Snowboard-Finale bei Olympia Spektakel im Schatten

Snowboard bietet Show, Rasanz und moderne Helden. In Deutschland tut sich die Sportart im alpinen Schatten schwer. Mit dem Ruhm für Ester Ledecká soll alles besser werden - doch spielen die TV-Sender mit?

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Aus Pyeongchang berichtet


"Super-G scheint ja nicht so schwer zu sein." Es war nur ein Scherz des deutschen Snowboarders Patrick Bussler im Vorfeld seiner vierten Teilnahme an Olympischen Winterspielen. Doch der Scherz stand exemplarisch für den Konflikt zwischen alpinen Skifahrern und Snowboardern, der durch Ester Ledeckás Sieg im Super-G neue Nahrung erhalten hat. Da kommt eine Boaderin daher und nimmt den Spezialistinnen die Goldmedaille weg.

Auf der einen Seite stehen die alpinen Veteranen, die in Europa wegen ihrer langen Historie und guter TV-Präsenz den Markt bestimmen, auf der anderen Seite fristen die coolen Snowboarder bis auf wenige Ausnahmen ein Schattendasein. "Am Samstag werden einige Augen mehr auf die Ester, aber eben auch auf unseren Wettbewerb gerichtet sein", sagt Deutschlands Medaillenhoffnung Selina Jörg vor dem Parallel-Riesenslalom (1 Uhr MEZ; Liveticker SPIEGEL ONLINE), bei dem Ledecká zu den großen Favoritinnen zählt.

Im Parallel-Riesenslalom fahren zwei Athleten oder Athletinnen im direkten Duell gegeneinander, der Zuschauer sieht sofort, wer weiterkommt. "Die Parallel-Wettbewerbe, egal ob Slalom oder Riesenslalom, haben sich zuschauertauglich entwickelt", sagt Jörg im Gespräch mit dem SPIEGEL. "Es gibt keinen zweiten Lauf mehr und die Events sind insgesamt deutlich kürzer. Wir bieten Spektakel und knappe Entscheidungen."

Ein Vorteil gegenüber den noch etwas neueren Wettbewerben wie Slopestyle oder Big Air, wo das Raunen ob der gewaltigen Sprünge riesig ist, die Entscheidungen der Jury für die Zuschauer aber schwer nachvollziehbar sind. "Die Transparenz ist kein Grund für fehlende Anerkennung", sagt Anke Wöhrer, Silbermedaillengewinnerin im Parallel-Slalom in Sotschi 2014 und in Pyeongchang im Riesenslalom am Start. "Das stört im Eiskunstlauf seit 100 Jahren niemanden."

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Olympia 2018: Brett und Spiele

"30-sekündige Zusammenfassung reicht nicht"

Mittlerweile hat auch die alpine Zunft das parallele Format für sich entdeckt - mit neidvoll anerkanntem Erfolg. "Wenn Skifahrer ein Parallel-Event machen, finden es plötzlich alle toll. Die TV-Zuschauer sagen dann, was für ein tolles Format - und wir Snowboarder denken: 'das fahren wir schon seit zehn Jahren'", sagt Wöhrer.

Apropos TV-Zuschauer: Die deutschen Snowboarderinnen fordern ein Umdenken in Bezug auf die Schwerpunkte der übertragenden Sender ARD und ZDF. "Eine 30-sekündige Zusammenfassung am Abend reicht einfach nicht", sagt Wöhrer. "Man muss dem gesamten Event die Chance geben, sich zu zeigen."

Am mangelnden Erfolg kann es nicht liegen. "Amelie Kober hat bei Olympia und Weltmeisterschaften fünf Medaillen gewonnen", hält Jörg ein Plädoyer für ihre Sportart. "Isabella Laböck war Weltmeisterin, wir haben jetzt auch Erfolg." Wir, das sind neben Jörg und Wöhrer noch Carolin Langenhorst und Ramona Hofmeister, die allesamt eine Medaille im Blick haben - im Erfolgsfall ein sehr wichtiger Faktor für die weitere Förderung durch den DOSB. "Wenn wir weiter so erfolgreich sind und die TV-Zeiten etwas mehr werden, könnte es auch in Deutschland funktionieren", sagt Hofmeister.

Sind die TV-Zuschauer zu alt für Snowboard?

In Pyeongchang funktionieren die Snowboard- wie auch die Freestyle-Skiing-Wettbewerbe bereits sehr gut. Der Phoenix Snow Park mit seinen gigantischen Pisten und spektakulären Sprungschanzen ist bei den Entscheidungen stets gut gefüllt. Anders als bei den alpinen Veranstaltungen, wo einige Spitzenfahrer die verhaltene Stimmung monierten. "In Asien ist Snowboarden viel größer", sagt Wöhrer, die mit dem gesamten Team erst spät angereist ist und die Stimmung bisher nur am Fernseher wahrnehmen konnte.

Doch sagen die Schwerpunkte von ARD und ZDF nicht viel mehr etwas über den Zuschauer mit einem Durchschnittsalter jenseits der 50 aus? "Was man selber machen kann, das will man auch sehen", vermutet Wöhrer. "Skifahren und Langlaufen kann theoretisch jeder, also will es jeder sehen. Oder man schaut etwas an, was total weit weg ist. Beispiel Skispringen, das kann niemand."

Superstars wie Shaun White müssen ohnehin nicht auf TV-Anteile schauen. "Die wirklich guten Athleten vermarkten sich so gut über die sozialen Kanäle, die brauchen das nicht", sagt Wöhrer. Hofmeister will mit einem Food-Blog in eine ähnliche Richtung gehen, doch das Fazit fällt bei allen ähnlich aus: "Es bewegt sich zäh", sagt stellvertretend Wöhrer.

Gold für Deutschland in einem Duell mit Ledecká wäre die perfekte Werbung.



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yang0815 23.02.2018
1. Publikum ≠ Zielgruppe
Ein normaler Skifahrer fährt mit normalen Skiern den Berg hinunter. Auf den ersten Blick das gleiche Material wie die Rennläufer. Ein guter Skifahrer kann auch so fahren wie die Profis, nur nicht so schnell/sicher/präzise. Im Parallelslalom fahren die Snowboarder mit Alpinboards, positivem Bindungswinkel und mit Hardboots (ähnlich Skischuhen). Die große Masse der Snowboarder fährt aber mit weichen Freestyleboards, Softboots und Duckstance. Letzteres macht nur Sinn in der Halfpipe und bei Big Air, das traut sich der Normalsterbliche wiederum nicht. Das bedeutet also, für die Skifahrer ist Snowboarden nicht interessant und die Masse der Snowboarder kann mit den diversen Snowboard-Events sich auch nicht identifizieren. Dazu kommt dass die Freestyle Boards für die Piste völlig unpassend sind, die sind eben für Tricks optimiert. Das Ergebnis ist dass 90% der Hobbyfahrer im wahrsten Sinn "herumrutschen". Dann also lieber Ski nehmen. Selbst im Funpark ist man inzwischen mit Skiern besser dran. Oder anders gesagt, wie würden die Einschaltquoten beim Skifahren aussehen, wenn auf der Piste alle, aus einem unerfindlichen Grund, mit 10cm breiten Twin Tip Rocker Skiern unterwegs wären? Nur mit so einem Material unterrichtet werden würde? Und sich wundern dass man damit nur rumrutscht aber nicht fährt? Ich hätte vermutet, sehr gering, weil 1) man sich nicht damit identifiziert und 2) immer mehr Leute mit so einem Material die Lust am selber fahren verlieren würden. Genau das passiert(e) beim Snowboarden. So fährt man mit einem Alpinboard https://youtu.be/4Vl-DzZ0KzA?t=1m21s Community von Carving Enthusiasten https://www.frozen-backside.de/wbb411/wcf/
ridr 23.02.2018
2.
Olympisches Snowboarden ist dem Skiverband untergeordnet und ist da das ungeliebte, ungewollte, schwarze Schaf das nur aus strategischen Gründen mitgeschleppt wird (um eine mögliche Konkurrenz zu unterbinden). Da zudem das Interesse des TV am alpinen Skisport schwindet will die FIS nicht auch noch Sendezeit an die Snowboarder verlieren - wo btw. zudem das Interesse insgesamt am alpinen Wintersport schwindet auf Grund von seit Jahrzehnten um jährlich 4-5% steigenden Ticketpreisen. Die Hardboot/ Race Fraktion ist zudem auf ziemlich verlorenen Posten weil auch innerhalb der Snowboardszene Exoten. Der carving- Trend, der vom snowboarden auf die Ski übergesprungen ist kommt nun auch wieder vehement zum snowboard zurück, aber auf hardboots hat niemand mehr Lust. Das ist wie mit einem DTM- Rennwagen in der Innenstadt Autofahren - unbequem, überflüssig und peinlich.
nilsinger 23.02.2018
3. Was ist geiler?
Ich bin Snowboarder, habe vor 27 Jahren von Ski aufs Brett gewechselt. Jeder soll doch bitte das machen, wozu er Lust hat. Die Frage ist doch die, was machen ARD und ZDF? Als der spannende Halfpipewettbewerb lief, da wurde Curling (ohne deutsche Beteiligung) gezeigt. Zur Krönung wurde dann, als ernst wurde mit dem entscheidenden 3. Lauf zu einem abgesagten Skirennen geschaltet. Am meisten Zuschauer vor Ort hatte der Snowboardwettbewerb. Der Zuschauer hatte für sich entschieden, was „geiler“ ist. Der Beitragsfinanzierte Sender hat dies außer Acht gelassen. Zum Glück konnte ich auf CBS ausweichen. Wie soll das weitergehen?
m_a_t_z_e 23.02.2018
4. Fernsehrechte
Natürlich ist es schade, dass die Snowboardwettkämpfe, aber übrigens auch das erwähnte Eiskunstlaufen nicht live im TV gezeigt wurden. Das hängt aber weniger mit dem Desinteresse der Programmverantwortlichen bei ARD und ZDF zusammen als mit den exklusiven Rechten von Discovery. Die haben im übrigen auch dafür gesorgt, dass die Entscheidungen in diesen beiden Sportarten zur besten Sendezeit in den USA laufen, bei uns also mitten in der Nacht.
wallaceby 24.02.2018
5. Worüber beschweren sie sich eigentlich...?
Zitat von ridrOlympisches Snowboarden ist dem Skiverband untergeordnet und ist da das ungeliebte, ungewollte, schwarze Schaf das nur aus strategischen Gründen mitgeschleppt wird (um eine mögliche Konkurrenz zu unterbinden). Da zudem das Interesse des TV am alpinen Skisport schwindet will die FIS nicht auch noch Sendezeit an die Snowboarder verlieren - wo btw. zudem das Interesse insgesamt am alpinen Wintersport schwindet auf Grund von seit Jahrzehnten um jährlich 4-5% steigenden Ticketpreisen. Die Hardboot/ Race Fraktion ist zudem auf ziemlich verlorenen Posten weil auch innerhalb der Snowboardszene Exoten. Der carving- Trend, der vom snowboarden auf die Ski übergesprungen ist kommt nun auch wieder vehement zum snowboard zurück, aber auf hardboots hat niemand mehr Lust. Das ist wie mit einem DTM- Rennwagen in der Innenstadt Autofahren - unbequem, überflüssig und peinlich.
Aus gesicherter Erfahrung auf so gut wie allen Skigebieten dieser Welt, sind doch 99 % aller Snowboarder genau die Fraktion auf Pisten oder auch abseits davon, die ihr "Material" am allerwenigsten beherrschen. Als guter Freizeit-Skifahrer, der das auch schon seit Kindesbeinen an macht, kann man heutzutage mit einer "normalen" Ausrüstung eine Fahrdynamik auf Carvingski-Brettern erleben, von dem der "normale Snowboarder" doch nur träumen kann! Es ist für mich immer wieder erschreckend, wie viele von den ganz jungen und nicht mehr ganz so jungen Boarder buchstäblich immer nur rumrutschen und schlimmer noch, meistens irgendwo rumliegen- bzw. lungern, weil man sich im "Fun-Modus" befindet. Dabei aber leider sehr oft gute Skifahrer vergrault. Das Image von Snoboardern ist bei den meisten meiner Bekannten, die ebenfalls allesamt sehr gute Skifahrer sind, nicht besonders gut. Trotz der Bereitschaft auch auf diese Hobbysportler Rücksicht zu nehmen. Wer sein Gerät einfach nicht beherrscht, und sich dann trotzdem immer "benachteiligt" gegenüber den Alpinen fühlt, ist schon auch zu einem gewissen Teil selbst mit schuld! Ich habe mir vorhin den Frauen-Parallel-Slalom angesehen, bei dem für Deutschland Silber und Bronze heraussprang. Beim Zusehen möchte man die Fahrerinnen förmlich mit einem imaginären Gummiband "beschleunigen", weil im gesamten Bewegungsablauf sowie in der Brettbeherrschung selbst bei diesen Spitzenfahrerinnen eine sichtbare Unruhe herrscht, die auch von einer Doppelolympiasiegerin wie der Ledecka aus Tschechien nicht kaschiert werden kann. Die Dynamik auf dem Single-Brett lässt somit auch bei einem Speedwettbewerb einfach total zu wünschen übrig! Man kann es sehen! Boarder sollen ihre "Funwettbewerbe" wie Halfpipe oder Big-Air ruhig machen. Der "normale" Snowboarder wird mit diesen absoluten Akrobaten aber leider so gut wie NICHTS gemeinsam haben! Und genau das ist der Vorteil beim alpinen Skifahren: man kann als Normalo eben schon genau nachempfinden, was bei den Weltklassesportlern dort so abgeht! So sieht jedenfalls meine Erklärung zu den Unterschieden dieser beiden Sportarten aus.
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