Olympische Winterspiele 2006: IOC ordnet Nachtests der Dopingproben an

Bislang unentdeckte Dopingbetrüger der Olympischen Winterspiele 2006 in Turin müssen erneut zittern: Das IOC will die Proben noch einmal mit moderneren Analysemethoden untersuchen. Auf diese Weise wurden bereits Athleten der Sommerspiele 2004 und 2008 nachträglich überführt.

Blutproben: Erneute Analyse nach sieben Jahren Zur Großansicht
REUTERS

Blutproben: Erneute Analyse nach sieben Jahren

Hamburg - Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat zum zweiten Mal Nachtests der Dopingproben von den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin angeordnet. Bereits 2010 waren die eingefrorenen Proben gezielt auf das Blutdopingmittel Cera und Insulin untersucht worden. "Die Wissenschaft entwickelt sich weiter. Je länger wir warten, desto besser wird die Möglichkeit, moderne Technologien einzusetzen", sagte Arne Ljungqvist, Vorsitzender der Medizinischen Kommission im IOC.

In Abstimmung mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) hat das IOC festgelegt, wie viele Proben aus welchen Wintersportarten nachgetestet werden sollen. Ausdauerwettbewerbe wie Skilanglauf dürften dabei besonders in den Fokus geraten. Bei den Olympischen Winterspielen selbst war nur die russische Biathletin Olga Pylewa positiv getestet worden. Die Silbermedaille wurde ihr nachträglich aberkannt.

Das Großereignis war zudem von der Blutdopingaffäre um österreichische Skilangläufer und Biathleten überschattet worden. Keiner der verdächtigten Athleten konnte damals bei Dopingtests überführt werden. Erst mehrere Jahre später sind vier Sportler lebenslänglich vom IOC gesperrt worden.

Seit den Olympischen Sommerspielen 2004 werden die Dopingproben für acht Jahre eingefroren, um sie später mit neuen Methoden und anhand neuer Erkenntnisse untersuchen zu können. Im vergangenen Jahr hatte das IOC Dopingproben aus Athen mit neuen Analyseverfahren überprüfen lassen. Dabei waren fünf Medaillengewinner im Nachhinein überführt und disqualifiziert worden.

Auch nach den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking konnten so fünf Athleten nachträglich als Dopingsünder entlarvt werden - darunter der Olympiasieger über 1500 Meter, Rashid Ramzi.

psk/dpa

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insgesamt 2 Beiträge
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1. ...
jujo 21.03.2013
Zitat von sysopBislang unentdeckte Doping-Betrüger der Olympischen Winterspiele 2006 in Turin müssen erneut zittern: Das IOC will die Proben noch einmal mit moderneren Analysemethoden untersuchen. Auf diese Weise wurden bereits Athleten der Sommerspiele 2004 und 2008 nachträglich überführt. Olympische Winterspiele 2006: IOC ordnet Nachtests der Dopingproben an - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/wintersport/olympische-winterspiele-2006-ioc-ordnet-nachtests-der-doping-proben-an-a-890031.html)
Da bin ich aber gespannt wievielen Leuten mit Dopingsubstanzen versetzte Lebensmittel oder Zahnpaste untergeschoben wurde.
2. Ich denke, Doping gibt es nur im Radsport?
sick-and-tired 21.03.2013
Aber welcher Sportpolitiker und welcher Sponsor will schon Dutzende positive Doping-Ergebnisse, also werden nur Wenige Doper offiziell gefunden ...
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Dopingsubstanzen und ihre Wirkung
Epo/HGH
Die Ausdauerleistung ist wesentlich davon abhängig, wie gut der Körper Sauerstoff aufnehmen kann. Das Hormon Erythropoetin (Epo) stimuliert die Produktion roter Blutkörperchen. Die erhöhte Anzahl der im Organismus zirkulierenden Erythrozyten verbessert die Kapazität des Blutes, Sauerstoff aufzunehmen und steigert damit Ausdauerleistungsfähigkeit.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verbietet den Gebrauch von Epo seit langem. Seit 1983 ist es möglich, Epo synthetisch herzustellen. Entwickelt wurde es für Patienten mit schweren Nierenleiden, die an Blutarmut leiden.

Das Wachstumshormon HGH wird bei Kleinwüchsigkeit eingesetzt. HGH lässt nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen wachsen, das führt zu langen Gliedmaßen, einem verformten Kopf und Riesenhänden. Zudem verändert sich die Struktur der Organe. (mit dpa)
Anabolika
Anabolika sind künstlich hergestellte Verwandte des männlichen Sexualhormons Testosteron. Diese Steroid- oder Wachstumshormone haben sowohl eine den Muskelaufbau fördernde (anabole) als auch eine vermännlichende (androgene) Wirkung. Anabolika können als Tabletten als auch injiziert werden. In Deutschland sind sie rezeptflichtig, werden aber nur selten zur Therapie beispielsweise von Schwächezuständen eingesetzt.

Illegal werden Anabolika parallel zu entsprechendem Training eingenommen, um den Aufbau von Muskelmasse zu fördern – also als Dopingmittel missbraucht. Bekannte Anabolika-Präparate sind unter anderen Nandrolon, Metandienon und Stanozolol.
Stimulanzien
Als Stimulanzien (lat. stimulare = "anregen") werden Substanzen bezeichnet, die anregend auf den Organismus wirken. Sie stimulieren die Aktivität des Zentralnervensystems. Als Aufputschmittel werden sie kurz vor oder während des Wettkampfs eingenommen. Sie steigern die motorische Aktivität, erhöhen die Risikobereitschaft und vertreiben die Müdigkeit, aber auch das Gespür für die natürliche Leistungsgrenze. Bekannteste Stimulanzien sind Amphetamine, Kokain, Ephedrin und Koffein (nur in hohen Mengen verboten).

Viele Stimulanzien können bei regelmäßigem Konsum abhängig machen. Bei Überdosierung drohen je nach Substanz Bluthochdruck, Herzrasen, Schweißausbrüche und Übelkeit. Nach mehreren Todesfällen im Sport, die auf die Einnahme von Stimulanzien zurückzuführen waren, wurden sie 1967 auf die Dopingliste gesetzt.
Narkotika
Betäubungs- und Schmerzmittel wie Morphine werden eingesetzt, um bei Höchstleistungen auftretende Schmerzen zu unterdrücken - beispielsweise bei einem Marathon. Die Medikamente machen abhängig, weitere Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen und Kreislauflähmungen. Von Radsportlern werde berichtet, dass diese auf den letzten Kilometern gerne Alkohol trinken, sagt Patrick Diel vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln. "Das dämpft den Schmerz, liefert Energie und hebt die Stimmung."

Ebenso wie Amphetamine seien auch die meisten Narkotika leicht nachweisbar und würden deshalb eher selten im Spitzensport verwendet. Zudem handle es sich auch hierbei um eine "Wettkampf-Droge", die direkt beim jeweiligen Sportereignis eingenommen werden müsse. Entsprechend hoch sei die Gefahr der Entdeckung. (mit dpa)