Winterspiele von Pyeongchang Jenseits von Ruhpolding

Halbleere Tribünen, wenig Stimmung: Über die Olympischen Spiele von Pyeongchang wurde viel gemäkelt. In Europa wäre das alles anders gewesen. Wäre.

Fans bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang
AP

Fans bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang

Ein Kommentar von , Pyeongchang


Die Sache ist doch ganz einfach: Olympische Spiele, Winterspiele zumal, haben in Europa stattzufinden. Da, wo der Winter erfunden wurde. Wo Tausende mit Kuhglocken am Eiskanal stehen. Wo der Mitteleuropäer seine Skiferien verbringt. Wo die Alpen in der Abendsonne glühen und der Biathlonsport seine Heimat hat.

Aber doch nicht weit draußen in Südkorea, wo sich bei der Nordischen Kombination nur die einfinden, die sich irgendwie dorthin verlaufen und den Weg zurück zum Shuttlebus nicht mehr gefunden haben.

Das ist der europäische Blick, die First-World-Sicht sozusagen. Es gibt aber auch eine Sichtweise jenseits von Ruhpolding.

Wenn es um die Olympischen Spiele geht, stellen sich zwei Grundsatzfragen: Will man solche Spiele überhaupt noch? Und wenn man sich prinzipiell pro Olympia entscheidet - ungeachtet all der bekannten und berechtigten Gründe, grundsätzlich dagegen zu sein - wo soll man sie stattfinden lassen?

Europa war zuletzt mehrheitlich gegen die Spiele

Europa hat sich zuletzt mehrfach und eindeutig gegen die Austragung der Winterspiele entschieden. Ob im skandinavischen Oslo oder im schweizerischen Graubünden: die Argumente waren nachvollziehbar und stets ähnlich. Die Spiele sind zu teuer, die Eingriffe in die Natur zu stark, der Gigantismus passt nicht mehr in die Zeit.

Die Propagandisten von Olympischen Spielen in Europa bringen dagegen gerne das Argument ins Feld, hier seien die Sportstätten ja "alle schon vorhanden". Das ist Unsinn. Für Winterspiele, ob in Bayern oder am Holmenkollen, müssten vielleicht keine Schanzen neu gebaut werden, aber Snowboardstrecken, Freestylepisten und Eishallen für Shorttrack oder Curling.

So zu tun, als könne man Olympische Spiele mit der vorhandenen Infrastruktur stemmen, weil man seit Jahrzehnten Rodel-Weltcups ausrichtet, ist Augenwischerei. Eine solche Riesenveranstaltung in Deutschland, Österreich oder Schweden auszurichten, würde natürlich richtig teuer werden, und viele Bäume würden dafür gefällt werden.

Es waren gute Winterspiele

Pyeongchang hat ordentliche Winterspiele ausgerichtet, die Wege zwischen den Wettkampfstätten waren relativ kurz, die Logistik hat funktioniert, die Pisten und Loipen waren in sehr gutem Zustand, die Athleten fühlten sich gut aufgehoben. Das IOC wird in seinem Fazit wahrscheinlich wieder sagen, dass es die besten Winterspiele waren, die je stattgefunden haben. Das sind sie nämlich alle vier Jahre.

Leere Tribünen bei den alpinen Wettbewerben in Pyeongchang
REUTERS

Leere Tribünen bei den alpinen Wettbewerben in Pyeongchang

Auf der anderen Seite waren die Pisten und Loipen tatsächlich spärlich besucht. Und selbst beim Eiskunstlauf, eigentlich einer Lieblingssportart der asiatischen Fans, war die Halle nicht ganz voll. Wenn Lindsey Vonn und Aksel Lund Svindal die Hänge herunterrasten, sahen ihnen wenige Hundert Besucher zu. Bei Kälte und Sonnenschein, besten Bedingungen. Das war Olympia-unwürdig, und das wäre in Europa oder Nordamerika sicherlich anders.

Deswegen aber Ländern wie Südkorea die grundsätzliche Berechtigung abzusprechen, solche Spiele auszurichten, ist arrogant. Die Koreaner haben an diesen Spielen großen Anteil genommen, wenn auch nicht viele den Weg zu den Sportstätten gefunden haben. Man spürte einen gewissen Stolz darauf, dass die ganze Welt auf ihr Land blickt. In den Medien gab es kein anderes Thema als Olympia.

Und von den winterlichen Bedingungen hatte Pyeongchang in diesen Wochen mindestens so viel zu bieten wie Berchtesgaden.



insgesamt 13 Beiträge
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jujo 25.02.2018
1. ...
Mit Sicherheit wären die Spiele in der Alpenregion oder in Skandinavien besser aufgehoben gewesen. Das Problem ist nur das die Mehrzahl der Menschen dort von der Mentalität des IOC die Schnauze voll haben. Wie sieht denn die finanzielle Bilanz zu Gunsten des IOC nach den Spielen aus? Im Gegensatz für Südkorea? Die Bilanzierung für SK kann man wohl erst einige Jahre später machen, siehe Sotschi, finanziell war das eine Katastrophe. Ich sehe nicht , das sich auf absehbare Zeit ein (demokratisches !) Land in Europa findet die Spiele auszurichten. Die Norweger sind Wintersport verrückt, in Lillehammer ist alles da, trotzdem haben die Norweger einer Bewerbung abgelehnt, aus gutem Grunde!
lorn order 25.02.2018
2. Olympische Spiele
Wahnsinn, Olympische Spiele ohne Zuschauer! Ob sich die Südkoreaner für die Olympischen Winterspiele entschieden hätten, wenn man sie hätte abstimmen lassen? Überall in der Welt, wo man in den letzten Jahren über Olympische Spiele abgestimmt hat, stimmte die Bevölkerung dagegen. Die Spiele kosten den Veranstaltungsort Milliarden. Das IOC generiert dagegen Milliardengewinne. Gerade gestern stand ich mit meiner Anti-Olympia-Haltung wieder mal einsam in einer Diskussion im Freundeskreis. Ich habe bei der Hamburger Olympiaabstimmung gegen die Olympischen Spiele gestimmt und stehe damit im Widerspruch zu eigentlich allen meinen Freunden, die sogar der Meinung sind, dass man darüber nicht abzustimmen brauche. Hall Leute, es geht hier immerhin um Milliardenausagaben!!! Olympische Spiele in dieser Form werden in Zukunft nur noch in Diktaturen stattfinden. In allen demokratischen Ländern wird die Bevölkerung ein Abstimmung verlangen.
langenscheidt 25.02.2018
3. Beispiel Alpine Sportarten
Man verkennt die Situation. Im Alpinen Skizirkus will man bei Olympischen Spielen nicht unbedingt alles geben, da es wenig zu gewinnen gibt. Deshalb dürfen z.B. eine waschechte Snowboarderin oder ein steinalter Skirennfahrer gewinnen. Diese Tendenz ist nicht erst seit Februar 2018. Es mag noch Olympische Sportarten geben, die reizvoll sind zu gewinnen. Zum Beispiel für kleinere Eishockeynationen wie Deutschland. Kanada und USA sendeten C-Teams, weil deren nationalen Ligen wichtiger sind.
mpigerl 25.02.2018
4. Hier ist sie wieder die europäische/deutsche Arroganz
Zitat von lorn orderWahnsinn, Olympische Spiele ohne Zuschauer! Ob sich die Südkoreaner für die Olympischen Winterspiele entschieden hätten, wenn man sie hätte abstimmen lassen? Überall in der Welt, wo man in den letzten Jahren über Olympische Spiele abgestimmt hat, stimmte die Bevölkerung dagegen. Die Spiele kosten den Veranstaltungsort Milliarden. Das IOC generiert dagegen Milliardengewinne. Gerade gestern stand ich mit meiner Anti-Olympia-Haltung wieder mal einsam in einer Diskussion im Freundeskreis. Ich habe bei der Hamburger Olympiaabstimmung gegen die Olympischen Spiele gestimmt und stehe damit im Widerspruch zu eigentlich allen meinen Freunden, die sogar der Meinung sind, dass man darüber nicht abzustimmen brauche. Hall Leute, es geht hier immerhin um Milliardenausagaben!!! Olympische Spiele in dieser Form werden in Zukunft nur noch in Diktaturen stattfinden. In allen demokratischen Ländern wird die Bevölkerung ein Abstimmung verlangen.
Ich weiß jetzt nicht, warum Südkorea (oder in zwei Jahren Japan) viel weniger demokratisch sein soll, wie Europa!? Der Unterschied ist, dass man (die Bevölkerung) in diesen Ländern neugierig ist und gerne große Veranstaltungen austrägt und es auch akzeptiert, dass solche Spiele nicht unbedingt gewinnbringend sind. Natürlich ist es auch ok wenn es in D oder in Europa solche Spiele nicht gibt, weil die Bevölkerung nicht will. Aber sich deshalb noch "überlegen" zu fühlen, ist lächerlich! Und wenn man die Veranstaltungen - wegen den europäischen TV Zuschauern - nicht in die Nacht verlegt hätte (Skispringen war um 0:30 Ortszeit an einem Wochentag), dann wären diese Veranstaltungen auch besser besucht gewesen. Ich bezweifle auch, dass in Garmisch Sportarten, die hier kaum bekannt sind, um Mitternacht unter der Woche gut besucht wären.
cave68 25.02.2018
5. wenn es massive Bedenken
zahlreicher Nationen gibt muss man die olympische Idee halt eben ändern...warum werden solche Spiele immer nur an einzelne Länder und nicht an Kontinente vergeben?Dann wären die jetzigen Spiele genauso wie in Europa auf mehrere Städte und Länder verteilt worden? Biathlon in Ruhpolding und Oberhof...SkiAlpin in Frankreich...Skisprung in der Schweiz...Eishockey nach Tschechien,etc. Die Eingriffe in die Natur wären weitaus weniger gravierend gewesen. Die Fussball-EM macht es uns in ein paar Jahren doch schon vor.
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