüger"

DOSB-Präsident Alfons Hörmann hat sich zum Cas-Urteil im Zusammenhang mit dem russischen Staatsdopingskandal diplomatisch geäußert. Deutlicher wurde Anwalt Jim Walden. Die Reaktionen.

Cas-Generalsekretär Matthieu Reeb
AP

Cas-Generalsekretär Matthieu Reeb


Der Internationale Sportgerichtshof (Cas) hat die vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) verhängten lebenslangen Olympiasperren gegen 28 russische Sportler aufgehoben. Erwartungsgemäß lobte Russlands Sportminister Pawel Kolobkow die Entscheidung, von anderer Seite gab es deutliche Kritik.

Jim Walden (Anwalt des russischen Whistleblowers Grigorij Rodtschenkow): "Durch die unglückliche Entscheidung dieses Gremiums erhalten einige Athleten eine geringe Strafe, andere werden komplett verschont. Die Cas-Entscheidung ermutigt Betrüger, es für saubere Athleten schwerer zu machen und lädt das korrupte russische Doping-System und Putin zu weiteren unrechtmäßigen Siegen ein."

Wladimir Putin (Russlands Präsident): "Das bestätigt unsere Position, dass die überwältigende Mehrheit unserer Athleten sauber ist. Es gibt noch einiges zu tun, das ist völlig klar, um bei uns die Programme und die Politik gegen Doping zu verbessern."

Alfons Hörmann (Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds DOSB): "Die Athletinnen und Athleten, die zugelassen sind, wurden mehr getestet als alle anderen Sportler weltweit - und zwar von neutralen Instituten. Das verleiht uns das gute Gefühl, dass wir dieses Mal unter völlig anderen Voraussetzungen antreten als in Sotschi."

Andreas Trautvetter (Vizepräsident des Bob- und Skeleton-Weltverbands IBSF): "Diese Entscheidung vom Cas habe ich erwartet, weil die europäische Rechtslage gilt. Da gilt die Unschuldsvermutung bis man die Schuld nachgewiesen hat. Die Beweise waren von Beginn an nicht ausreichend."

Pawel Kolobkow (Russlands Sportminister): "Alle Athleten wurden in Fällen von Dopingverstößen bei den Spielen in Sotschi freigesprochen. Wir sind froh, dass sich die Gerechtigkeit endlich durchgesetzt hat."

Mitteilung des Internationalen Olympischem Komitees (IOC): "Seit das russische Olympia-Komitee suspendiert ist, können russische Athleten nur mit einer IOC-Einladung in Pyeongchang antreten. Die Cas-Entscheidung bedeutet nicht, dass Athleten aus der Gruppe der 28 zu den Spielen eingeladen werden."

mru/dpa/sid/Reuters

insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
lasse.wissmann 01.02.2018
1. Rechtsverstädnis
Mitteilung des Internationalen Olympischem Komitees (IOC): "Seit das russische Olympia-Komitee suspendiert ist, können russische Athleten nur mit einer IOC-Einladung in Pyeongchang antreten. Die Cas-Entscheidung bedeutet nicht, dass Athleten aus der Gruppe der 28 zu den Spielen eingeladen werden." Man mag ja über das Urteil denken, was man will, aber sagt das IOC hiermit nicht ziemlich klar, dass ihnen offizielle Urteile wumpe sind? Interessantes Rechtsverständnis
jtrch 01.02.2018
2. IOC Spitze endlich ersetzen
Die Vorgänge beim IOC sind skandalös. Von Anfang an hat man das eigentlich voraus gesehen und anstatt Russland als Land zu disqualifizieren ist man auf die einzelnen Athleten los, obschon jedem Juristen klar war, dass dann bei jedem einzelnen klar die Schuld nachgewiesen muss und der Mc Cartey Bericht dazu alleine nicht reicht. Aber nein, Bach wollte Putin nicht auf die Füsse stehen und hat den aussichtslosen Weg (wahrscheinlich voll bewusst) gewählt und stellt nun das CAS als skandalös hin. Dabei ist das CAS absolut im Recht und es war wie schon gesagt vorhersehbar, dass dieses Urteil kommen wird. Bach soll endlich die Koffer packen, er ist untragbar geworden.
piccolo-mini 01.02.2018
3. selektive Auswahl
Doping ist im Leistungssport die Regel, auch wenn die Ausprägungen und Organisationsformen unterschiedlich sind. Das weiß auch Hajo Seppelt, der kauzige SWR-Doping-Reporter, der, wie er bei Vorträgen an der Sporthochschule vor Jahren unter zig Zeugen bekannte, immer wieder von seinem Chef Antwerpes ausgebremst wurde, wenn er mit seinen Recherchen zu Doping-Vergehen deutscher Langläufer*innen und Biathlet*innen, "das Produkt schädige". Ob es ihn innerlich zerriss, als er vor wenigen Jahren plötzlich gehyped, statt ausgebremst wurde, weil sich seine Anschuldigungen dieses Mal gegen Russen richteten, kann man nur spekulieren. Für intelligent genug, um zu merken, dass er nur deshalb unterstützt wird, weil er als "nützlicher I...t" im Kalten Krieg 2.0 fungiert, halte ich ihn schon. Vielleicht mag ihn ja bei Gelegenheit mal jemand dazu befragen. Dass das Doping in Russland staatlicher organisiert ist, statt das wie in Spanien alle Weltklassesportler (inkl. der Fußballer) von Fuentes gedopt wurden, oder in den USA kleinteiliger privatwirtschaftlich organisiert, macht die anderen nicht weniger schlimm als Russland. Versuche, Spanien komplett auszuschließen, wurden natürlich nicht unternommen. Peinlich, dass sich hierzu der gemeine deutsche Journalist allzu gerne vereinnahmen lässt. Russland soll die Möglichkeit genommen werden, internationale Erfolge propagandistisch ausschlachten zu können. Nach dem clever inszenierten Coup beim ESC (mit dem gegen die Regeln des Wettbewerbs verstoßenden, mit extra dafür geändertem Wertungssystem zum Sieg gepushten ukrainischen Song) folgen die olympischen Spiele. Bei der Fußball-WM hat man es nicht geschafft, dem Land das Turnier wieder zu entziehen, aber schauen wir mal, was da noch so passiert.
Zuversicht 01.02.2018
4. Hört doch endlich mit der Scheinheiligkeit auf
Gedopt wird in allen Ländern. Wer heute langjährig zur Sportspitze gehört muss entweder chronisch krank sein - siehe diverse US-Sportler u.a. Serna und Venus William, Lance Amstrong oder Turn-Olympiasiegerin Simone Biles, dass er/sie die Mittel mit Ausnahmegenehmigung legal bekommt, oder man tauscht den Inhalt der ach so sicheren Dopingproben aus - siehe letzten ARD Report Geheimsache Doping: Das Olympiakomplott vor ein paar Tagen. Würden alle Länder so rigoros überprüft wie Russland, wir hätten eine sehr überschaubare Anzahl an Athleten bei den Veranstaltungen vor allem auch aus der ach so sauberen westlichen Hemisphäre. Als erstes Würde ich empfehlen, dass nur gesunde Hochleistungssportler an den Start gehen dürfen. Chronisch Kranke werden in den Disziplinen gesperrt in denen die Medikamente nachweislich wirken.
simonweber1 01.02.2018
5. Das
CAS Urteil kommt nicht überraschend. Vor einigen Tagen gab es ein Weltcuprennen der Rodler. Der Präsident des Weltverbandes wurde gefragt warum russischen Rodlern die Teilnahme am Weltcup gestattet werde.Dieser antwortete, dass sein Weltverband die Vorwürfe gegen die Athleten von mehreren namhaften Juristen geprüft habe und dabei alle Unterlagen die auch dem IOC vorlagen zur Prüfung herangezogen hätte. Ein Nachweis von Doping konnte in keinem einzigen Fall erbracht werden. Er sagte sinngemäß, dass sein Verband nach Aktenlage und Fakten urteile und nicht wie das IOC zu politischen Urteilen neige. Wenn man nun das Urteil zu Gunsten der russischen Sportler genauer betrachtet, muss man sehr wohl zur Ansicht gelangen das das IOC ausschließlich politisch geurteilt hat.Insofern sollte das IOC die Sportler selbstverständlich an der Olympiade teilnehmen lassen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.