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Deutsches Bob-Debakel: Jobgarantie für Bundestrainer Langen

Bob-Bundestrainer Langen: Verantwortung übernommen, Rücktritt ausgeschlossen Zur Großansicht
DPA

Bob-Bundestrainer Langen: Verantwortung übernommen, Rücktritt ausgeschlossen

Der in der Kritik stehende Bob-Bundestrainer Christoph Langen soll trotz des Olympia-Debakels im Amt bleiben. Sein Posten stehe laut Verband nicht zur Debatte. Derweil gibt es weiteren Streit um eine mögliche deutsche Unterstützung für Russlands Doppel-Olympiasieger Alexander Subkow.

Hamburg - Der Bundestrainer der deutschen Bob-Teams, Christoph Langen, darf trotz des Debakels bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi im Amt bleiben. "Die Cheftrainerrolle steht nicht zur Debatte", sagte Thomas Schwab, Sportdirektor und Generalsekretär im Bob- und Schlittenverband von Deutschland (BSD): "Wir werden uns in der nächsten Woche mit dem Präsidium zusammensetzen. Dabei geht es aber um strukturelle Dinge, nicht um personelle."

BSD-Vizepräsident Rainer M. Jacobus stellte dem Verband schon vor der Sitzung ein schlechtes Zeugnis aus. Dass das Bobteam erstmals seit 50 Jahren ohne eine Medaille von Winterspielen zurückkehre, sei inakzeptabel und ein niederschmetterndes Ergebnis: "Wir haben die große Quittung für die Fehlentwicklung in der Vergangenheit bekommen. Das Wichtigste ist jetzt die Fähigkeit zur Selbstkritik."

Frühere Bobpiloten forderten dagegen personelle Konsequenzen. "Die Leistungen dort stimmen mich traurig, aber noch trauriger stimmt mich, dass die Verantwortlichen keine Konsequenzen ziehen. Ein Neuaufbau geht nur mit einer Neubesetzung", sagte der frühere Viererbob-Olympiasieger Harald Czudaj. Auch der viermalige Olympiasieger André Lange zeigte sich vom desolaten Auftritt "maßlos enttäuscht" und sagte: "Die Sportler haben sicher ihr Bestes gegeben, aber am Ende hat etwas gefehlt. Darüber sollte man sich im Verband Gedanken machen."

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Olympische Winterspiele: Alle deutschen Medaillengewinner in Sotschi
Bundestrainer Langen schloss einen Rücktritt aus, übernahm aber die Verantwortung für die Blamage. "Ich bin verantwortlich für den Bobsport in Deutschland und halte den Kopf hin", sagte der zweimalige Olympiasieger: "Wenn ich die Chance bekomme, werde ich die Herausforderung annehmen." Nicht nur wegen der Leistungen im Eiskanal steht Langen in der Kritik, sondern auch wegen des offen ausgetragenen Materialstreits mit dem Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES). "Eine verbesserte Kommunikation zwischen Trainer, Sportlern und Ingenieuren steht ganz oben auf der Agenda", sagte BSD-Vize Jacobus.

Unterdessen sorgte eine andere Nachricht für Ärger beim BSD. Der russische Doppel-Olympiasieger Alexander Subkow hat bei den olympischen Rennen Hilfe von der deutschen Konkurrenz bekommen haben. Er fuhr mit Kufen des deutschen Viererbob-Weltmeisters von 2011, Manuel Machata, der sich nicht für Olympia qualifiziert hatte. Machata hatte die Kufen vom zurückgetretenen Österreicher Jürgen Loacker erworben und sie dann an Subkow weitergegeben, es handelt sich also nicht um FES-Material.

"Ich habe im Startbereich davon erfahren und war schockiert. Der ganze deutsche Verband ist entsetzt. Die hauptamtliche Führung des BSD wird in Kürze ein Personalgespräch führen", sagte Jacobus. Nach Aussagen des Trainerteams soll sogar Zweierbob-Weltmeister Francesco Friedrich bei seinem Teamkollegen angefragt haben, ob er den begehrten Kufensatz - der offenbar bei Sonneneinstrahlung perfekt funktioniert - haben könne.

"Es ist so, dass Subkow auf meinen Kufen gefahren ist", sagte Machata: "Aber das ist meine Privatsache. Das war kein Material der FES oder des Verbandes. Das haben andere vor mir auch schon gemacht, ich kann die ganze Aufregung nicht verstehen. Ich lasse mich nicht als Verräter hinstellen." Die an ihm geäußerte Kritik sei nur ein Ablenkungsmanöver, vermutete der 29-Jährige: "Vielleicht wollen sie von etwas ablenken, vielleicht brauchen sie einen Buhmann." Der Verband sieht das anders: "Wenn er keine sehr gute Erklärung hat, und die sehe ich im Moment nicht, dann kann das schwerwiegende Folgen für ihn haben", sagte Jacobus.

max/dpa/sid

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insgesamt 7 Beiträge
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1. Deutsche Unterstützung
noalk 24.02.2014
Der BSD soll sich nicht so aufregen. Wie viele deutsche Wintersport-Trainer arbeiten im Ausland? Und das teilweise mit großem Erfolg. Was sagen eigentlich die Schweizer zu ihrem Bob-Debakel? Die waren vor ein paar Jahren auch noch gefürchtete Weltklassekonkurrenz. Die andern Mitbewerber holen halt auf, Ehrgeiz und Siegeswille gibt's auch in anderen Ländern.
2.
BerndBerndsen 24.02.2014
Zitat von noalkDer BSD soll sich nicht so aufregen. Wie viele deutsche Wintersport-Trainer arbeiten im Ausland? Und das teilweise mit großem Erfolg. Was sagen eigentlich die Schweizer zu ihrem Bob-Debakel? Die waren vor ein paar Jahren auch noch gefürchtete Weltklassekonkurrenz. Die andern Mitbewerber holen halt auf, Ehrgeiz und Siegeswille gibt's auch in anderen Ländern.
Das Wörtchen auch stört mich. In vielen Deutschen Sportlagern gibt es keinen Ehrgeiz und Siegeswillen. Da geht es darum mittelmäßige Leistungen wahlweise auf das Wetter, das schlechte Material, Krankheiten oder (wenn nichts Anderes mehr greift) vage Dopingvermutungen der Konkurrenz zu schieben. Ich kann den Müll der Verantwortlichen nicht mehr hören. So viele Sportarten, in denen wir mal dominierten, sind eine einzige Blamage. Reine Olympiatouristen. - Biathlon (vor allem die Damen) - Bob - Eisschnellauf der Damen Alle weit hinter den Erwartungen zurück. Mit historisch schlechten Ergebnissen. Und das schlimmste ist: Es wird ja noch nicht mal in anderen ("jungen") Disziplinen kompensiert. Es gab noch nie so viele Medaillenwettbewerbe, wie in Sotschi, so viel im bereich Trendsportarten. Wo sind denn da die Deutschen? Shaun White hat seine eigene Halfpipe - in ganz Deutschland gibt es je nach Saison eine oder gar keine Wettkampffähige. Statt dessen werden Millionen in von Funktionären und Klüngel verkrusteten Verbände gepumpt und versickern ohne sichtbare Erfolge. Wie wärs mal statt dessen mit Jugendförderung im Bereich Slopestyle, Halfpipe etc.? Meiste Medaillenvergaben aller Zeiten - schlechtestes deutsches Abschneiden aller Zeiten - weiter so, alles in Butter!
3. Da kann ich
norman.schnalzger 24.02.2014
Machata nur recht geben
4. War schon immer so, dass
charly136 24.02.2014
man bei Erfolgslosigkeit Fehler bei anderen, nicht bei sich selbst sucht! Die Vorstellung der deutschen Bobsportler war schlicht und einfach in der gesamten Breite beschämend, ein Desaster!!! Was nützt da wenn Langen jetzt hinsteht "ich bin der Chef ich bin dafür verantwortlich"!!! Langen konnte sich in seiner aktiven Zeit immer sehr gut verkaufen und er hat in DIESEM Bezug nicht nachgelassen................
5. Wunderkufen
wertfreund 25.02.2014
Herr Langen und Herr Jacobus tun gut daran in den Spiegel zu blicken und sich Herrn Machata gegenüber deutlich geschlossen zu halten! Wunderkufen im Sonnenlicht sind ungefähr genauso plausibel wie Exkalibur bei den Degenfechtern! Der Fehler liegt in der Führung und Kommunikation des DOSB-Bobteams nicht in der freien Marktwirtschaft ...die auch für Athleten und deren Privatmaterial gilt .
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Alle Zweierbob-Olympiasieger der Männer
Jahr Ort Gold*
2014 Sotschi Russland (A. Subkow)
2010 Vancouver Deutschland (A. Lange)
2006 Turin Deutschland (A. Lange)
2002 Salt Lake City Deutschland (C. Langen)
1998 Nagano Kanada (P. Lueders) und Italien (G. Huber)
1994 Lillehammer Schweiz (G. Weder)
1992 Albertville Schweiz (G. Weder)
1988 Calgary Sowjetunion (J. Kipurs)
1984 Sarajevo DDR (W. Hoppe)
1980 Lake Placid Schweiz (E. Schärer)
1976 Innsbruck DDR (M. Nehmer)
1972 Sapporo Detuschland (W. Zimmerer)
1968 Grenoble Italien (E. Monti)
1964 Innsbruck Großbritannien (A. Nash)
1956 Cortina Italien (L. Dalla Costa)
1952 Oslo Deutschland (A. Ostler)
1948 St. Moritz Schweiz (F. Endrich)
1936 Garmisch USA (I. Brown)
1932 Lake Placid USA (H. Stevens)
1960 nicht im Programm
*Pilot in Klammern

Bob-Glossar
REUTERS
Die insgesamt je vier Läufe im Zweier- und Viererbob werden bei Olympischen Winterspielen auf zwei Tage verteilt. Sieger ist der Bob, der insgesamt am schnellsten war. Bei einem Sturz darf das Team nur weiterfahren, wenn alle Personen im Bob geblieben sind und dieser das Ziel im betreffenden Durchgang erreicht hat. Qualifiziert sind bei den Männern je 30 Bobs, bei den Frauen 20.
Alle Viererbob-Olympiasieger der Männer
Jahr Ort Gold*
2014 Sotschi Russland (A. Subkow)
2010 Vancouver USA (S. Holcomb)
2006 Turin Deutschland (A. Lange)
2002 Salt Lake City Deutschland (A. Lange)
1998 Nagano Deutschland (C. Langen)
1994 Lillehammer Deutschland (H. Czudaj)
1992 Albertville Österreich (I. Appelt)
1988 Calgary Schweiz (E. Fasser)
1984 Sarajevo DDR (W. Hoppe)
1980 Lake Placid DDR (M. Nehmer)
1976 Innsbruck DDR (M. Nehmer)
1972 Sapporo Schweiz (J. Wicki)
1968 Grenoble Italien (E. Monti)
1964 Innsbruck Kanada (V. Emery)
1956 Cortina Schweiz (F. Kapus)
1952 Oslo Deutschland (A. Ostler)
1948 St. Moritz USA (F. Tyler)
1936 Garmisch Schweiz (P. Musy)
1932 Lake Placid USA (W. Fiske)
1928 St. Moritz USA (W. Fiske)
1924 Chamonix Schweiz (E. Scherrer)
1960 nicht im Programm
*Pilot in Klammern


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