Bronze für Rebensburg Glückliches Ende einer Talfahrt

Den Riesenslalom-Titel konnte Viktoria Rebensburg nicht verteidigen. Dennoch feierte sie die Bronzemedaille wie einen Sieg. Die 24-Jährige hat schwere Krankheits-Monate hinter sich, sogar die Olympia-Teilnahme war gefährdet.

Getty Images

Aus Krasnaja Poljana berichtet 


Nach der Zieleinfahrt riss Viktoria Rebensburg ihre Arme hoch und ballte die Fäuste: Ein ziemlich guter zweiter Lauf war ihr da gelungen im Olympischen Riesenslalom-Rennen von Rosa Chutor, das wusste die 24-Jährige sofort. Auch die Anzeigetafel zeigte es: Ihre Zeit leuchtete grün, das bedeutete Platz eins. Doch Rebensburg musste noch zittern, schließlich standen noch fünf Läuferinnen oben.

US-Hoffnung Mikaela Shiffrin, nach dem ersten Durchgang auf Platz fünf, fuhr nach Rebensburg schnell, aber nicht schnell genug. Auch die beiden folgenden Starterinnen schafften keine schnellere Zeit als die Deutsche. Das gelang lediglich der Österreicherin Anna Fenninger und Tina Maze. Die Slowenin brachte ihren komfortablen Vorsprung aus dem ersten Lauf gerade so ins Ziel - und gewann nach der Abfahrt ihr zweites Gold in Sotschi. Damit übertrumpfte sie bei diesen Winterspielen Maria Höfl-Riesch. Die deutsche Top-Skifahrerin, bislang mit Gold und Silber dekoriert, hatte wegen einer Erkältung passen müssen.

Für Rebensburg reichte es also zur Bronzemedaille - für sie fühlte sich das an wie ein Sieg. "Bronze ist für mich fast genauso wichtig wie Gold damals", sagte Rebensburg. Damals, das war vor vier Jahren, die Spiele 2010 in Vancouver. Der Olympiasieg dort war ihr erster Erfolg überhaupt, eine Sensation also. Er hat aus dem Talent Rebensburg die Siegfahrerin Rebensburg gemacht. Diesmal reiste sie als Olympiasiegerin an - und doch ist ihre erneute Medaille eine Überraschung, auch wenn sie "nur" aus Bronze ist. Denn nicht alle hatten ihr das zugetraut.

Wochenlang zum Nichtstun verdammt

Wie hätte es auch anders sein sollen, nach dieser Saison, in der sie von der Gejagten wieder zur Jägerin wurde, sie selbst hat das einmal so formuliert. Weitgehend nach Plan verlief nur der Saisonauftakt in Sölden, Dritte wurde sie da. Danach schwächte sie erst eine virale Infektion, der sich eine bakterielle hinzugesellte, was sich beides zusammen schließlich zu einer Lungenentzündung auswuchs. Fünf Wochen war Rebensburg zum Nichtstun verdammt. Während die Konkurrenz sich auf Olympia vorbereitete, saß sie auf der Coach oder beim Arzt. Zwischenzeitlich war nicht sicher, ob ihr die Zeit überhaupt reichen würde, um bei Olympia starten zu können.

Die Zeit hat gereicht, auch wenn es eine ziemliche Punktlandung geworden ist. Ab Mitte Januar ging es wieder bergauf. Erst langsam, dann stetig. Auch bei bislang drei Starts bei diesen Spielen war das so. 15. wurde sie zum Auftakt in der Abfahrt, Neunte im Super-G. In diesen Rennen war sie schon nicht schlecht unterwegs, bevor ihr jeweils kurz vor dem Ziel ein Patzer unterlief. Vor allem was Kraft und Kondition anbelangt, hat die krankheitsbedingte Zwangspause Spuren hinterlassen.

Rebensburg mit Bestzeit im zweiten Lauf

Im Riesenslalom spielte das keine so große Rolle. Zwar besteht der aus zwei Läufen, aber dafür aus kürzeren. Das kam Rebensburg entgegen. Genau wie die Tatsache, dass es ihre Lieblingsdisziplin ist. Bereits im ersten Durchgang fuhr sie gut, auf Platz sechs. Den zweiten beendete sie trotz Schneegestöbers mit Laufbestzeit, was Bronze einbrachte - und den ein oder anderen zu der Fragen verleiten könnte: Was wäre hier eigentlich möglich gewesen ganz ohne Krankheit und Pause?

Doch für Rebensburg stellt sich diese Frage nicht. "Ich habe einige Tiefen durchmachen müssen. Aber ich habe immer an mich geglaubt. Es ist wichtig, dass man an sich glaubt, dass man seinen Weg geht. Dass das mit einer Medaille belohnt wurde, ist umso schöner."

insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Mertrager 18.02.2014
1. Mein Gott - wie raffiniert
... ist diese Überschrift !
kj.az, 18.02.2014
2. wo sass sie denn nun ?
Zitat von sysopGetty ImagesDen Riesenslalom-Titel konnte Viktoria Rebensburg nicht verteidigen. Dennoch feierte sie die Bronzemedaille wie einen Sieg. Die 24-Jährige hat schwere Krankheits-Monate hinter sich, sogar die Olympia-Teilnahme war gefährdet. http://www.spiegel.de/sport/wintersport/olympia-viktoria-rebensburg-gewinnt-bronze-im-riesenslalom-a-954200.html
Sass sie den nun auf dem Coach oder auf der Couch ?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.