Olympische Jugend-Winterspiele Ein bisschen Spaß muss sein

Talente im Zeichen der Ringe: In Innsbruck beginnen die ersten Olympischen Winterspiele der Jugend. Die Veranstalter sind bemüht, den Druck auf den Nachwuchs klein zu halten. Statt Medaillen sollen Spaß, Ideale und gesundes Leben im Mittelpunkt stehen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

DPA

Von Sebastian Krause


Ein Wunsch wird wahr: Als Pierre de Coubertin 1894 die Olympischen Spiele der Neuzeit ins Leben rief, schwebte ihm ein "Treffen der Jugend der Welt" vor. Für den Gründer des Olympischen Komitees wären die ersten Olympischen Winter-Jugendspiele (13. bis 22. Januar) in Innsbruck auf den ersten Blick wohl die perfekte Antwort darauf.

Die 15-jährige Skispringerin Katharina Althaus, die bei der Eröffnungsfeier um 17.30 Uhr als Fahnenträgerin die deutsche Mannschaft ins Bergisel-Stadion führen wird, kann es zumindest kaum erwarten. "Ich freue mich auf den Augenblick, mit der Fahne einzulaufen. Das wird mindestens genauso aufregend wie der Wettkampf selbst", sagte die Sportlerin vom SC Oberstdorf.

Nicht nur für die vielen Nachwuchsathleten, sondern auch für Innsbruck, das am 12. Dezember 2008 den Zuschlag erhielt, sind die Spiele ein großes Ereignis. Es gibt allerdings jemanden, für den die Spiele noch wichtiger sind: Jacques Rogge. Der IOC-Präsident machte die Jugendspiele zu seinem persönlichen Projekt, Widerständen zum Trotz. Letztlich drückte der 69-Jährige im Frühjahr 2007 die Entscheidung für die Austragung Olympischer Jugendspiele durch. 2010 fanden in Singapur bereits die ersten Sommerspiele für Jugendliche statt.

Kritik an Rogges Vision: "Eine Minderheit, die ohnehin Sport treibt"

Als Ziel gibt Rogge nicht weniger vor, als den Lebenswandel der Jugend ändern zu wollen. "Es geht um Erziehung und die Vermittlung von olympischen Idealen wie Fairplay, gesundes Leben und kein Doping", so Rogge. Bewegungsarmut, Fettleibigkeit, Dominanz elektronischer Medien in der Freizeit und das sinkende Interesse der Jugend an Olympia sind die erklärten Feinde.

Nicht überall stößt Rogges Vision auf Begeisterung. Für den Kanadier Richard Pound, ehemaliger Vorsitzender der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, sind Rogges Worte absurd. Bei den Teilnehmern handele es sich um "eine Minderheit, die ohnehin Sport treibt".

Dennoch sollen die Olympischen Jugend-Winterspiele das neue Aushängeschild in der IOC-Strategie werden. Die Rahmenbedingungen sind dementsprechend professionell. Bei den Spielen in Innsbruck, Seefeld und Kühtai wird das Programm - wie bei den Winterspielen der Erwachsenen 2010 in Vancouver - die sieben Sportarten Biathlon, Bob, Curling, Eishockey, Rennschlitten, Eisschnelllauf und Skisport (nordisch/alpin) umfassen. Auf die insgesamt 1058 Juniorensportler aus 70 Nationen, darunter 57 Deutsche, warten 63 Medaillenwettbewerbe.

Doch das IOC ist bemüht, den Eindruck einer Nachwuchsleistungsschau zu vermeiden. "Der Eliteaspekt steht nicht an erster Stelle", so Rogge. Auch DOSB-Präsident Thomas Bach gibt sich betont fürsorglich: "Unsere Sportler sollen die olympische Erfahrung genießen, sie werden bestens betreut, aber es werden keine Medaillen gezählt."

Untermauert werden solche Aussagen durch ein umfangreiches Kultur- und Bildungsprogramm für die Athleten. Die 14- bis 18-Jährigen können an Workshops zu den Themen Karriereplanung, Doping-Prävention oder Umweltprobleme teilnehmen.

Die Organisatoren bieten zum Beispiel Fahrten in die Alpen an, es wird zusammen musiziert und getanzt. "Wir legen unseren Sportlern ans Herz, diese Workshops möglichst umfassend zu nutzen, möglichst viel auch von der Atmosphäre aufzusaugen, die schon an die Olympischen Spiele der Großen erinnern wird", sagt Ulf Tippelt, Teamchef der Deutschen Mannschaft.

Innsbruck sucht die Stars von Sotschi

Um die Jugendlichen auch abseits der Sportanlagen nicht zu überfordern, werden ihnen Paten zur Seite gestellt. Zu den 39 sogenannten Juniorbotschaftern gehört Ski-Superstar Lindsey Vonn, genauso wie Freiwillige, die über ein Bewerbungsverfahren ausgewählt wurden. So wie Edith Schulze. Die 23-jährige Skilangläuferin und Studentin der

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Olympische Winter-Jugendspiele: Jugend auf Eis und Schnee
Sportwissenschaften überzeugte den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und die Deutsche Sportjugend (dsj). "Ich freue mich darauf, Athleten, Trainer, Betreuer, Helfer und Zuschauer aus der ganzen Welt zu treffen, mit ihnen zu arbeiten, mich mit ihnen auszutauschen und mit ihnen unvergessliche Spiele zu erleben", sagt Schulze. Ihre Aufgabe ist es, für die Athleten passende Angebote aus dem Rahmenprogramm herauszusuchen und Kontakte herzustellen.

Die Sportler selbst jedoch kommen nicht nur zum Spaß in die Tiroler Landeshauptstadt. Beim deutschen Team gehören Philipp Mölter und Richard Oelsner im Zweierbob zu den Medaillenkandidaten. Beide haben mit André Lange keinen geringeren als einen vierfachen Olympiasieger an ihrer Seite. In Innsbruck ist der 38-Jährige als Teamleiter für Bob, Rodeln und Skeleton tätig. Angesichts des jungen Alters der Athleten, Oelsner ist 17 und Mölter 18 Jahre alt, wurde das Training nicht intensiviert. "Wir haben im Hinblick auf die Spiele nichts verändert, da die individuelle Entwicklung der Sportler im Vordergrund steht", so Lange.

Auch die deutschen Biathleten haben mit dem ehemaligen Männer-Bundestrainer Frank Ullrich einen prominenten Mann an ihrer Seite. "Die Jugendspiele sind eine gute Veranstaltung, denn sie gibt den jungen Sportlern die Möglichkeit, sich mit internationaler Konkurrenz zu messen, ohne dass hierbei besonderer Leistungsdruck aufgebaut wird", sagt der 53-Jährige. Seinen Sportlern traut Ullrich einige gute Resultate zu. "Wenn ich an Maximilian Janke und Franziska Preuß denke, dann haben wir einen sehr hoffnungsvollen Nachwuchs. In ein paar Jahren können einige den Sprung in die Weltspitze schaffen."

Doch die Konkurrenz schläft nicht: So mussten sich die norwegischen und russischen Nachwuchssportler in harten Ausscheidungswettkämpfen qualifizieren. Auch wenn Rogge abwiegelt - in Innsbruck werden auch die Stars für Sotschi 2014 gesucht.



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WernerS 13.01.2012
1. Neue Sportarten
Es ist mir egal, welche Sportarten unsere Kinder treiben. Hauptsache sie treiben überhaupt freiwillig Sport. Am besten in der frischen Luft. Downhiller, Skateboarder und Larper sind für mich als Vater einfach phantastische Entwicklungen.
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