Britischer Shorttrack-Star Christie Gegen Elise

Elise Christie betreibt Shorttrack auf Weltklasse-Niveau. Ihre olympische Karriere ist geprägt von Stürzen und Disqualifikationen. Nun folgte ihre letzte Chance im Lauf über 1000 Meter - es war dramatisch.

Elise Christie (vorn) stürzt im Halbfinale über 1500 Meter
AFP

Elise Christie (vorn) stürzt im Halbfinale über 1500 Meter

Aus Pyeongchang


Olympische Spiele produzieren täglich Dutzende Geschichten. Über Sieger und Besiegte, über schmerzhafte vierte Plätze und imponierende Zweikämpfe, über Stimmen und Stimmungen oder einfach über Sportler, für die das olympische Motto zählt. Die Geschichte von Elise Christie enthält viele dieser Aspekte, ist aber trotzdem außergewöhnlich.

Elise Christie ist Shorttrackerin. Das ist diese chaotische Form des Eisschnelllaufs, bei der sich der rasante Verlauf eines Rennens innerhalb von Sekunden und das Ergebnis dank des Videobeweises komplett verändern können. Christie weiß das, immerhin ist sie schon seit über zehn Jahren im Weltcup dabei. Die Schottin ist dreifache Weltmeisterin und hat bei internationalen Meisterschaften bereits 18 Medaillen gewonnen. Nun ist endgültig sicher, dass ihr olympisches Drama in einer Tragödie geendet ist.

1. Akt: Exposition in Vancouver und Sotschi

Es fing ganz harmlos an. Als 17-Jährige debütierte Christie 2007 im Weltcup, bis zu ihrem ersten Sieg sollte es aber noch über vier Jahre dauern. Für die Qualifikation zu den Spielen in Vancouver reichte es trotzdem, dort schied Christie in zwei Vorläufen und in einem Viertelfinale aus. An Medaillen war da noch nicht zu denken.

Das änderte sich in den darauffolgenden vier Jahren. Christie stieg in die von Südkoreanern dominierte Weltspitze auf und galt über die kurzen Distanzen als große britische Medaillenhoffnung. Gleich im ersten Wettkampf musste sie erfahren, wie wichtig Shorttrack in Südkorea ist. Im Finale über die 500 Meter brachte sie Park Seung Hi zu Fall, die Schiedsrichter sahen die Schuld bei Christie und disqualifizierten sie. Park gewann immerhin Bronze, trotzdem brach über Christie ein Shitstorm in den sozialen Medien herein. "Das waren ein paar harte Tage", sagte sie damals.

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Shottrack-Star Christie: So viel Drama

Wenige Tage später folgte das Rennen über 1500 Meter und wieder wurde Christie disqualifiziert, diesmal weil sie im Zielsprint eines Vorlaufs mit einem Schlittschuh die Bahn verlassen hatte. Es ging um wenige Zentimeter. Diese negativen Erlebnisse nahm sie mit in das Rennen über 1000 Meter - ihre beste Disziplin - und wurde: disqualifiziert. Im Shorttrack ist es üblich, dass eventuelle Regelverstöße verspätet vom Videoschiedsrichter geahndet werden, in Sotschi erwischte es Christie gleich dreimal.

2. Akt: Höhepunkt in Pyeongchang

"Ich weiß nicht, wie ich mit diesem Gefühl leben soll", sagte Christie vier Jahre später unter Tränen in einem BBC-Interview. Wenige Minuten zuvor hatte sie bei den Spielen in Pyeongchang die nächste Medaillenchance verpasst, im Finale über 500 Meter schied sie nach einem Sturz aus - diesmal ohne Bestrafung für die neben ihr laufende und in Christies Augen schuldige Kim Boutin. Die Kanadierin gewann Bronze. In dem emotionalen Interview machte Christie den Eindruck, als habe sich die Welt gegen sie verschworen. Doch es gab noch eine Steigerung.

Im Halbfinale über die 1500 Meter stürzte die 27-Jährige am vergangenen Samstag erneut, wurde disqualifiziert und verletzte sich beim Abflug in die gepolsterten Matten am Sprunggelenk. Als Christie nach einer Behandlung auf dem Eis mit einer Trage aus der Halle gebracht wurde, schien Medaillenchance Nummer drei über die 1000 Meter weit entfernt.

3. Akt: Das Aus

Doch im Krankenhaus wurde kein Bruch festgestellt. Christie selbst verbreitet via Twitter schon wieder Optimismus, aber Großbritanniens Chef de Mission, Mike Hay, ist sich nicht sicher: "Sie will starten, aber am Ende des Tages entscheidet sie es vielleicht nicht selbst. Sie muss ja zumindest in der Lage sein, den Fuß in den Schlittschuh zu bekommen."

Sie kam in den Schuh. Im fünften Vorlauf traf sie auf Lara van Ruijven aus den Niederlanden, die Ungarin Andrea Keszler und Magdalena Warakomska aus Polen. In Bestform keine Gegnerinnen für die amtierende Weltmeisterin über 1000 Meter. Christie stürzte allerdings nach wenigen Metern, krachte erneut in die Bande und hielt sich wieder den Knöchel. Der Shorttrack-Gott gab ihr aber noch eine Chance, denn das Rennen wurde wiederholt.

Humpelnd trat sie zum zweiten Versuch an, lag nach wenigen Metern schon zurück - und kämpfte sich an den zweiten Platz. Dann schritt wieder die Jury ein, zeigte Christie eine Gelbe Karte und so verpasst sie die Endläufe am kommenden Donnerstag.

Die olympische Karriere von Elise Christie endet typisch. Oder wagt sie sich in vier Jahren in einen vierten Akt?

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes stand der Vorlauf über 1000 Meter noch aus. Dieser wurde im dritten Akt ergänzt.

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