Teamwettbewerb im Skispringen Zwölf tollkühne Männer

Die anderen neun Nationen hätten gar nicht antreten müssen: Norwegen, Deutschland und Polen haben auf der Großschanze ihren eigenen Wettbewerb veranstaltetet.

Siegerpodium beim Teamspringen
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Siegerpodium beim Teamspringen

Aus Pyeongchang berichtet


In der Formel 1 gilt es für die Top-Fahrer als Höchststrafe, wenn sie bei einem Rennen vom Sieger überrundet werden. So oder so ähnlich müssen sich die Springer aus Finnland, Russland und Japan gefühlt haben.

Acht Sprünge absolvierte jedes Team, Olympiasieger Norwegen hätten am Ende nur sieben gereicht, um vor diesem Trio zu landen. Zum Glück waren mit Deutschland und Polen aber auch zwei nahezu gleichwertige Mannschaften am Start, die dem Favoriten alles abverlangten.

Norwegen gewann in der Besetzung Daniel-André Tande, Andreas Stjernen, Johann André Forfang und Robert Johansson die Goldmedaille, weil das Team in beeindruckender Konstanz keinen Sprung unter 132 Meter zeigte. Damit führt Norwegen auch den Medaillenspiegel mit nun elf Goldmedaillen an.

Silber ging in einem Zitterfinale an Deutschland, weil Schlussspringer Andreas Wellinger mit einem Satz auf 134,5 Meter den knappen Rückstand auf Polen aufholte. Kamil Stoch sprang im Anschluss zwar genauso weit, hatte aber Probleme mit der Landung, so fiel Polen noch um 3,3 Punkte hinter Deutschland zurück.

Karl Geiger, Stephan Leyhe, Richard Freitag und Andreas Wellinger (v.l.n.r.)
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Karl Geiger, Stephan Leyhe, Richard Freitag und Andreas Wellinger (v.l.n.r.)

"Nach Andis Sprung haben wir anderen gesagt: 'Wir haben Silber'", sagte Richard Freitag: "Den muss der Kamil erst mal runterbringen."

Bronze ging an das polnische Team mit Stoch, Maciej Kot, Stefan Hula und Dawid Kubacki. "Es war so eng beieinander, die Farben der Medaillen könnten ineinander übergehen", sagte Freitag.

Freitag fühlt mit Eisenbichler

Im deutschen Team konnte Stephan Leye nicht ganz an das Niveau seiner Mannschaftskollegen Wellinger, Freitag und Karl Geiger heranreichen. Der Ersatz für den in den Einzelspringen eingesetzten Markus Eisenbichler sprang 128 und 129 Meter - konstant und beachtlich nach so langer Wartezeit, aber eben nicht weit genug, um Norwegen zu gefährden.

Freitag konnte besonders mit Eisenbichler mitfühlen, der nun ohne Medaille nach Hause fährt. Der 26-jährige Freitag, der nach seinem Sturz bei der Vierschanzentournee nicht mehr an die exzellente Form der Wochen davor anknüpfen konnte, hatte vor vier Jahren beim Team-Olympiasieg in Sotschi die Rolle des Ersatzmanns inne. "Ich kann nur den Hut ziehen, mir ist es damals schwerer gefallen, mich in die Rolle einzufinden", sagte Freitag.

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Pyeongchang 2018: Alle deutschen Medaillengewinner

Nach dem ersten Durchgang hatte die deutsche Mannschaft sogar noch Tuchfühlung zu Norwegen. Gerade mal 2,1 Punkte betrug der Rückstand, doch dann kam der an diesem Abend überragende Tande und sorgte mit der Tagesbestweite von 140,4 Meter für die Vorentscheidung. "Wir waren voll auf Angriff unterwegs", sagte Freitag, "aber letztlich war Norwegen zu stark." Das galt auch für das österreichische Team, das erstmals seit 2002 Olympische Spiele ohne Skisprung-Medaille abschließt.

"Schöner Traum"

Umso zufriedener kann das deutsche Team sein. Mit Gold und Silber für Wellinger in den Einzelspringen, Silber in der Mannschaft und einer weiteren Silbermedaille für Katharina Althaus verdoppelte das Team von Bundestrainer Werner Schuster die Ausbeute aus Sotschi. "Wenn mir einer gesagt hätte, dass ich hier mit drei Medaillen nach Hause fahre", sagte Wellinger zu seiner persönlichen Ausbeute, "dann hätte ich gesagt: 'schöner Traum'".

Medaillenspiegel 2018
Platz
Land
Gesamt
1
Norwegen
14
14
11
39
2
Deutschland
14
10
7
31
3
Kanada
11
8
10
29


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