Ski alpin Riesenslalom-Absage bringt Planungen durcheinander

Nach der Absage des Riesenslaloms sehen sich die Organisatoren genötigt, mal wieder zwei Rennen an einem Tag abzuhalten. Vor 20 Jahren brachte das deutschen Fahrerinnen Glück. Es drohen aber weitere Ausfälle.

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Aus Pyeongchang berichtet


Am späten Sonntagabend hatte sich die Absage des Riesenslaloms der Frauen bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang bereits angedeutet. Der Wind hatte im Anschluss an das Goldrennen von Biathlet Arnd Peiffer in der Bergregion des Alpensia Olympia-Parks noch mal deutlich zugenommen. Wer auf dem Rückweg bei orkanartigen Böen seinen Bus erreicht hatte, konnte froh sein.

Die Hoffnung auf eine Besserung über Nacht erfüllte sich nicht. Am Morgen des dritten Wettkampftags schien zwar die Sonne und sorgte für ein sehenswertes Bergpanorama, doch bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 Stundenkilometern war in Yongpyong nicht an ein Rennen zu denken. "Es ist schade, ich wäre wirklich sehr gerne ein Rennen gefahren", sagte Mitfavoritin Viktoria Rebensburg. "Aber wichtig ist, dass die Bedingungen gut und fair für alle sind."

Wie gefährlich die Situation war, wurde nach der Absage im Zielraum deutlich. Eine Böe erfasste eine TV-Kamera und ließ diese von einem knapp zehn Meter hohen Podest in die Tiefe stürzen. Ein Mitarbeiter des kanadischen TV-Senders CBC berichtete, dass die Kamera samt Stativ direkt neben ihm zu Boden gekracht sei. Verletzt wurde glücklicherweise niemand.

Die Organisatoren entschieden sich für eine Verlegung auf kommenden Donnerstag, so wird der Riesenslalom das Rahmenprogramm für die Abfahrt der Männer. Das erste Rennen der alpinen Wettbewerbe war am Sonntag ebenfalls wegen starker Winde verlegt worden. Die Frauen werden den Tag um 1.30 Uhr deutscher Zeit beginnen, die Abfahrt ist für drei Uhr geplant, der zweite Durchgang des Riesentorlaufs soll um 5.15 Uhr über die Bühne gehen.

Eng gestrickter Terminplan

Die Notwendigkeit, zwei Rennen an einem Tag abhalten zu müssen, zeigt die Tücken des Terminplans. Bis zum 24. Februar, wenn zum Abschluss der alpinen Wettbewerbe die Team-Medaillen vergeben werden, gibt es zwar noch zwei Ausweichtage (19. und 20. Februar), doch auch da sind bereits Trainingsläufe in der Abfahrt der Frauen angesetzt.

Zudem gilt es, weitere Dinge zu beachten: Während die Frauen derzeit in Yongpyong für die technischen Disziplinen weilen, fahren die Männer die Speed-Wettbewerbe im knapp 20 Kilometer entfernten Jongseon Alpine Centre. Am kommenden Wochenende sollen dann die Berge getauscht werden, was auch einen Quartierwechsel bedingt. Außerdem müssen die Gültigkeit der Eintrittskarten und der Mehraufwand für die TV-Übertragungen mit in die Planung einbezogen werden. Weitere Absagen darf es deshalb eigentlich nicht geben.

Doch genau das droht an den kommenden Tagen. "Die Terminplanung ist nach der heutigen Absage eine große Herausforderung", sagte Renndirektor Atle Skaardal. Die Wettervorhersage kündigt ein Nachlassen des Windes frühestens für Donnerstag an, Dienstag und Mittwoch stehen mit der Kombination der Männer und dem Slalom der Frauen aber bereits die nächsten Rennen an. Es werden wohl weitere Tage mit zwei Rennen folgen.

Aus deutscher Sicht ist daraus sogar ein gutes Omen abzuleiten. 1998 in Nagano sorgte das Wetter für ähnliche Verhältnisse wie in Pyeongchang. Vor 20 Jahren wurden die Abfahrt der Frauen sowie die Kombinations-Abfahrt der Frauen am selben Tag ausgetragen, beide Goldmedaillen gingen an Katja Seizinger. Und drei Tage später krönte sich Hilde Gerg parallel zum Riesenslalom der Männer zur Slalom-Olympiasiegerin.

Am Donnerstag hat neben Rebensburg auch Thomas Dreßen gute Chancen auf eine Medaille.



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OhMyGosh 12.02.2018
1.
Mittlerweile erhält das schöne Antlitz dieser Weltspiele groteske bis hässliche Züge: die Grinsepuppen Kims mit ihren Stechschrittverrenkungen, der anscheinend schwache Zuschauerbesuch der meisten Bewerbe, und natürlich das Extremwetter. Für dieses können die Koreaner nix, aber wäre das auf Grundlage aussagekräftiger langfristiger Daten nicht vorhersehbar bzw. ein Grund gewesen, die spiele eben nicht nach Südkorea zu vergeben? Aber das IOC ist vermutlich ein ebenso korrupter, bestenfalls unfähiger Haufen wie FIFA und UEFA. Hauptsache, man hat damals den grandiosen Skiläufer Karl Schranz von den Spielen ausgeschlossen, der einmalig und geringfügig gegen den Amateurstatus verstoßen hatte. Vermutlich sind alle froh, wenn sie wieder im Flieger zurück nach Hause sitzen.
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