Alpin-Medaillen für die Schweiz Wer hat's gewonnen?

Die ersten Olympiatage von Pyeongchang waren hart für das Schweizer Team. Erst die Skifahrer Wendy Holdener und Beat Feuz haben die Eidgenossen erlöst. Und das war erst der Anfang.

Wendy Holdener
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Wendy Holdener

Aus Pyeongchang berichtet


Den Schweizern wird bekanntlich ihre Langsamkeit nachgesagt, bei ihnen dauere es, bis die Dinge ihren Gang nehmen. Das ist selbstverständlich ein Klischee, aber die erste Olympiawoche muss den Menschen zwischen Basel und Matterhorn wirklich sehr lang geworden sein. Die Tage in Pyeongchang verstrichen, aber die Erfolge blieben aus.

Nach dem sechsten Wettkampftag lag die ruhmreiche Wintersportnation Schweiz mit zwei Medaillen nur auf Platz 16 des Medaillenspiegels, hinter der Slowakei, hinter Tschechien, hinter Australien. In Sotschi vor vier Jahren wurden im Schweizer Haus noch sieben Goldmedaillen gefeiert. Am siebten Tag von Pyeongchang kam die Erlösung: Endlich durften die Alpinen zeigen, was sie können. Silber für Wendy Holdener im Slalom der Frauen, Silber für Beat Feuz im Super-G der Männer. Wenig später gewann Langläufer Dario Cologna sogar das erste Gold für die Schweiz. Endlich, werden sie in der Schweiz sagen.

Medaillenspiegel 2018
Platz
Land
Gesamt
1
Norwegen
14
14
11
39
2
Deutschland
14
10
7
31
3
Kanada
11
8
10
29

Gold hatte die 24-jährige Slalomspezialistin Holdener am Morgen nur knapp verpasst: Lächerliche fünf Hundertstelsekunden fehlten ihr am Ende auf die Zeit von Goldmedaillengewinnerin Frida Hansdotter aus Schweden. Die Schweizerin hatte den ersten Lauf für sich entscheiden, ihren Vorsprung auf dem vor allem im Mittelteil tückisch gesetzten Kurs aber nicht halten können.

"Nicht so schlecht, Zweite zu werden"

"Ich habe den Druck ziemlich gespürt, meine Beine waren längst nicht so locker wie im ersten Durchgang", sagte Holdener. Daher wusste sie nicht genau, welches Gefühl anschließend die Überhand gewinnen sollte: Wehmut über das entgangene Gold oder Freude über Silber. "Morgen früh, wenn ich aufwache, werde ich mich bestimmt für die Freude entscheiden." Es sei schließlich "auch nicht so schlecht, bei Olympia Zweite zu werden".

Wendy Holdener
Getty Images

Wendy Holdener

Die Erleichterung bei den Schweizer Betreuern war jedenfalls fast mit Händen zu greifen. Im Langlauf, im Biathlon und im Snowboard waren zuvor bereits mehrere Schweizer Blütenträume geplatzt, die Medaillenhoffnungen im Freestyle, Fabian Bösch und Elias Ambühl, liegen zu allem Überfluss mit dem Norovirus im Bett. In der Männer-Abfahrt, dem Zwölfender der Alpinwettbewerbe, war Goldfavorit Feuz immerhin noch zu Bronze gerast. Aber eben nur zu Bronze. Mit Holdeners Fahrt zu Silber hinter Hansdotter soll nun alles besser werden.

Holdener, Hansdotter - da fehlt doch ein Name, wenn es um den Frauen-Slalom geht. US-Star Mikaela Shiffrin, die haushohe Favoritin, war mit Übelkeit kämpfend ins Rennen gegangen, wie sie zwischen beiden Läufen dem Fernsehsender ESPN noch im Interview erzählte. Zumindest war ihr deutlich anzumerken, dass sie nicht in Bestform, nicht einmal in Normalform antrat. Schon nach dem ersten Lauf lag sie nur auf Platz vier und konnte diesen Rang nicht mehr verbessern. Kein Sieg für Shiffrin in ihrer Paradedisziplin, nicht einmal eine Medaille, das ist bisher sicherlich die Überraschung dieser Alpinwettbewerbe.

Hansdotter hat sich stetig verbessert

Shiffrin war auf Gold programmiert, so souverän ist sie in der Weltcupsaison aufgetreten, dazu hatte sie schon den Riesenslalom von Pyeongchang für sich entschieden, aber am Freitag schwächelte sie, und die Konkurrenz hat die Gelegenheit sofort genutzt.

Dass es Hansdotter und Holdener waren, die in die Bresche sprangen, ist allerdings weit weniger eine Überraschung. Die erfahrene Schwedin ist schließlich WM-Dritte, bei Olympischen Spielen hat sie sich langsam, aber stetig nach vorn gearbeitet: In Vancouver 2010 war sie 15. In Sotschi vor vier Jahren Fünfte, jetzt ist sie am Ziel. Freuen wird sich auch die Celebrity-Presse: Hansdotter ist entfernt mit dem schwedischen Königshaus verwandt und schaffte es damit schon in die "Gala", die ansonsten nicht so oft über Skilaufen berichtet.

Frida Hansdotter
Getty Images

Frida Hansdotter

Wendy Holdener sicherte sich im Vorjahr bei der WM in Sankt Moritz bereits Gold in der Kombination. Das will sie am liebsten auch in Pyeongchang wiederholen, zudem liebäugelt sie auch im Teamwettbewerb mit einer Medaille.

Die zweite Olympiawoche von Korea, sie soll nicht nur Holdener weitere Medaillen bringen. Die Schweiz hat mit den alpinen Disziplinen, mit Freestyle und Bobfahren noch ein paar Trümpfe in der Hand. Wenn die stechen, wäre die schlechte Laune aus der ersten Woche vergessen. Und zwar ganz schnell.



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