Olympia-Bewerbung 2018 "Südkorea ist einen Fingerbreit vorn"

Die Olympia-Bewerbung Münchens hat in Lausanne zwar die Generalprobe bestanden. Konkurrent Pyeongchang dürfte aber auch nach der wichtigen IOC-Präsentation seinen Vorsprung behauptet haben. München hofft im Endspurt jetzt auf Unterstützung aus der Politik.

DOSB-Chef Bach: "Haben gezeigt, dass wir die Spiele wirklich wollen"
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DOSB-Chef Bach: "Haben gezeigt, dass wir die Spiele wirklich wollen"


Hamburg - München hat die Chance auf die Austragung der Olympischen Winterspiele 2018 gewahrt. Doch auch nach der vorentscheidenden Präsentation der Bewerber vor dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in Lausanne spricht mehr für den südkoreanischen Konkurrenten Pyeongchang. "Korea ist derzeit noch einen Fingerbreit vorn", sagte das kanadische IOC-Mitglied Richard Pound im Anschluss an die Vorstellung der drei Kanddiaten.

An den Ausgangsvoraussetzungen hat sich demnach nicht viel verändert. Pyeongchang gilt weiterhin als Favorit, knapp vor München. Als relativ chancenlos wird der französische Bewerber Annecy eingestuft. Dass am Morgen der Präsentation noch französische Olympiagegner in Lausanne demonstrierten, hat die Situation für Annecy auch nicht unbedingt verbessert.

München gab dagegen eine gute Figur ab, so der allgemeine Tenor im Anschluss an die Präsentation. Der einflussreiche Ski-Weltverbandspräsident Gian-Franco Kasper kommentierte, der Auftritt sei "deutsch-perfekt" gewesen. Pound sagte, es sei schließlich bekannt, dass "Deutschland sehr gut organisiert ist und großartigen Sport bieten kann".

Wulff reist zur IOC-Vollversammlung

Unterstützung auf der Zielgeraden der Bewerbung erhofft sich München zudem von Bundespräsident Christian Wulff. Das Staatsoberhaupt kündigte am Mittwoch an, dass er zur entscheidenden IOC-Vollversammlung am 5. und 6. Juli im südafrikanischen Durban reisen werde, um für München als Austragungsort zu werben.

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Olympia 2018: Die Entscheidung naht
Nach der Vorstellung des Münchner Konzepts vor den IOC-Delegierten wurde in acht Nachfragen unter anderem der Terroranschlag bei den Olympischen Spielen 1972 in München thematisiert. "Das war damals kein Problem von München, sondern der Beginn des internationalen Terrorismus", sagte Thomas Bach, der deutsche Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees.

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude hatte bei der schwierigsten der acht Nachfragen der fast 100 anwesenden IOC-Mitglieder ausgeführt, dass die Menschen von München diese "schreckliche Tat" nie vergessen würden: "Aber das hätte damals an jedem Platz der Welt Platz passieren können." Bei den Sommerspielen von 1972 waren nach einer Geiselnahme von israelischen Sportlern durch palästinensische Terroristen im olympischen Dorf von München 17 Menschen gestorben.

Seit Beginn des Bewerbungsmarathons war es die erste Präsentation über 45 Minuten. Dabei konzentrierten sich Bach und die Chefin der Bewerbungskommission, Katarina Witt, auf die Kernbotschaften "Legende von 1972", "Umweltkonzept" und die "große Wintersport-Begeisterung in Deutschland". Bundespräsident Wulff drückte per Videobotschaft seine Unterstützung für München aus und verabschiedete sich mit einem "Auf Wiedersehen" von den 89 anwesenden IOC-Mitgliedern.

Bach machte anschließend trotz der Favoritenrolle Südkoreas unverdrossen in Optimismus: "Die Reaktionen waren sehr ermutigend. Wir haben gezeigt, dass Deutschland die Winterspiele nach über 80 Jahren wirklich will. Entscheidend ist bei einem Marathonrennen nicht, wer nach 22 oder 40 Kilometern führt, sondern wer zuerst über die Ziellinie geht."

aha/dapd/dpa/sid



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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
Rupert Neve 18.05.2011
1. Die folgenden Fehler traten bei der Verarbeitung auf:
bitte, bitte lasst Pyeongchang gewinnen. Die einzigen, die in München von Olympia profitieren, sind Immobilienmakler, die Baumafia und Ude. Sicher nicht die Bevölkerung, ausser evtl. die oberen 10.000.
Golden Age 18.05.2011
2. Schaun mer mal
Wenigstens ist München nicht in der Favoritenrolle nur um hinterher schwer enttäuscht aus der Wäsche zu gucken. Pyeongchang hat deutlich mehr zu verlieren. Außerdem ist diesmal kein Ölgeld involviert wie bei der Vergabe der Fussball WM (Qatar und Russland) oder der letzten Vergabe der Winter Olympiade (Sochi). Der sportbegeisterten Region München und Garmisch wäre es zu gönnen, aber auch ohne Olympiade gehört diese Region Deutschlands in puncto Infrastruktur, Tourismus und pro-Kopf Einkommen zu den führenden weltweit. Soll heissen: Auch ohne Olympiade geht die Welt nicht unter.
kjartan75 18.05.2011
3.
Lasst die Spiele in Südkorea starten. Man muss hier nicht unbedingt wieder ein teures Sportevent finanzieren. Südafrika bleibt jetzt auf den Kosten der Fußball-WM sitzen, muss ja nicht sein, dass man hier extra neue Sportstätten aufbaut, olympisches Dorf und alles mögliche hinsetzt und dann am Ende einfach nur zahlt zahlt zahlt, während die ganz großen Firmen den Reibach machen und alle anderen ausgenommen werden wie Weihnachtsgänse.
Golden Age 18.05.2011
4. So einfach ist es aber auch nicht
Zitat von kjartan75Lasst die Spiele in Südkorea starten. Man muss hier nicht unbedingt wieder ein teures Sportevent finanzieren. Südafrika bleibt jetzt auf den Kosten der Fußball-WM sitzen, muss ja nicht sein, dass man hier extra neue Sportstätten aufbaut, olympisches Dorf und alles mögliche hinsetzt und dann am Ende einfach nur zahlt zahlt zahlt, während die ganz großen Firmen den Reibach machen und alle anderen ausgenommen werden wie Weihnachtsgänse.
Wobei die Sommerolympiade in München einen nachhaltig positiven Effekt für die Stadt hatte (bei Barcelona oder Sydney ähnlich). Welche Münchner geht nicht gerne in den Olympiapark oder zum Schwimmen ins olympische Bad? Ein neues olympisches Dorf, neue Sportstätten, touristische Mitnahme-Effekte dürften auch dieses Mal Vorteile bringen. Reine Profitmaximierung sieht anders aus.
Rupert Neve 18.05.2011
5. Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!
Zitat von Golden AgeWobei die Sommerolympiade in München einen nachhaltig positiven Effekt für die Stadt hatte (bei Barcelona oder Sydney ähnlich). Welche Münchner geht nicht gerne in den Olympiapark oder zum Schwimmen ins olympische Bad? Ein neues olympisches Dorf, neue Sportstätten, touristische Mitnahme-Effekte dürften auch dieses Mal Vorteile bringen. Reine Profitmaximierung sieht anders aus.
Hahaha. Die Erhaltung des Olypiageländes zahle ich mit meinen MVV-Gebühren, obwohl der ganze Park eigentlich nur noch kommerziell genutzt wird. Bis auf das - quasi nicht mehr genutzte Stadion - ist das Gelände ein Schandfleck der 70er Jahre "Stadtplanung". Ich kann auf neuen , teuren Größenwahn-Projekte - Stichwort neuer Bahnhof - gerne verzichten und würde mich statt dessen über bezahlbare Krippenplätze freuen. Soviel zum Thema Profitmaximierung.
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