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Streit um Trauerflor: Norwegen beklagt "Riesendummheit" des IOC

Die Norwegerinnen Weng (r.) und Björgen: Trauer auf dem Podium Zur Großansicht
AP/dpa

Die Norwegerinnen Weng (r.) und Björgen: Trauer auf dem Podium

Das IOC hat gegen die norwegische Olympiamannschaft eine Rüge ausgesprochen. Der Grund: Die Langläuferinnen waren beim Skiathlon mit einem Trauerflor unterwegs, weil der Bruder einer Teamkollegin verstorben war. Die Norweger sind empört über die Strafe.

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Sotschi 2014
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Hamburg - "Unerhört, unverständlich, unfassbar. So darf man nicht reagieren", sagte Langlauf-Legende Oddvar Brå. "Das ist völlig umnachtet, eine Riesendummheit", beschwerte sich die frühere Langläuferin Anette Bøe: "Da fällt mir nichts mehr ein. Sehr traurig."

Norwegen ist empört und sauer. Denn das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat gegen das Team der Skandinavier eine Rüge ausgesprochen. Das IOC bezog sich auf die Olympische Charta. Die Regel 50.3 verbietet dort "jede Demonstration oder politische, religiöse oder rassische Propaganda" an den olympischen Stätten, Austragungsorten oder in anderen olympischen Bereichen. Aber was war überhaupt passiert?

Beim Skiathlon-Wettbewerb am Samstag waren die Norwegerinnen mit einem Trauerflor in die Loipe gegangen. Mit der schwarzen Armbinde wollten die Langläuferinnen des verstorbenen Bruders ihrer Teamkollegin Astrid Jacobsen gedenken. Das IOC hatte etwas dagegen.

"Wettkampfstätten sind nicht der richtige Ort für Trauer"

Langlauf-Superstar Marit Björgen, die im betroffenen Rennen die Goldmedaille gewonnen hatte, gab sich trotzig. "Das war es wert", sagte die 33-Jährige. "Ich weiß, dass es eine Verwarnung gab. Ich finde das traurig, aber wir waren darauf vorbereitet."

IOC-Sprecherin Emmanuelle Moreau verteidigte in der norwegischen Tageszeitung VG die Vorgehensweise: "Wir haben tiefstes Mitgefühl für Familie, Freunde und Teamkollegen, die jemanden verloren haben, den sie geliebt haben. Wir respektieren ihren Wunsch, desjenigen zu gedenken. Doch wir glauben, dass die Wettkampfstätten, in denen die Atmosphäre festlich ist, nicht der richtige Ort für Trauer sind."

Jacobsens Bruder war am Freitag unerwartet gestorben. Nachdem Björgen Gold im Skiathlon gewonnen hatte, hatte das gesamte norwegische Team im Zielraum geweint. Jacobsen selbst will am Dienstag (13 Uhr, Liveticker bei SPIEGEL ONLINE) wie geplant im Sprint starten.

"Das Menschliche ist viel wichtiger als Sport"

Rückendeckung erhielten die Athleten von ihrem Verband. Inge Andersen, Generalsekretär des Norwegischen Sportverbandes, sagte der Zeitung Aftenposten: "Das war eine ganz natürliche Reaktion der norwegischen Langlaufmannschaft. Das Menschliche ist viel wichtiger als Sport, wenn so etwas passiert. Wir würden das gerne mit dem IOC auf einer höheren Ebene diskutieren."

Das norwegische IOC-Mitglied Gerhard Heiberg verteidigte hingegen das Komitee. "Wir haben 204 Mitgliedsnationen. Diese Sache könnte für alle einen Präzedenzfall schaffen." Ausnahmen von der Regel machten das IOC in Streitfällen juristisch angreifbar. "Norwegen wurde darauf aufmerksam gemacht, dass das nicht erlaubt ist, und ich verstehe das IOC da sehr gut", sagte Heiberg: "Als Privatperson denke ich aber, dass das in Ordnung war, aber das IOC war gezwungen zu handeln."

Immerhin reizte das IOC seine rechtlichen Möglichkeiten nicht voll aus. In den Durchführungsbestimmungen zu Regel 50 heißt es: "Jeder Verstoß gegen die Vorschriften dieser Klausel kann die Disqualifikation der betroffenen Person nach sich ziehen."

tpr/sid

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insgesamt 123 Beiträge
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1. Ioc...
heavenstown 10.02.2014
Nur noch Krank bzw.. an Profit orientiert Die Charta gilt nur für andere, nicht für das IOC selbst...
2. optional
SethSteiner 10.02.2014
Das IOC hat sie einfach nicht mehr alle. Es soll alles tuttifruttilustig sein aber so ist die Welt nicht. Menschen sterben und Sportler Gedenken ihnen. Es herrscht Ungerechtigkeit und Hass und Sportler prangern sie an. Die olympische Charta ist das Papier nicht wert worauf sie geschrieben ist.
3. Charta
mgrasek100 10.02.2014
Vielleicht mal die Charta überarbeiten
4. .
Baustellenliebhaber 10.02.2014
Was für ein Problem, das jemand mit Trauerflor einen Wettkampf bestreitet.....Junge, Junge was ist das für eine bescheuerte Regelung!
5.
Sumerer 10.02.2014
Zitat von sysopAP/dpaDas IOC hat gegen die norwegische Olympia-Mannschaft eine Rüge ausgesprochen. Der Grund: Die Langläuferinnen waren beim Skiathlon mit einem Trauerflor unterwegs, weil der Bruder einer Teamkollegin verstorben war. Die Norweger sind empört über die Strafe. http://www.spiegel.de/sport/wintersport/olympia-in-sotschi-norwegen-erhaelt-wegen-trauerflor-ruege-vom-ioc-a-952561.html
Warum sollte man einer olympischen Mannschaft überhaupt den Ausdruck von Trauer untersagen wollen. Die Norweger werden durch ihr Verhalten noch sympathischer und die Rüge des IOC ist überhaupt nicht nachvollziehbar.
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Getty Images

Alle Langlauf-Olympiasieger der Frauen im Skiathlon
Jahr Ort Gold
2014 Sotschi Marit Björgen (NOR)
2010 Vancouver Marit Björgen (NOR)
2006 Turin Kristina Smigun (EST)
2002 Salt Lake Beckie Scott (CAN)
1998 Nagano Larissa Lasutina (RUS)
1994 Lillehammer Ljubow Jegorowa (RUS)
1992 Albertville Ljubow Jegorowa (EUN)
Distanz: 7,5 Kilometer Klassisch und 7,5 Kilometer Freistil (seit 2006)
Langlauf-Disziplinen
Einzel
Die Athleten starten zeitversetzt in 30-Sekunden-Abständen. Dabei gehen die Läufer in umgekehrter Reihenfolge der Weltrangliste in die Loipe. Wer überholt wird, muss den schnelleren passieren lassen, ohne diesen zu behindern. Sieger ist derjenige, der die Distanz am schnellsten zurücklegt. Die Männer müssen 15 Kilometer zurücklegen, die Frauen 10 Kilometer. Die Stilart variiert von Großereignis zu Großereignis, in Sotschi werden die Rennen jeweils im klassischen Stil ausgetragen.
Skiathlon
Wird auch Doppelverfolgung genannt, da das Rennen geteilt ist. In der ersten Hälfte muss im klassischen Stil gelaufen werden, in der zweiten Hälfte ist Freistil erlaubt. Der Skiwechsel zählt dabei zur Gesamtzeit hinzu - ähnlich wie bei einem Boxenstopp in der Formel 1. Männer müssen zweimal 15 Kilometer laufen, Frauen zweimal 7,5 Kilometer.
Massenstart
Alle Athleten werden in Reihen von sieben bis elf Teilnehmern eingeteilt und starten gleichzeitig. Die Männer müssen 50 Kilometer absolvieren, die Frauen 30 Kilometer. Die Stilart variiert von Großereignis zu Großereignis, in Sotschi werden die Rennen jeweils im Freistil ausgetragen.
Sprint
Zunächst muss eine Qualifikation bestritten werden, in der eine Runde gelaufen wird. Diese Runde ist bei den Männern 1,4 bis 1,6 Kilometer lang, bei den Frauen 1,2 bis 1,3 Kilometer. Die 30 Zeitschnellsten qualifizieren sich für das Viertelfinale, jeweils sechs Athleten bestreiten dann einen Lauf im direkten Duell. Die beiden ersten eines solchen sogenannten Heats kommen eine Runde weiter, genauso wie die beiden schnellsten Dritten und die beiden schnellsten Vierten aller Viertelfinals. Auch in den Halbfinal-Läufen gibt es solche "Lucky Loser", die in die letzte Runde kommen: den schnellsten Dritten und den schnellsten Vierten.
Team-Sprint
Zwei Läufer wechseln sich pro Nation ab, sie müssen jeweils drei Runden über 1,5 Kilometer laufen. Die Rennen beginnen im Massenstart, bei den Wechseln darf in der speziell ausgewiesenen Zone kein anderes Team behindert werden. Das schnellste Duo gewinnt.
Staffel
Gestartet wird im Quartett - die Frauen müssen 4x5 Kilometer laufen, die Männer 4x10 Kilometer. Dabei müssen die ersten beiden Starter im klassischen Stil in die Loipe, danach laufen die weiteren Staffel-Mitglieder im Freistil. Beim Wechsel muss es zwischen den Teamgefährten in der Wechselzone einen eindeutigen Körperkontakt geben, sonst droht die Disqualifikation. Die schnellste Staffel gewinnt.


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