Drittes Olympia-Gold für White Shaun wieder

Snowboard-Legende Shaun White hat mit einer perfekten Inszenierung seinen dritten Olympiasieg gefeiert. Einen Angriff der jungen Wilden konnte er gerade noch abwehren. Ein 16-jähriger Japaner stürzte schwer.

Getty Images

Aus Pyeongchang berichtet


Shaun White hat es wieder geschafft. Einer der wenigen globalen Superstars im Wintersport - Millionär, Unternehmer und seit 17 Jahren in der Snowboard-Weltspitze - hat bei den Winterspielen in Pyeongchang zum dritten Mal in seiner Karriere die olympische Goldmedaille in der Halfpipe gewonnen. "Ich bin so stolz", sagte der US-Amerikaner im Anschluss.

Und wie es sich für White gehört, zeigte er dabei die perfekte Inszenierung. Dem US-Amerikaner gehörte nach dem Sieg in der Qualifikation das Recht des letzten Laufs. Doch als er vor dem dritten Durchgang seine Bindung ein letztes Mal überprüfte und sich in die Röhre stürzte, drohte ein Generationenwechsel.

Ayumu Hirano, wie White bei seinem ersten Olympiasieg 2006 in Turin 19 Jahre jung, hatte einen extrem starken Lauf mit einem Back-to-Back 1440, dem Königssprung mit vierfacher Drehung, hingelegt. Der Lohn: 95,25 Punkte und Platz eins. Weil der 23-jährige Weltmeister Scotty James schon durch war und Bronze gewann, konnte nur White den Olympiasieg des jungen Japaners noch verhindern.

Double McTwist mit dreieinhalbfacher Drehung

White ist dafür bekannt, seine Choreografie schon mal kurzfristig zu ändern. Hirano zwang ihn zu vollem Risiko, und tatsächlich wagte der 31-Jährige erstmals in einem Wettbewerb den zuvor vom Japaner gezeigten Sprung mit der vierfachen Drehung, um dann noch einen Double McTwist mit dreieinhalbfacher Drehung - also 1260 Grad - draufzusetzen.

Fotostrecke

11  Bilder
Gold für Shaun White: Die "Tomate" fliegt zum Sieg

Wer ganze Wochenenden lang Wintersport bei ARD oder ZDF verfolgt, mag mit diesen Zahlen nichts anfangen können. In der Snowboardgemeinde war White nach diesem Lauf die Anerkennung sicher. "Seine Tricks waren echt cool", sagte auch Hirano. White hielt dem Druck stand und bekam 97,75 von maximal 100 möglichen Punkten. "Ich wusste vor dem Lauf, dass ich es in mir habe", sagte der Superstar.

Die "fliegende Tomate" weint

Als White seinen Lauf beendet hatte, verzichtete er auf allzu gestenreiche Reaktionen. Nach dem ersten Lauf und 94,25 Punkten hatte er noch seinen Helm vom Kopf gerissen, weggeworfen und mit ausgestreckten Armen gejubelt. In dem Wissen, als erster Snowboarder überhaupt in der Geschichte zur dritten Goldmedaille gefahren zu sein, fasste er sich nach dem entscheidenden Lauf an den Helm und wirkte eher ungläubig denn euphorisch. Später ließ er sich dann eine amerikanische Flagge reichen, umarmte mit Tränen in den Augen seinen Trainer JJ Thomas und stand mit den Stars and Stripes als Umhang allein in der Röhre.

White hat schwierige Jahre hinter sich. Bis zu den Spielen in Sotschi 2014 galt der 15-fache X-Games-Sieger als unantastbar. Einer, der die Szene mit seinem Hang zu Arroganz spaltete. Die "fliegende Tomate", wie er früher wegen seinen wehenden roten Haaren genannt wurde, trennte sich vor den Spielen in Russland von seinem Markenzeichen - und musste mit Platz vier erstmals in seiner Karriere einen Rückschritt verkraften. White, der Dominator, war plötzlich schlagbar.

Es folgten eine Auszeit sowie eine intensivere Arbeit mit der Indie-Rockband "Bad Things", deren Gitarrist White noch heute ist. Die ehemalige Schlagzeugerin der Band, Lena Zawaideh, hatte White 2016 sexuelle Belästigung vorgeworfen. Man einigte sich außergerichtlich, doch kurz vor den Spielen in Pyeongchang wurden die Vorwürfe im Zuge der #MeToo-Debatte in den USA wieder aufgegriffen. Was ihn unter anderem zurück in den professionellen Sport trieb, könnte für White noch Konsequenzen haben.

2020 in Tokio auf dem Skateboard?

An ein Karriereende will White noch nicht denken. Stattdessen überlegt er, zurück zu seinen Wurzeln zu gehen. In Kalifornien geboren, drehte er auf dem Skateboard seine ersten Runden und begann erst im Alter von sieben Jahren mit dem Snowboardfahren. 2020, bei den Sommerspielen in Tokio, wird Skateboard olympisch, dann könnte White dabei sein. Und auch die Winterspiele 2022 in Peking will er noch nicht ausschließen, mit dann 35 jJahren dürfte der Kampf gegen die junge Generation noch anspruchsvoller werden.

Dann ist vielleicht auch der im Phoenix Snow Park spektakulär gestürzte 16-jährige Yuto Totsuka wieder dabei. Der Japaner fiel aus fünf Metern Höhe mit dem Brett auf die Umrandung der Halfpipe, konnte sich nicht mehr halten und blieb nach dem Sturz auf den Rücken zunächst liegen. Totsuko konnte sich dann doch selbst aufsetzen, musste aber mit dem Rettungsschlitten abtransportiert werden. Er wurde für Untersuchungen ins Krankenhaus gebracht, über die Schwere der Verletzungen ist noch nichts bekannt.

Was ein schwerer Sturz bedeuten kann, weiß auch White. Er wurde im vergangenen Oktober nach einem Unfall in Neuseeland mit 62 Stichen genäht und schaffte die Qualifikation für Pyeongchang erst im letztmöglichen Wettbewerb. Spannung ist bei White garantiert.

insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
vernunft.vor.ideologie 14.02.2018
1. Legende?
Ist es nicht ein bisschen gewagt, hier von einer Legende zu sprechen? Dafür ist diese Mode- und Fun-Sportart noch nicht lange genug im olympischen Programm. Legenden Status haben eher Wintersportler wie z.B. Ole Einar Bjørndalen, Bjørn Dæhlie oder auch Claudia Pechstein, die alle über einen längeren Zeitraum konstant in der Weltspitze erfolgreich waren.
Charly de Gohl 14.02.2018
2. Shaun White ist eine Legende
Zitat von vernunft.vor.ideologieIst es nicht ein bisschen gewagt, hier von einer Legende zu sprechen? Dafür ist diese Mode- und Fun-Sportart noch nicht lange genug im olympischen Programm. Legenden Status haben eher Wintersportler wie z.B. Ole Einar Bjørndalen, Bjørn Dæhlie oder auch Claudia Pechstein, die alle über einen längeren Zeitraum konstant in der Weltspitze erfolgreich waren.
Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch an Shaun White für einen fast perfekten Lauf und das dritte Olympiagold. Schade, dass der erste Beitrag wieder negativ ist und die Leistungen dieses Ausnahmetalents in Frage stellt. Sicher ist Shaun White eine Legende. Der Mann dominiert seit 15 Jahren diese Disziplin. Er war schon da, bevor Halfpipe olympisch wurde.
Slater73 14.02.2018
3. Halloooo
Was soll den Olympia mit Legendenstatus zu tun haben? White ist in der Snowboard und Skateszene längst eine Legende. Genau wie ein Shaun Palmer oder ein Terje Haakonsen in den 90ern. Und die waren nie an Olympia. Wahrscheinlich hätten sie auch nicht teil genommen, selbst wenn sie gekonnt hätten. Damals waren FIS und Olympia sowas wie der Antichrist aller Snowboarder. Dominique Perret ein Schweizer Skifahrer, gilt als der vielleicht beste Freerider aller Zeiten und hat in seinem Leben kein einziges internationales Rennen bestritten. Trotzdem ist er in der Szene eine absolute Legende und Ikone!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.