Höfl-Riesch-Silber im Chaosrennen Nicht-so-Super-G

49 Starter, nur 31 im Ziel: Der olympische Super-G wurde zu einem Festival verpasster Tore, es erwischte vor allem Fahrerinnen mit niedrigen Startnummern. Maria Höfl-Riesch, gerade noch gewarnt, holte Silber. Anna Fenninger aus Österreich siegte - ihr Trainer hatte den Kurs gesetzt.

Aus Krasnaja Poljana berichtet

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Mit gewissen Sachen ist das so eine ungewisse Sache. Gewisse Sachen können helfen, gewisse Sachen können aber auch gewisse Probleme bereiten. Gewisse Sachen können alles sein und nichts. Und manchmal entscheiden sie sogar olympische Super-G-Rennen.

Florian Winkler hat am Freitag erklärt, er wolle "gewisse Sachen einbauen, die uns vielleicht liegen könnten". Winkler, Speedtrainer der österreichischen Skirennfahrerinnen, sprach vom Super-G-Kurs in Krasnaja Poljana, für den er an diesem Tag verantwortlich war. 43 Tore setzte Winkler auf der 2100 Meter langen Strecke, und am Ende muss man sagen, dass er seinen Job sehr gut gemacht hat. Zumindest aus österreichischer Perspektive.

Anna Fenninger, Österreich, gewann überlegen Gold, Nicole Hosp, ebenfalls Österreich, holte Bronze. Dass sich dazwischen mit Maria Höfl-Riesch eine Nicht-Österreicherin platzierte, wirkte bei oberflächlicher Betrachtung des Rennens fast wie ein glücklicher Zufall. Doch Höfl-Rieschs Erklärung für ihr Ergebnis hatte nichts mit dem Kurs zu tun. Sie patzte beim letzten Sprung vor dem Ziel, "und ich habe nicht geglaubt, dass ich es danach noch aufs Podium schaffe".

Nur drei der ersten elf Starterinnen im Ziel

Anderen erging es nicht so gut wie der jetzt zweimaligen Medaillengewinnerin. Und weil es sehr viele waren, denen es schlecht ging, wird man diesen olympischen Super-G in näherer Zukunft nicht spontan mit der Silbermedaille von Maria Höfl-Riesch verbinden. Sondern mit Florian Winkler, dem ausgelosten Kurssetzer. "Einen fairen Lauf" hatte der ÖSV-Trainer versprochen, "nichts Kompliziertes" wolle er "runterzaubern". Nun ja.

18 von 49 Teilnehmerinnen schieden aus, das sind mehr als ein Drittel des Starterfeldes, und Florian Winklers Zauber wirkte plötzlich wie schwarze Magie. Es erwischte ja auch nicht irgendwen, die Abfahrts-Olympiasiegerin Dominique Gisin war ebenso dabei wie die hochgehandelte Lizz Görgl, eine Österreicherin. Sie alle scheiterten entweder schon früh - oder in der zweiten Kurve nach dem letzten Sprung, der tückischsten Stelle des Kurses. Besonders bemerkenswert: Von den ersten elf Starterinnen schafften es nur drei ins Ziel.

Die niedrigen Startnummern wurden den Fahrerinnen offenbar zum Verhängnis, viele sprachen danach mit einer Mischung aus Hochachtung und Verzweiflung von den Tücken des Kurses. "Oben war er sehr hart, in der Mitte sehr schnell, und unten gab es keinen Grip, weil der Schnee wegging", sagte Gisin, Aus mit Startnummer elf. "Man wird sehr schnell beim Doppeltor vor dem letzten Sprung, man muss die richtige Richtung haben, um die nächste Kurve überhaupt zu kriegen", sagte die Schwedin Jessica Lindell-Vikarby, Aus mit Startnummer vier.

"Ich muss den Trainer loben"

Irgendwann war denen, die oben standen und das ganze Drama an Fernsehschirmen mitverfolgten, klar, dass dieser Kurs ungewohnt tückisch war. Die mittleren Startnummern waren gewarnt - und bekamen im Fall der deutschen Alpinen auch fernmündlich Ratschläge. "Der Trainer hat raufgefunkt", berichtete Viktoria Rebensburg, gute Neunte mit Startnummer 15.

Der Rat: Konzentration, man habe stark "auf der Linie" aufpassen müssen. Gerade im oberen Bereich fuhr die 24-Jährige ein tolles Rennen, "technisch ziemlich gut", lautete ihr erleichtertes Fazit. Für Rebensburg wurde der Chaos-Super-G so zu einer neuerlichen Selbstvergewisserung. Im Riesenslalom könnte sie eine Medaille anpeilen.

Die Siegerin Anna Fenninger wurde nach ihrem Sieg sentimental. Sie habe kurz "die kleine Anna vor Augen gehabt, mit fünf Jahren". Damals bewunderte sie den Slalom-Olympiasieger von 1994, Thomas Stangassinger, "das wollte ich auch". Die Frau, die in Österreich schon früh als Jahrhunderttalent bezeichnet wurde, setzte in Krasnaja Poljana nun eine unheimliche Serie im olympischen Super-G fort. 2006 gewann Michaela Dorfmeister, 2010 Andrea Fischbacher und jetzt Fenninger, die dritte Österreicherin in Folge.

"Ich muss den Trainer loben, der den Kurs gesetzt hat", das sagte Fenninger überglücklich in Richtung Trainer Florian Winkler. Auch der hat eine bemerkenswerte Serie verlängert. Der Kurssetzer 2010 hieß Jürgen Kriechbaum, der von 2006 Jürgen Graller. Beide sind ebenfalls Österreicher.



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preteatro 15.02.2014
1. schlechte
So liest sich der Artikel zum Super-G in Sotschi. Zumindest die Elite im Skisport ist (oder sollte) unabhängig vom Kurssetzer und der Kurssetzung in der Lage sein, einen Lauf richtig zu besichtigen und seine Tücken abzuschätzen und bei der Wahl der Taktik zu berücksichtigen. ZB ist der Vater von Ivica Kostelic ein berüchtiger Kurssetzer im Hinblick auf "fast unfahrbar", offenbar ist er der Ansicht, dies würde seinen Sohn bevorteilen. Alle Trainer welche als Kurssetzer fungieren sind versucht, den (vermeintlichen) Stärken ihrer Athleten mit der Kurssetzung entgegen zu kommen. Vollkommen üblich und nicht zu beanstanden. Das es in diesem Falle zumindest scheinbar funktioniert hat, dürfte eher dem Zufall geschuldet sein, zumal die Siegerin Fenniger ja nicht gerade als Aussenseiterin gegolten hat.
polyphon 15.02.2014
2. Unparteiisch?
Ohne über die Details der olympischen Streckengestaltung Bescheid zu wissen: Wenn der Trainer, der den Kurs setzt, sagt, dass er Dinge einbauen will, die "uns" liegen, ist klar, wen er mit "uns" meint. Dann ist er nicht neutral und dürfte eine Wettkampfstrecke nicht gestalten. In der Politik, über die zu Recht so geschimpft wird, kann bei Wahlen auch nicht sichergestellt werden, dass kein Sympathisant einer Partei auszählt. Wenn er aber sagen würde, dass er die Wahlzettel so gestalten/austeilen/auszählen würde, dass es "uns" liegt, wäre er sofort raus. Also ein für die olympischen Spiele peinlicher Vorgang und ein Schlag ins Gesicht der nicht-österreichischen Läuferinnen, die sich mit hartem Training lang auf einen vermeintlich fairen Wettkampf vorbereitet haben.
nesmo 15.02.2014
3. Hat schon Geschmäckle
wenn der Trainer der Siegerin einen sehr ungewöhnlichen Kurs gesteckt hat, mit versteckten Horrorkurven, in denen viele das Tor verpassten. Hat der Trainer seinen Schützling über die Probleme besser informiert, als die Konkurrenten sich selber ein Bild machen konnten? Muss denn der Kurs unbedingt von einem Trainer gesteckt werden, dessen Schützling um die Medaillen mitfährt? Zumindest bei Olympia müsste sich doch da ein Neutraler finden.
aee 15.02.2014
4.
Der Kurs war für alle Läuferinnen gleich. Ständig wird gejammert im Ski alpin der Damen. Es ist üblich, daß einer der Trainer den Kurs setzt. Gelegentlich macht es auch ein Deutscher. Wer dann gleich tendenziös in Richtung Schiebung schreibt ist ein schlechter Verlierer. Außerdem ist es mindestens genauso unfair gegenüber den Athletinnen. Sie sollten lieber froh sein, daß Lindsey Vonn und Tina Weirather verletzt waren.
jeze 15.02.2014
5. Losglück
Zitat von polyphonOhne über die Details der olympischen Streckengestaltung Bescheid zu wissen: Wenn der Trainer, der den Kurs setzt, sagt, dass er Dinge einbauen will, die "uns" liegen, ist klar, wen er mit "uns" meint. Dann ist er nicht neutral und dürfte eine Wettkampfstrecke nicht gestalten. In der Politik, über die zu Recht so geschimpft wird, kann bei Wahlen auch nicht sichergestellt werden, dass kein Sympathisant einer Partei auszählt. Wenn er aber sagen würde, dass er die Wahlzettel so gestalten/austeilen/auszählen würde, dass es "uns" liegt, wäre er sofort raus. Also ein für die olympischen Spiele peinlicher Vorgang und ein Schlag ins Gesicht der nicht-österreichischen Läuferinnen, die sich mit hartem Training lang auf einen vermeintlich fairen Wettkampf vorbereitet haben.
Dass der Trainer nicht unparteiisch ist, ist jedem klar - er muss das auch nicht sein. Trotzdem sind das die Regeln. In der Übertragung wurde ja gesagt, dass das Privileg der Kursfestlegung unter den Trainern der ersten 15 Läuferinnen im Weltcup ausgelost wird und da Österreich da mit 4 Läuferinnen vertreten ist, hatten sie die größte Chance den Kurs festlegen zu dürfen.
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