Olympisches Gold im Doppelsitzer Die Pfundskerle

Gold für Wendl und Arlt, Bronze für Eggert und Benecken: Die deutschen Doppelsitzer haben auch bei diesen Winterspielen die Konkurrenz beherrscht. Der Bundestrainer warnt trotzdem.

Tobias Wendl (l.) und Tobias Arlt
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Tobias Wendl (l.) und Tobias Arlt

Aus Pyeongchang berichtet


Die olympische Geschichte dieses Wettbewerbs ist eine Sieger-Geschichte voller deutscher Doppelnamen: Rinn/Hahn, Stangassinger/Wembacher, Krauße/Behrendt, Hoffmann/Pietzsch, Leitner/Resch, Wendl/Arlt. Kernige Typen zumeist, Pfundskerle würde man sie wohl nennen, stämmige Burschen, abwechselnd aus Bayern oder aus Sachsen und Thüringen, von dort, wo die deutschen Ingenieure ihnen die Kunsteisbahnen hingesetzt haben.

In diese Ahnentafel des Rodel-Doppelsitzers hätten sich auch gerne Eggert/Benecken eingraviert. Toni Eggert und Sascha Benecken haben in diesem Jahr den Weltcup dominiert, sie haben sechs Siege eingefahren, sind der Konkurrenz um Zehntel davon gerodelt. Aber bei dem Wettkampf des Jahres, beim olympischen Doppelsitzer von Pyeongchang, da waren ihre alten Rivalen aus Bayern doch wieder besser. Tobias Wendl und Tobias Arlt haben ihren Triumph von Sotschi wiederholt. Die Haudegen haben es der Konkurrenz aus dem eigenen Land noch einmal gezeigt. Für Benecken und Eggert blieb aber immerhin Bronze hinter den starken Österreichern Peter Penz und Georg Fischler.

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"Wir sind entspannter herangegangen als vor vier Jahren, schließlich hatten wir unsere Goldmedaille schon in der Vitrine", sagte Wendl. Den Vorteil hatten sie ihren internen Rivalen voraus, und der entschied den Wettbewerb. Wendl und Arlt, die beiden Tobiasse, die unter dem heutigen Bundestrainer Norbert Loch in Bayern die Kunst gelernt haben, den Schlitten kraftvoll und gleichzeitig sanft durch den Eiskanal zu steuern - sie waren mit der Außenseiterrolle offenbar bestens bedient. Benecken dagegen gab zu, dass der Erfolg der Saison "auch den Druck hat steigen lassen".

Neun von zwölf Goldmedaillen gingen an Deutschland

Von den zwölf vergangenen Olympiatiteln im Doppelsitzer gingen neun an den Deutschen Bob- und Schlittensportverband. Eigentlich könnte man auf den Wettkampf auch verzichten und die Medaillen gleich an die Verbandszentrale nach Berchtesgaden schicken. Kein anderes Land hat so ein Know-how zur Verfügung, in keinem anderen Land wird der Sport so subventioniert wie hierzulande, wo der Nachwuchs schon auf vier verschieden teuren Eisbahnen trainieren kann.

Bundestrainer Norbert Loch hatte dennoch seiner Unzufriedenheit Ausdruck verliehen. Die deutschen Trainer würden, gemessen an dem, was sie an Erfolgen einfahren, zu schlecht bezahlt, bemängelte er. Dies führe dazu, dass sie in anderen Ländern anheuern, um dort ihre Kenntnisse weiterzugeben.

Auf die Resultate im Doppelsitzer hat das noch keine Auswirkungen. Die härteste Konkurrenz für die Deutschen kommt nach wie vor aus Deutschland: Eggert und Benecken aus Oberhof, der Rodelhochburg im Osten, und Wendl und Arlt aus der Rodelhochburg Königsee im Westen, verlangen sich gegenseitig das Beste ab. So pushen sich die deutschen Doppelsitzer, nur nicht nachlässig werden, dann könnte ja das andere Paar die Nase vorn haben. "Die beiden haben uns sauber Druck gemacht", sagte Arlt: "Das hat uns motiviert." In dem Fall belebte Konkurrenz das Geschäft.

Im Training schon gestürzt

Vor vier Jahren in Sotschi waren Wendl und Arlt schon die Besten der Welt, Beneken und Eggert waren damals noch lange nicht so weit, sie mussten mit dem achten Platz zufrieden sein. Aber die Machtverhältnisse schienen sich in diesem Jahr verändert zu haben, im Weltcup waren die Thüringer diesmal die Stärkeren, bei Wendl und Arlt lief es gar nicht. Auch im Training ließen Eggert und Benecken keinen Zweifel, wer Gold holen sollte. Wendl und Arlt dagegen legten im letzten Training einen Sturz hin. Alles schien klar.

Aber Training und Wettkampf sind unterschiedliche Dinge, und für einen olympischen Wettkampf gilt das umso mehr. Wendl und Arlt fuhren zwei Mal den Eiskanal herunter, als würden sie täglich bei Olympischen Spielen antreten, ohne sichtbare Nervosität, während Eggert und Benecken ungewohnte Rutscher und Wackler auf ihrer Tour hatten. "Die Bronzemedaille war heute das Maximum, was wir aus eigener Kraft schaffen konnten", sagt Benecken.

Medaillenspiegel 2018
Platz
Land
Gesamt
1
Norwegen
14
14
11
39
2
Deutschland
14
10
7
31
3
Kanada
11
8
10
29

Die zwei Bayern haben jetzt insgesamt schon drei Mal Gold, am Donnerstag soll im Teamwettbewerb das vierte dazu kommen. Und Schluss ist damit noch lange nicht. "Wir wollen auf jeden Fall in vier Jahren in Peking wieder antreten", machte Arlt schon klar. Und Benecken hatte vorher bereits angekündigt: "Die Medaille von heute ist für uns eine gute Ausgangsposition für das Event in vier Jahren." Der Konkurrenzkampf Bayern gegen Thüringen geht in die nächste Runde.



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