Neureuthers Enttäuschung "Es hätte eine ganz coole Geschichte werden können"

Wie schon im Slalom der Frauen mit Maria Höfl-Riesch landete auch bei den Männern ein Deutscher auf dem undankbaren vierten Platz. Dass der aber Fritz Dopfer hieß, war die Überraschung. Felix Neureuther schied im zweiten Durchgang aus - und wurde danach sentimental.

Aus Krasnaja Poljana berichtet

REUTERS

Als Felix Neureuthers Rennen schon vorbei war, hatte er immer noch nicht die Ziellinie überquert. Stattdessen saß er am Rande des Kurses, der ihm in diesem zweiten Durchgang zum Verhängnis geworden war, und sprach mit einem der DSV-Trainer. Es wirkte fast so, als wolle Neureuther sich hinter der Streckenabsperrung verkriechen.

Wenig später ging oben der US-Amerikaner Ted Ligety auf die Strecke, er hatte den ersten Durchgang knapp vor Neureuther beendet, jetzt stürzte sich der Sieger des olympischen Riesenslaloms die Piste hinunter. Doch auch Ligety schied schon bald aus, und irgendwann kam er bei Felix Neureuther an, der mittlerweile wieder auf seinen Ski stand - und gab ihm einen aufmunternden Klaps auf die Hüfte.

Es war eine kleine Geste mit großer Symbolik im Rosa Khutor Alpine Center. Ein Fahrer, dessen Medaillentraum gerade geplatzt war, tröstete einen anderen, der es offenbar nötiger hatte. Kurz darauf fuhren beide dann gemeinsam ins Ziel.

Ted Ligety und Felix Neureuther sind befreundet, Ligety weiß um das ganz persönliche Drama seines Kumpel und hat sehr genau verfolgt, was für eine Woche dieser durchgemacht hat. Eine Woche, die mit einem Unfall kurz vor dem Abflug nach Sotschi begann, mit einem abgebrochenen Training weiterging und die schließlich mit einem guten Riesenslalomergebnis einen vorläufigen Höhepunkt erlebte. Aus Hoffnungslosigkeit war Hoffnung geworden, Felix Neureuther hatte vor dem Slalom sogar eine Kampfansage an die Konkurrenz ausgegeben. "Es wird schwer, mich zu schlagen."

"Die unglücklichste Woche meiner Karriere"

Niemand hatte mehr den Kopf geschüttelt, es war plötzlich sehr wahrscheinlich, dass die Geschichte von Neureuther eine von den ganz großen Geschichten werden könnte, wie sie Olympia manchmal schreibt. Und dann nahm sie doch noch einmal eine Wendung.

"Es hätte eine ganz coole Geschichte werden können, aber jetzt ist es die unglücklichste Woche meiner Karriere." Das sagte ein sichtlich konsternierter Felix Neureuther, als der Trostklaps von Ted Ligety schon eine gute Stunde her war. Er hatte sehr lange überlegt, als er um ein Fazit gebeten wurde, "es ist schwer, die richtigen Worte zu finden." Nach dem ersten Lauf hatte Neureuther noch aussichtsreich auf Platz sieben gelegen, eine Medaille war möglich. Aber dann fädelte der 29-Jährige ein und der Traum war aus.

Die Geschichte von Felix Neureuther ist immer noch eine große, nur dass das Große an ihr nun das Scheitern ist.

Neureuther ist bei aller Trauer bewundernswert fair und ehrlich geblieben, er hätte ja das alles auch auf den Unfall schieben können, das Schicksal sozusagen, aber das tat er nicht. "Ich habe mich gut gefühlt, wegen des Unfalls habe ich nicht eingefädelt", sagte Neureuther, "wenn ich am Start stehe, dann gibt es auch keine Ausreden."

Er nutzte nicht mal die Chance, die Kurssetzung des Kroaten Ante Kostelic zu kritisieren, der den zweiten Lauf gesteckt hatte und den DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier als "nicht olympiawürdig" bezeichnete. War der fair? "Ja, auf alle Fälle. Er war für alle gleich." Man habe nur eben das Richtige tun müssen, "sehr clever Skifahren und trotzdem attackieren, das ist mir leider nicht gelungen", sagte Neureuther.

"Das Leben geht trotzdem weiter"

Ähnlich fiel die Analyse von Fritz Dopfer aus, der als bester Deutscher auf Platz vier die Bronzemedaille um fünf Hundertstelsekunden verfehlte. "Im ersten Lauf habe ich leider einen Fehler gemacht, im zweiten lief es besser, ich bin mit Köpfchen gefahren", sagte Dopfer, der seinen vierten Platz, den zweiten vierten Rang nach Maria Höfl-Riesch am Freitag, "extremst bitter" nannte.

Der vierte Rang Dopfers passe gut ins traurige Bild, sagte Neureuther, und so schaute er auch. Und jetzt? "Schwierig zu sagen. Ich brauche sicher Abstand, ich brauche auch Zeit." Und dann, nach einem kurzen Zögern: "Das Leben geht trotzdem weiter."

Felix Neureuther, dem immer das Image des Sonnyboys anhing, ist in den vergangenen Jahren trotz vieler Verletzungen zu einem ernstzunehmenden Weltklassefahrer geworden. Er war in der Form seines Lebens, drei seiner insgesamt acht Weltcupsiege feierte er im Januar 2014, zwei davon im Slalom. "Wenn man mit solchen Vorleistungen zu Olympia fährt und mit null nach Hause geht, extrem bitter", sagte Neureuther über diese Olympischen Spiele, die erst genau zur richtigen Zeit kamen und nach dem Unfall doch zur falschen.

Er will sich nun "Gedanken machen, wie es weitergeht", und dabei schaute er auf die Anzeigetafel, auf der Österreicher Mario Matt auf Platz eins lag. "Man kann nur den Hut vor ihm ziehen, Respekt", sagte Neureuther. Und vielleicht ist der Mann aus Tirol ja Inspiration für den DSV-Star, der bei den nächsten Olympischen Spielen in Pyeongchang 33 Jahre alt sein wird.

Matt gewann in Krasnaja Poljana seine allererste Olympische Medaille. Und wurde mit 34 zum ältesten alpinen Olympiasieger der Geschichte.

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insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
nemesis_01 22.02.2014
1. Man soll froh sein,
dass dieser Wichtigtuer keine Medaille geholt hat. Das wäre tödlich, denn damit wäre er die nächsten zwei Jahre durch die Fernsehsender getingelt. Grosse Klappe und mal wieder nichts dahinter, ein Selbstdarsteller, der leider bei Delling und Konsorten auch noch ein Forum findet. Anstatt still und leise auf einen Sieg hinzuarbeiten das grosse Posing, das beherrschen nur die Amerikaner. Schuster bleib bei deinen Leisten.
Fangio 22.02.2014
2.
Zitat von nemesis_01dass dieser Wichtigtuer keine Medaille geholt hat. Das wäre tödlich, denn damit wäre er die nächsten zwei Jahre durch die Fernsehsender getingelt. Grosse Klappe und mal wieder nichts dahinter, ein Selbstdarsteller, der leider bei Delling und Konsorten auch noch ein Forum findet. Anstatt still und leise auf einen Sieg hinzuarbeiten das grosse Posing, das beherrschen nur die Amerikaner. Schuster bleib bei deinen Leisten.
Selten so ein dummes Geschwätz gelesen. Neureuther hat mit seinen Erfolgen in diesem Jahr vielen Freude gemacht und zum Sympatieträger entwickelt. Das er bei Olympia nichts gerissen hat, ist noch lange kein Grund jetzt hämisch über ihn herzuziehen, das ging auch anderen Mitfavoriten so. Der wird uns auch noch weiter viel Freude machen, Heckenschützen wie Sie dagegen sicher nicht.
dr_jp 22.02.2014
3. Leider Pech gehabt
Felix Neureuther hat halt leider Pech gehabt, wie viele vor ihm auch. Der 2. Kurs war halt ungewöhnlich. Was ich persönlich etwas nervig fand, warum Felix Neureuther nicht einfach mit den anderen Athleten nach Sotschi reist und kurz vor knapp dort hinkommt. Das mit dem Unfall war ehrlich gesagt, saudämlich und ich dachte immer, unsere Athleten werden hier mehr geführt und gelenkt. Oder reist da jeder auf eigene Faust an? Aber er ist noch jung; beim nächsten Mal klappt es.
karend 22.02.2014
4. Wichtigtuer?
Zitat von nemesis_01dass dieser Wichtigtuer keine Medaille geholt hat. Das wäre tödlich, denn damit wäre er die nächsten zwei Jahre durch die Fernsehsender getingelt. Grosse Klappe und mal wieder nichts dahinter, ein Selbstdarsteller, der leider bei Delling und Konsorten auch noch ein Forum findet. Anstatt still und leise auf einen Sieg hinzuarbeiten das grosse Posing, das beherrschen nur die Amerikaner. Schuster bleib bei deinen Leisten.
Das ist Ihr Eindruck oder kennen Sie ihn näher? Was und vor allem wie Medien berichten, ist von ihm kaum zu beeinflussen. Felix Neureuther hat sich wieder nach oben gekämpft, wie die Erfolge zeigten. Ich hätte ihm einen Podestplatz sehr gegönnt.
TS_Alien 22.02.2014
5.
Zitat von FangioSelten so ein dummes Geschwätz gelesen. Neureuther hat mit seinen Erfolgen in diesem Jahr vielen Freude gemacht und zum Sympatieträger entwickelt. Das er bei Olympia nichts gerissen hat, ist noch lange kein Grund jetzt hämisch über ihn herzuziehen, das ging auch anderen Mitfavoriten so. Der wird uns auch noch weiter viel Freude machen, Heckenschützen wie Sie dagegen sicher nicht.
Erfolge machen einen noch lange nicht sympathisch. Daher kann ich Ihrem Kommentar nicht folgen. Die gewollte Medienpräsenz, d.h. in jedes Mikrofon zu sprechen, was einem hingehalten wird, haben andere nicht nötig. Das macht sie sympathisch. Sie haben aber Recht, dass man auch als Weltklassesportler nicht zwingend gewinnen kann oder muss. Gerade im Slalom klappt das nicht, dazu ist dieser Sport viel zu schwierig.
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