Kurz vor Olympia-Start Deutsche Trainerin verlässt Jamaikas Frauen-Bobteam

Nächste Woche starten erstmals jamaikanische Bobfahrerinnen bei Olympia. Schon jetzt ist Trainerin Sandra Kiriasis überraschend zurückgetreten. Die Deutsche fordert Entschädigungszahlungen vom Verband.

Sandra Kiriasis (links)
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Sandra Kiriasis (links)


Die deutsche Trainerin Sandra Kiriasis hat das jamaikanische Frauen-Bobteam kurz vor der ersten Olympia-Teilnahme verlassen. Nach Differenzen mit dem restlichen Trainerteam fordert sie nun Geld vom jamaikanischen Bobverband. "Sie wollten mich als Bahntrainerin behalten, aber ich sollte keinen Kontakt mehr zu den Athleten haben. Und das funktioniert natürlich nicht", sagte die Bob-Olympiasiegerin von 2006.

Kiriasis sagte weiter, sie kenne die genauen Gründe für die geplante Degradierung nicht, vermute aber "eine Intrige im Trainerstab. Ich war wohl noch nie so enttäuscht in meinem Sportlerleben." Die jamaikanischen Bobfahrerinnen sind in Pyeongchang erstmals bei Olympia dabei. Das Team erhielt auch deshalb viel Aufmerksamkeit, weil es genau 30 Jahre nach dem Debüt der Herren im kanadischen Calgary den Sprung zu den Winterspielen schaffte.

Auf dem Weg zur Olympia-Qualifikation habe die 43-Jährige dem Verband nach eigener Aussage unter anderem einen Bob organisiert sowie ein Paar private Kufen zur Verfügung gestellt. Über ihre Kontakte habe sie zudem geholfen, eine komplette Ausrüstung zum Fahren und Vorbereiten zu organisieren. Der Verband habe dadurch viel Geld gespart, Kiriasis forderte nun eine Entschädigungszahlung.

Andernfalls verlange sie das Material zurück. Kiriasis würde sogar in Kauf nehmen, dass das Team an den Rennen in der kommenden Woche nicht teilnehmen könnte: "Ich muss mich ja schützen, ich kann das nicht akzeptieren", sagte sie.

Der Verband will nicht zahlen

Die Jamaikaner wiesen die Forderungen der Deutschen zurück. In einem Statement erklärte der Verband, dass der Bob nicht Kiriasis gehöre. Ihr Abgang werde zudem "den Verband oder die Leistung unserer Athleten bei den Winterspielen nicht beeinflussen". Kiriasis habe sich selbst dazu entschieden, nicht mit dem Verband weiterzuarbeiten.

"Wir sind sehr enttäuscht über ihre Entscheidung und danken ihr für ihren unschätzbaren Beitrag zum Erfolg des ersten jamaikanischen Frauen-Bobteams", hieß es weiter.

Kiriasis betonte, dass ihr Verhältnis zu den Athletinnen um Pilotin Jazmine Fenlator intakt sei: "Sie sagten mir, dass sie es nicht verstehen und dass sie kein Problem mit mir haben."

ngo/sid



insgesamt 2 Beiträge
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fvaderno 14.02.2018
1. Ist sie nicht so etwas wie eine Angestellte ...
... des Verbandes? Und wenn der Verband ihre Arbeit nicht mehr bei den Athleten sieht, dann ist sie doch weisungsgebunden. Wenn sie abhaut, kann sie kein Gehalt mehr fordern.
quark2@mailinator.com 15.02.2018
2.
Tja, an der Stelle war ich auch schon paar Mal. Wenn man ohne richtigen Vertrag unbürokratisch Leistungen für andere erbringt, weil man sie gerade mag, dann muß man sich darüber klar sein, daß man dieses Investment verlieren kann, wenn das gute Verhältnis zerbricht. Wenn man sich dennoch aus reiner Menschenliebe dafür entscheidet, dann sollte man die Größe haben, nicht gerade im allerletzten Moment ein Manöver zu starten, das an Nötigung grenzt, indem man versucht, den Sportlern den Schlitten von der olympischen Bahn zu reißen. Zum einen ist man dann immer der moralische Verlierer und zum anderen wird man auch nicht glücklich davon. Leider. Manchmal gehen Dinge einfach schief, da kann man nichts machen.
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