Skilanglauf Sturz kostet deutsche Team-Staffel Medaille

Die deutsche Team-Staffel der Männer kämpfte um Gold, als ein Finne Schlussläufer Tim Tscharnke zu Fall und um alle Chancen brachte. Ein Protest des deutschen Teams wurde abgelehnt. Auch die Frauen hatten eine Medaille knapp verpasst.

DPA

Hamburg - Es war ein dramatisches Ende eines tollen Rennens der deutschen Team-Staffel. Auf den letzten Metern stürzte Tim Tscharnke, als er mit Finnland und Russland um Gold kämpfte. Der 24-Jährige war damit um alle Chancen gebracht. Zusammen mit Hannes Dotzler war Tscharnke klar auf Medaillenkurs gewesen.

"Scheiße", fluchte Tscharnke im Ziel, "das war eine sichere Medaille, die wir nach diesem Auftritt verdient gehabt hätten." Kurz nach dem Ende des Rennens legte das deutsche Team Protest wegen einer Behinderung Tscharnkes ein. Der Schlussläufer des späteren Siegers Finnland, Sami Jauhojärvi, war Tscharnke in die Spur gelaufen und hatte den Deutschen damit zu Fall gebracht. "Ich war in der Spur für den Zieleinlauf, er kam aus den Spuren für den Durchlauf. Ich konnte daher nicht ausweichen", schilderte der 24-Jährige die Szene.

Die Jury lehnte den Einspruch jedoch ab, sie konnte nach Studium des Videomaterials keinen Regelverstoß des finnischen Schlussläufers Sami Jauhojärvi feststellen. Auf den Gang vor das Schiedsgericht des Ski-Weltverbandes Fis verzichtete der DSV.

Frauen-Staffel im Zielsprint geschlagen

Silber hinter den Finnen ging an Russland, Bronze sicherte sich noch das bereits abgeschlagene Schweden. Eine gefühlte Ewigkeit hatte Tscharnke ungläubig dem Finnen und dem Russen Nikita Krjukow, mit denen er ein souveränes Spitzentrio gebildet hatte, hinterher geschaut. "Meine Ski hatten sich verhakt und ich war müde. Wenn ich gewusst hätte, was für einen Vorsprung wir hatten, hätte ich mir beim Aufstehen mehr Mühe gegeben", sagte Tscharnke, der mit Dotzler am Ende Rang sieben von neun gestarteten Staffeln.

"Das ist im ersten Moment natürlich ganz bitter. Der Frust ist groß", sagte Dotzler. Den Sturz seines Lauf-Partners hatte er nicht gesehen: "Ich habe nur ein Raunen gehört und gedacht, da hat es jemanden erwischt. Als die anderen beiden auf die Zielgerade kamen, wusste ich, dass es Tim getroffen hat."

Zuvor hatten bereits Stefanie Böhler und Denise Herrmann eine Medaille knapp verpasst. Im Zielsprint musste Herrmann die Schwedin Stina Nilsson passieren lassen und sich im Kampf um Bronze um 1,15 Sekunden geschlagen geben. "Das ist natürlich hart für sie. Deswegen braucht sie uns jetzt. Dafür sind wir ein Team. Wir haben den vierten Platz gewonnen und nicht Bronze verloren", sagte Böhler im ZDF.

Gold holten die Norwegerinnen Ingvild Østberg und Marit Bjørgen vor dem finnischen Team mit Ainu-Kaisa Saarinen und Kerttu Niskanen.

max/dpa



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viceman 19.02.2014
1. protest muß schon sein,
Zitat von sysopREUTERSDie deutsche Team-Staffel der Männer kämpfte um Gold, als ein Finne Schlussläufer Tim Tscharnke zu Fall und um alle Chancen brachte. Das deutsche Team erwägt nun einen Protest. Auch die Frauen hatten eine Medaille knapp verpasst. http://www.spiegel.de/sport/wintersport/olympia-sturz-kostet-deutscher-team-staffel-medaille-im-skilanglauf-a-954433.html
gestern bei der kombination gegen den eigenen mann ging das nicht, aber heute sollte man es -auf jeden fall - versuchen....
Moin 19.02.2014
2. Auf jeden Fall...
Zitat von sysopREUTERSDie deutsche Team-Staffel der Männer kämpfte um Gold, als ein Finne Schlussläufer Tim Tscharnke zu Fall und um alle Chancen brachte. Das deutsche Team erwägt nun einen Protest. Auch die Frauen hatten eine Medaille knapp verpasst. http://www.spiegel.de/sport/wintersport/olympia-sturz-kostet-deutscher-team-staffel-medaille-im-skilanglauf-a-954433.html
...sollte das Team auch als Wertschätzung der bis zu dem Zeitpunkt klasse Leistung der beiden Läufer protestieren. Keine Ahnung was das bringt, aber zumindest Bronze wäre ja sicher gewesen. Aber wir haben ja gesehen, was so ein Protest bringt, denn da war ja noch der Norweger, der sogar zugab Mist gebaut zu haben, aber Gold hat er behalten, da half nicht mal ein Protest der Gastgeber. OK, da ging es auch gegen einen Norweger, die will man selbstverständlich nicht verprellen... Bei den Frauen verstehe ich die Trainer nicht. Bin zwar nur Laie, aber da ist eine Böhler, die super Leistungen liefert und vor Selbstbewusstsein strotzt, aber als Schlussläuferin wird eine auch sehr gute Herrmann genommen, die allerdings schon zweimal im Zielsprint ausgekontert worden ist. Warum hat man nicht wie die anderen Nationen die stärkste Läuferin am Schluss gesetzt? Wer wieß vielleicht wären wir dann ja gar nicht um die Medaille gesprintet.
schwaebischehausfrau 19.02.2014
3. Erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu
.sehr schade, wenn man Monate/Jahre trainiert und wird dann so abgeschossen. Das war wirklich nicht die feine englische Art vom finnischen Läufer - durch sein Manöver hat er beide verbliebene Konkurrenten behindert. Sollte eigentlich mit Disqualifikation belohnt werden. Insgesamt sind die Langlaufwettbewerbe (incl. Nord. Kombi) für die deutschen äusserst unglücklich verlaufen: Entweder sind unsere Läufer von Konkurrenten "abgeschossen" worden (Langlaufstaffel Herren und jetzt auch im Teamsprint) oder sie haben sich selbst abgeschossen (Nordische Kombinierer gestern) oder sie haben sich auf den letzten Metern abkochen lassen. So wie Denise Hermann jetzt zum dritten Mal. Spätestens nach der Frauen-Staffel hätten die Trainer merken müssen, dass sie nicht in der Form ist als Schlussläuferin. Wenn Steffi Böhler die letzte Runde übernommen hätte heute, hätte es wahrscheinlich gereicht. Oder man hätte statt Denise Herrmann Claudia Nystad laufen lassen - die hätte sich mit ihrer Cleverness und Abgezocktheit nicht so abkochen lassen. Schade!!!
bearv65 19.02.2014
4. Auf jeden Fall protestieren!!
Ist das hier Rugby oder Langlauf? So ein dreistes Manöver des Finnen! Der deutsche Schlussläufer wurde ganz offensichtlich zu Fall gebracht. Wenn der Drängler damit Gold gewinnt, ist das eine Farce. Dann kann ja demnächst jeder einfach seine Konkurrenten ungeschoren aus der Bahn hauen. Ich erwarte, daß das deutsche Team energisch Protest gegen dieses Unsportlichkeit einlegt! Hier "den Schw... einzuziehen" wäre auch gegenüber dem eigenen Schlussläufer ein zusätzlicher Hohn!
dreamsleep 19.02.2014
5.
Viel schlimmer fand ich es, als der.. ich glaub Norweger.. seinen Stock wechseln musste. Den kaputten hat er einfach hinter sich in die Spur geworfen, direkt vor die Ski der folgenden Läufer. Kurz darauf ist er dann ausgebrochen. Wenns der Norweger war, dann hat ihm das jetzt keine Medaille gebracht, aber wirklich fair sah das für mich als Laie jetzt auch nicht aus.
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