Olympische Halbzeit Weiter, immer weiter

Die deutschen Wintersportler haben in Pyeongchang bisher die Erwartungen übererfüllt. DOSB-Präsident Alfons Hörmann darf dennoch nicht zu zufrieden tun. Schließlich will er mehr Geld vom Bund.

DPA

Aus Pyeongchang berichtet


Alfons Hörmann bringt gerne ein Sprichwort zum Vortrag. Es heißt: "Wer aufhört, besser zu werden, hört auf, gut zu sein." Das klingt ein wenig wie aus einem mittelklassigen Managementseminar, der DOSB-Präsident will damit deutlich machen, dass auch ein aktuell glänzender Medaillenspiegel schnell wieder stumpf werden kann. "Wer jetzt in den Zufriedenheitsmodus umschaltet, der wird sich noch wundern."

Nach acht Wettkampftagen steht Deutschland in der Nationenwertung mit Norwegen vorne, in der Heimat werden Laura Dahlmeier, Aljona Savchenko und die anderen abgefeiert. Hörmann betont befriedigt, dass die "leistungssportliche Orientierung auch in der Öffentlichkeit wieder an Bedeutung gewonnen hat". Ohne "Selbstgefälligkeit und mit Demut und Konzentration auf die nächste Woche" dürfe man zur Halbzeit feststellen, dass "unsere Athleten bisher die perfekten Botschafter für unser Land waren".

Medaillenspiegel 2018
Platz
Land
Gesamt
1
Norwegen
14
14
11
39
2
Deutschland
14
10
7
31
3
Kanada
11
8
10
29

Die "ganze Schönheit des Sports" habe man in Pyeongchang bisher sehen können, geriet Deutschlands oberster Sportfunktionär geradezu ins Schwärmen - mit dem Höhepunkt, na klar, der Eiskunstlaufkür der Paare. In der ZDF-Mediathek sei der Clip mit den vier Minuten Savchenko/Massot schon mehr als 1,2 Millionen Mal abgerufen worden, hatte sich Hörmann noch schlaugemacht.

"Ohne mehr Geld wird es nicht gelingen"

Also Friede, Freude, Goldmedaille allerorten - wer so gut abschneidet, der muss ja dann eigentlich auch nicht noch mehr staatliche Förderung bekommen und seine Strukturen reformieren. Hörmann weiß, dass er deshalb nicht zu zufrieden wirken darf. Schließlich könnte zu viel Erfolg seine Strategie, mehr Geld vom Bund für den Leistungssport einzufordern, gefährden. Nach dem Motto: Läuft doch, was wollt ihr denn?

Innenminister Thomas de Maizière und DOSB-Präsident Alfons Hörmann
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Innenminister Thomas de Maizière und DOSB-Präsident Alfons Hörmann

Also muss er den Mahner geben: "Wer glaubt, dass man mit den heutigen Mitteln das Ergebnis von Pyeongchang auch in Zukunft wiederholen kann, der wird sich in vier Jahren mit schmerzverzerrtem Gesicht an diese Tage erinnern." Schließlich gebe es auch Sportarten, in denen es nicht so gut laufe, "wenn wir uns zum Beispiel die Trendsportarten angucken". Snowboard und Freestyle - die hippen coolen Disziplinen, die man nicht zuallererst mit staatlichen Fördertöpfen verbindet.

Der Sport brauche die Unterstützung des Bundes in dreistelliger Millionenhöhe, auf eine genaue Summe wollte sich Hörmann nicht festlegen. Nur so viel: "Ohne eine deutliche Erhöhung der Mittel wird es nicht gelingen." Dem künftigen Bundesinnenminister, wer immer es sein wird, werden die Ohren geklingelt haben.

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Für Russland die "Höchststrafe"

Vor vier Jahren in Sotschi lagen nicht die Deutschen oder die Norweger ganz vorne, was die Medaillenausbeute anbetrifft, sondern Russland. Diesmal haben die "Athletes from Russia" noch keinen einzigen ersten Rang belegt, und für Hörmann ist das "die verdiente Höchststrafe" für das flächendeckende Dopingsystem im Lande. "Das wird sie nach meiner Meinung härter treffen als die Debatte um Symbole wie die Hymne und die Fahne."

Doping - fürs deutsche Team hält er bei diesem Thema die Hand ins Feuer. "Ich kann jedem in die Augen und in jede Kamera schauen und fester Überzeugung sagen, dass dieses Team manipulationsfrei am Start ist."

Auf die Diskussion, inwieweit es noch eine wirkliche Bestrafung Russlands ist, wenn das Team bei der Schlussfeier wieder hinter der russischen Flagge einlaufen dürfe, wollte sich Hörmann nicht einlassen. Schließlich war am Abend das IOC und sein Präsident Thomas Bach zu Gast im Deutschen Haus, und da übte sich Hörmann lieber in zurückhaltenden Floskeln. Immerhin gab er an, dass man "sich an der einen oder anderen Stelle ein bisschen mehr Druck auf Russland hätte vorstellen können". Dieser Satz empfiehlt den DOSB-Boss für eine Karriere im Diplomatischen Dienst.



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