Olympia-Eröffnung in Pyeongchang "Eine Show wie eine weiße Flagge"

Friedenstauben, John Lennons "Imagine", ein historischer Handschlag: Die Eröffnungsfeier der Winterspiele in Südkorea diente in weiten Teilen der politischen Agenda. Die Meinungen sind gespalten.

Aus Seoul berichtet


An Symbolik hat es der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang nicht gefehlt. Zu "Friedensspielen" sollte die Sportveranstaltung werden, das beschwören die Organisatoren schon seit Wochen. Und so stand auch die große Feier am Freitagabend ganz im Zeichen der Annäherung zwischen Süd- und Nordkorea: Lichter formten sich zu Friedenstauben, "Imagine" von John Lennon wurde mit großer Verve gesungen und die gemeinsame koreanische Fahne geschwungen.

Das war abzusehen. Eine Geste zwischen dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In und der aus dem Norden angereisten Schwester von Machthaber Kim Jong Un, Kim Yo Jong, überraschte hingegen: Moon drehte sich während der Zeremonie zu Kim um und schüttelte ihr die Hand. Noch vor wenigen Wochen wäre das undenkbar gewesen. In jeder größeren Tageszeitung in Südkorea ist das Bild nun zu sehen - der sportliche Aspekt der Spiele scheint damit noch weiter in den Hintergrund zu rücken.

Bild des Handschlags in der Zeitung "Donga Libo"
SPIEGEL ONLINE

Bild des Handschlags in der Zeitung "Donga Libo"

Was denken die Südkoreaner darüber? Der 48-jährige Kim Dong Sup freut sich über die Friedenssymbolik, die vom Eröffnungsabend ausging. "Besonders schön war der Moment, als die Eishockeyspielerinnen aus dem Norden und dem Süden die olympische Fackel gemeinsam getragen haben", sagt er. Das lasse ihn auf bessere Beziehungen zum Norden hoffen.

Kim Dong Sup (48)
Suhwa Lee

Kim Dong Sup (48)

Gerade in Anbetracht der Spannungen zwischen den beiden Nachbarländern noch vor ein paar Monaten seien die Friedensgesten nicht zu unterschätzen, betont Michelle Cho, die mit ihrem Freund im Stadtviertel Gangnam in Seoul unterwegs ist. "Symbolik kann eine große Kraft haben, und Olympia ist der richtige Rahmen dafür", sagt sie. "Die Show war wie eine große weiße Flagge: Wir wollen Frieden!"

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Olympia in Südkorea: Die Bilder der Eröffnungsfeier

So positiv sehen das aber nicht alle. Park So Yeon, 30, kritisiert, dass Nordkorea bei den von Südkorea ausgerichteten Spielen derart im Fokus steht. "Ich bezweifle, dass sich unsere Beziehungen nach den Olympischen Spielen wirklich verbessern werden", sagt sie.

Park So Yeon (30)
Suhwa Lee

Park So Yeon (30)

Auch James Lee kritisiert, dass es sich beim Eröffnungsabend so viel um Politik drehte. "Ich glaube nicht, dass Nordkorea wirklich mit dem Herzen dabei ist. Das Regime will unsere Spiele nur für sich nutzen", sagt er. Er habe gehofft, dass es bei der Eröffnung mehr um den Sport an sich gehen würde.

James Lee (64)
Suhwa Lee

James Lee (64)

"Fantastische Atmosphäre"

In den südkoreanischen Medien fällt das Urteil über die Eröffnung hingegen fast durchweg positiv aus. Es habe eine "fantastische Atmosphäre" geherrscht, heißt es in der Tageszeitung "Dong-a Ilbo". Alles sei sehr harmonisch abgelaufen. Südkorea habe zeigen können, dass es sich wirklich für den Frieden auf der Halbinsel einsetze. "Das war nicht nur eine Eröffnung für Olympia, sondern für den Frieden in Korea", heißt es weiter. Das Wetter sei pünktlich zu Beginn der Spiele besser geworden, das könne man nun auch als Omen für die Beziehungen nehmen.

Tatsächlich gab es gleich am Tag nach der Eröffnung weitere Zeichen der Annäherung: Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un lud Südkoreas Präsident Moon "möglichst bald" nach Nordkorea ein.

Auch das Echo in den nordkoreanischen Medien fiel positiv aus. In der Zeitung "Rodong Sinmun" sind die ersten beiden Seiten am Samstag dem Event gewidmet. "Die 23. Winterspiele sind eröffnet", heißt es dort, darunter ein Bild der jubelnden Politiker Moon und Kim. Den Nordkoreanern sei dort ein herzlicher Empfang bereitet worden, heißt es in dem Bericht.

Wird die harmonische Stimmung anhalten? Der südkoreanische Botschafter in Berlin, Jong Bum Goo, sagt, der Handschlag sei eine "historische Szene" - die er aber mit gemischten Gefühlen gesehen habe. Zwar sei es ein Signal in Richtung Frieden, noch stehe aber nicht fest, ob Nordkorea mehr als Lippenbekenntnisse beisteuern wird. Aber allein die Tatsache, dass die de facto Nummer zwei des Regimes, Kim Yo Jong, für die Eröffnung angereist sei, zeige, dass es um mehr ginge als den Show-Effekt.

Die Eröffnung im Zeitraffervideo:

Getty Images

Mitarbeit: Suhwa Lee

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gandhiforever 10.02.2018
1. Gespalten
Korea ist gespalten, seit WKII. Nicht etwa, weil die Koreaner das so wollten, sondern weil die Grossmaechte diese "Loesung" zur Aufteilung der Hemisphaere durchsetzten. Und nun wundern sich einige, weil der suedkoreanische Praesident die Schwester des nordkoreanischen Diktators begruesst. Wem stoesst denn die Begruessung der Schwester des Folterers so uebel auf? Da ist einmal der japanische Abe, seines Zeichens Vertreter des Landes, das Korea unterjocht hat, seine Menschen zu Sklaven degradiert hat. Ein Land, das immer noch mit der Bewaeltigung der Vergangenheit hadert. Dann ist da Trumps Vize, ein gewisser Pence, dessen Boss sich als Folterfan geoutet hat, und der 9in seiner fudamentalistischen Bibel sicher eine Stelle findet, die auch er als Folter bejahend interpretiert. Der Regierung in Washington missfaellt dieser innerkoreanische Kontakt, weil sie mitten in Kriegsvorbereitungen steckt, weil Nordkorea eine Lektion erteilt werden soll. Es ist sicher ein Versuch wert, die Lage auf der Halbinsel zu entschaerfen, selbst wenn die Aussichten auf Erfolg nicht ueberschaetzt werden sollten. Der suedkoreanische Praesident muss nun entscheiden, ob er die Einladung in den norden annehmen soll (meiner Meinung nach wird er es tun). Alle anderen "Staatsmaenner" haben sich da raus zu halten, primaer jene aus Korea und den USA, es sei denn, sie wollen deutlich machen, dass Entspannung fuer sie keinen Versuch wert ist.
Francois S. 10.02.2018
2. @gandhiforever, Korea ist gespalten weil eine Wiedevereinigung
derzeit nicht denkbar ist. Wie auch? Sie glauben doch nicht das ein Hr. Kim einfach so abtretten wird, oder? Zudem zeigen Umfragen das die Mehrheit der Südkoreaner gar keine Wiedervereinigung will (zu teuer und so).
gandhiforever 10.02.2018
3. Wo, bitteschoen
Zitat von Francois S.derzeit nicht denkbar ist. Wie auch? Sie glauben doch nicht das ein Hr. Kim einfach so abtretten wird, oder? Zudem zeigen Umfragen das die Mehrheit der Südkoreaner gar keine Wiedervereinigung will (zu teuer und so).
Wo , bitteschoen, habe ich denn einer Wiedervereinigung quasi ueber Nacht, das wort geredet? Entschaerfung der Lage, das erhoffe ich. Ergo erwarte ich auch nicht, dass Kim einfach abtreten wird. Sicher waere eine Wiedervereinigung teuer, sehr teuer, aber Tradition nimmt in Korea einen anderen Wert ein als in Ihrem Land. Meinungsumfragen koennen sich aendern, manchmal sehr rasch, besonders wenn eine Entspannung eintrifft.
adsoftware 10.02.2018
4. Nord- und Südkoreaner sind ein Volk.
Die Menschen in Nord- und Südkorea wollen Frieden und Wiedervereinigung. Die beiden Teile sind genau so unnatürlich getrennt wie einst Deutschland. Die Menschen aber sind durch Blutsbande, Sprache und Kultur miteinander verbunden. Die einzigen, die Frieden und Vereinigung behindern, sind die USA. Auf Dauer haben die kindischen Drohungen der Amerikaner aber keinen Wert, da es auch noch zwei mächtige Nachbarn gibt.
martinm70 10.02.2018
5. Ich finde das gut
Wäre schön wenn den Koreanern irgendwann mal das gleiche gelingt wie uns, die Öffnung der Grenzen und die Wiedervereinigung.
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