Eisschnelllauf-Star Sven Kramer König auf Kufen

Eisschnellläufer Sven Kramer ist einer der Superstars der Olympischen Winterspiele. Über 10.000 Meter will der Niederländer seine mittlerweile fünfte Goldmedaille gewinnen. Er hat eine Rechnung offen.

Eisschnelllauf-Star Sven Kramer
VALDRIN XHEMAJ/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Eisschnelllauf-Star Sven Kramer

Aus Pyeongchang berichtet


Das Dörfchen Oudeschoot ist ein Nest im niederländischen Friesland, hier leben 1580 Einwohner, platter kann das Land nicht sein. An Pfingsten gibt es einen Viehmarkt, der Höhepunkt des Jahres.

Eigentlich hat nichts darauf hingewiesen, dass hier einmal ein König aufwachsen wird.

Die Rede ist von Sven Kramer aus Oudeschoot, 31 Jahre alt, 28 Weltmeistertitel, acht olympische Medaillen, vier davon haben die Farbe Gold. Am Donnerstag soll die fünfte dazukommen (12 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE, hier finden Sie den Zeitplan der Winterspiele).

Wenn Sven Kramer Hof hält, reisen sogar andere Könige an. Willem Alexander und Gattin Maxima sitzen regelmäßig auf der Tribüne, wenn der niederländische Eislaufheld im Oval seine Runden dreht. Am Sonntag in Pyeongchang war wieder so ein Feiertag für Willem Alexander. 5000 Meter der Männer, den Wettbewerb hat Kramer 2010 in Vancouver gewonnen, 2014 in Sotschi auch. 2006 in Turin holte er Silber. Nun folgte der dritte Gold-Streich.

Beckert wirkte gegen ihn wie ein Anfänger

Noch nie hat jemand im Eisschnelllauf bisher drei Mal über die gleiche Strecke bei Olympischen Spielen triumphiert. Kramer lief wie ein Wahnsinniger, sein Gegner, der bedauernswerte Deutsche Patrick Beckert, eigentlich auch ein Weltklassemann, sah gegen ihn aus wie ein Anfänger.

Kramer lief gegen die Zeit des Kanadiers Ted-Jan Bloemen, ein gebürtiger Niederländer, der Kramer den Weltrekord über 10.000 Meter weggenommen hat. So etwas duldet König Sven nicht. Er pulverisierte Bloemens Bestzeit. Kramer sagt selbst, er könne sich an einer Silbermedaille nicht erfreuen, er ist verbissen in seinem Ehrgeiz. Im Mannschaftskreis spielen sie nicht mehr Karten mit ihm, weil er nicht verlieren kann.

Als Kramer im Ziel war, erneut Olympiasieger, machte er die berühmte Siegerpose von Usain Bolt. Das ist die Liga, in der Kramer spielt. Usain Bolt, Lindsey Vonn, Roger Federer - die Liga der Superstars.

Sven Kramer
AP

Sven Kramer

Nie gab es im Schaatsen-Land Niederlande (Schaatsen = Schlittschuhe) einen Größeren als ihn. In Holland kennt ihn jedes Kind, seine Beziehung mit der Hockey-Olympiasiegerin Naomi Van As sorgt dafür, dass er es auch in die Klatschblätter geschafft hat. Aber Kramer ist kein Glamour-Boy, er will eigentlich nur: eislaufen. Vor allem aber will er: gewinnen. 2011 munkelte man schon von seinem Karriereende, als er sich mit einer hartnäckigen Verletzung herumschlug. Sieben Jahre später ist Kramer immer noch da, und er ist immer noch der Beste.

Schon sein Vater war ein guter Läufer. Yep Kramer nahm 1980 und 1984 sogar an den Olympischen Spielen teil, die Sportkarriere war dem Sohn fast in die Wiege gelegt. Aber bis er 16 war, spielte Sven Kramer bei den Junioren eher eine Nebenrolle. Er war einer von vielen, die in Friesland eischnelllaufen. Fünf Jahre später war er Weltrekordinhaber.

Das Drama von Vancouver

Wer von Sven Kramer spricht, muss von seinen Trainern reden. Der eine Coach, Gerard Kemkers, machte ihn groß. Kemkers und Kramer - das war ein Traumduo, sie eilten von Erfolg zu Erfolg. Bis dem Trainer bei den Winterspielen in Vancouver 2010 jener legendäre Fehler unterlief, seinem Schützling beim 10.000-Meter-Rennen die falsche Bahn zuzuweisen. Kramer lief schneller als alle anderen, wie immer. Aber es war nichts wert. Er wurde disqualifiziert, Kemkers hatte ihn um Gold gebracht. Das Traumduo ging später auseinander. Kemkers gehört heute zum Trainerstab der niederländischen Fußballnationalmannschaft. Man kann nicht sagen, dass er sich verbessert hat. (Hier lesen Sie einen Text zur Lage des niederländischen Fußballs.)

Gerard Kemkers weist Sven Kramer die falsche Bahn zu (2010)
REUTERS

Gerard Kemkers weist Sven Kramer die falsche Bahn zu (2010)

Sein heutiger Trainer ist Jac Orie, mittlerweile zum Ritter des Ordens Oranje-Nassau geschlagen durch Willem Alexander. Orie hat es geschafft, bei fünf folgenden Winterspielen jeweils einen Olympiasieger zu formen, bei der Männer-WM im Vorjahr haben seine Schützlinge alle möglichen Männertitel abgeräumt. Die WM fand in Gangneung, Südkorea statt. Dort wo jetzt die Goldmedaillen vergeben werden.

Orie ist der Cheftrainer des privat finanzierten Eisschnelllauf-Teams Lotto NL Jumbo. Die Mannschaft hieß früher mal Rabobank und sponsert zudem auch den Radsport. Bis all die Dopingfälle öffentlich wurden und Rabobank sich umbenannte. Nun wandte man sich zusätzlich dem Eisschnelllauf zu. Es gibt genug Leute, die glauben, dass man die Vergangenheit nicht wirklich aufgearbeitet hat. Aber bisher ist Lotto NL Jumbo nicht positiv aufgefallen. Als Oranje vor vier Jahren in Sotschi fast alles gewann, was es zu gewinnen gab, hat die Konkurrenz geargwöhnt. Mehr ist aber nicht passiert.

Am Donnerstag (12 Uhr MEZ) steht das 10.000-Meter-Rennen an, die Königsetappe, wenn man im Radsport-Bild bleiben möchte. Die Strecke, auf der Kramer in Vancouver 2010 das Wechsel-Desaster ereilte. Vor vier Jahren in Sotschi hat natürlich ein Niederländer gewonnen. Aber es war Jorrit Bergsma. Nicht Sven Kramer. Für den König blieb nur Silber.

Wehe, das passiert noch einmal.



insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
mwroer 15.02.2018
1.
"Aber bisher ist Lotto NL Jumbo nicht positiv aufgefallen." Sollte da nicht eher 'nicht negativ' stehen oder soll das ein witziges Wortspiel in Bezug auf 'positiv getestet' sein?
realpress 15.02.2018
2. Beste Peter Ahrens
Leuk artikel over Sven en dan schrijft u : "In Holland kennt ihn (Sven Kramer) jedes Kind". In Zuid- of in Noord Holland ? Groetnis uit Friesland
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