Kenias erste Winter-Olympiateilnehmerin "Ich mag nicht, wenn man mich Exotin nennt"

Sabrina Simader ist in Kenia geboren und vertritt ihr Land als Skifahrerin bei den Olympischen Spielen. Wer mit ihr spricht, wird von ihrem österreichischen Dialekt überrascht.

Sabrina Simader
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Sabrina Simader

Aus Pyeongchang berichtet


"Ich mag es nicht, wenn man mich Exotin nennt." Bei Sabrina Simader hört man unverkennbar, dass sie in Österreich aufgewachsen ist. Dort lebt sie auch immer noch.

Sie spricht steirischen Dialekt, ist eine Frohnatur, lächelt ihre Gesprächspartner an und weiß um ihre Sonderstellung im internationalen Ski-Zirkus. Denn Simader wurde in Kenia geboren, hat eine kenianische Mutter und wirkt neben den Mikaela Shiffrins und Lindsey Vonns dieser Welt wie eine - nein, sie will ja eben nicht als Exotin bezeichnet werden. Sondern als ernsthafte Skiläuferin wahrgenommen werden.

Am Samstag wird sie bei den Winterspielen von Pyeongchang zum zweiten Mal an den Start gehen - wie immer in einem Rennanzug mit Leopardenmuster. Der Super-G (3 Uhr MEZ, Liveticker SPIEGEL ONLINE) ist ihr viel wichtiger als der Riesenslalom, bei dem Simader nach Platz 59 im ersten Lauf sowie 12,65 Sekunden Rückstand auf die Spitze im zweiten Durchgang stürzte und kurzzeitig sogar um ihr zweites Rennen bangen musste. Die 19-Jährige fühlt sich in den Speed-Disziplinen wohler, hat allerdings noch nicht das Niveau für ein Startrecht in der Abfahrt erreicht.

Team Kenia: Sabrina Simader
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Team Kenia: Sabrina Simader

Das erste emotionale Erlebnis ihrer olympischen Karriere hatte Simader bereits bei der Eröffnungsfeier. Als erste kenianische Athletin überhaupt bei Winterspielen und als einzige in Pyeongchang durfte sie ihr Land als Fahnenträgerin repräsentieren. Vor der Skiläuferin hatte bisher nur Langläufer Philip Boit dreimal an Winterspielen teilgenommen. "Ich bin richtig stolz", sagte sie im Anschluss an die Eröffnung im Olympiastadion. Besonders lustig sei es gewesen, als Ein-Frau-Team direkt hinter Kanada einzulaufen, mit 227 Teilnehmern die zweitgrößte Mannschaft in Südkorea.

"Für mein Heimatland bedeutet meine Teilnahme sehr viel", sagte Simader nach dem Riesenslalom. "Das ist für viele eine Überraschung, aber die Leute stehen voll hinter mir."

Von Kenia über die Steiermark nach Südkorea

Im Alter von drei Jahren führte Simaders Weg von Kenia nach Österreich. Mit Mutter Sarah und Stiefvater Josef ging es in die Steiermark und wenig später stand sie das erste Mal auf Skiern. Eine Liebe auf den ersten Blick soll es nicht gewesen sein, aber sie machte schnell Fortschritte und wurde von ihrem inzwischen verstorbenen Vater am eigenen Lift trainiert. Der Weg führte sie später in die Skihauptschule Schladming, wo sie sich voll auf ihre Leidenschaft konzentrieren konnte.

Anders als Kim Ryon Hyang aus Nordkorea, die sich sportlich nicht für Pyeongchang hatte qualifizieren können und im Riesenslalom noch einmal über 16 Sekunden langsamer war als Simader, kann die Kenianerin seit 2014 auf viele internationale Ergebnisse verweisen. So schaffte sie es in Abwesenheit der besten Läuferinnen bei den Deutschen Alpinen Meisterschaften in der Abfahrt auf den siebten Platz, debütierte 2017 im Weltcup und qualifizierte sich über die Weltmeisterschaften in St. Moritz für die Spiele in Südkorea.

"Ich war vor fünf Jahren das letzte Mal in Kenia", sagt sie, was vor allem an den Reisestrapazen liegt. Schwierig gestaltet sich auch der Kontakt mit dem Nationalen Olympischen Komitee. Simader muss alle Kosten selber tragen, aus Kenia erhält sie keine Unterstützung. Eine Anfrage des SPIEGEL beim NOK blieb bisher unbeantwortet. So startete sie eine Crowdfunding-Initiative, um die Reise nach Pyeongchang zu finanzieren. Und tatsächlich, im Laufe der Spiele wurde das Ziel in Höhe von 11.111 Euro erreicht.

Olympische Spiele waren und sind Simaders "großer Traum". Womöglich wird sie schon in vier Jahren in Peking nicht mehr als Sportlerin mit dem E-Wort wahrgenommen.

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