Olympische Winterspiele: Pechstein zitiert E-Mail und beantragt Startrecht

Claudia Pechstein hofft weiterhin auf eine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Vancouver. Die Eisschnellläuferin hat beim Ad-hoc-Gericht des Internationalen Sportgerichtshofs ihr Startrecht beantragt. Dabei beruft sie sich auf eine entlastende E-Mail eines Biostatistikers.

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ddp

Eisschnellläuferin Pechstein: Kampf um Olympia-Start

Hamburg - Claudia Pechstein gibt nicht auf. Die fünfmalige Olympiasiegerin will auch weiterhin mit aller Macht bei den Winterspielen in Vancouver antreten und setzt daher den erbitterten Kampf um ihr Teilnahmrecht fort. Die wegen Dopings gesperrte Eisschnellläuferin wird am Montagmittag beim Ad-hoc-Gericht des Internationalen Sportgerichtshofs Cas in Vancouver ihr Startrecht beantragen. Das gab Pechstein auf ihrer Homepage bekannt.

Der Antrag der Berlinerin basiert auf entlastenden Aussagen des Biostatistikers Pierre-Edouard Sottas, der mit seiner Expertise dazu beigetragen hatte, dass der Eislauf-Weltverband Isu Pechstein für zwei Jahre sperrte. Nun zitiert die Athletin auf ihrer Homepage aus einer E-Mail, in der Sottas die Wahrscheinlichkeit eines Dopingvergehens als "gering" einschätzt. "Was die Isu-Ankläger sowohl vor dem Isu-Schiedsgericht als auch vor dem Cas verschwiegen, ist die Tatsache, dass Sottas irgendwann zwischen Mitte Mai und Ende Juni 2009 seine Meinung bezüglich der Ursache für meine Retiwerte änderte und (vermutlich seit ihm sämtliche Blutparameter von mir vorlagen) ein Dopingvergehen für eher unwahrscheinlich hält", schreibt die 37-Jährige auf ihrer Internetseite. Außerdem stellte sie gegen den Weltverband in der Schweiz Strafanzeige wegen Prozessbetrugs.

Das Ad-hoc-Gericht entscheidet im Normalfall innerhalb von 24 Stunden. Die olympischen Teamwettbewerbe, an denen Pechstein teilnehmen will, finden am 26. und 27. Februar statt.

"Ich habe das Gericht angerufen, weil ich der Überzeugung bin, dass der Cas noch einmal seine Entscheidung in meinem Fall überdenken muss. Wenn ein Gutachter des Weltverbandes wie Pierre Sottas seine Meinung ändert, muss man das Verfahren noch einmal aufrollen", sagte Pechstein. "Vielleicht kommt das Gericht zu einer anderen Meinung und gibt mir Recht. Dann würde doch noch ein Traum in Erfüllung gehen."

Bereits am Sonntag hatte sie den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) aufgefordert, sich beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) für ihren Start einzusetzen. DOSB-Generaldirektor Michael Vesper bestätigte den Erhalt eines Briefes der Berlinerin und sagte: "Sie hat Herrn Bach und mir einen persönlichen Brief geschrieben. Den werden wir selbstverständlich beantworten, aber nicht in der Öffentlichkeit." Zudem waren in den vergangenen Monaten immer wieder neue Gutachten von Experten vorgelegt worden, die auf eine Blutanomalie Pechsteins hindeuten sollen.

Vesper lässt keine Zweifel daran, dass die Urteile der Isu, des Cas und des Schweizer Bundesgerichts bindend sind: "Zu dieser Angelegenheit ist alles gesagt, was es zu sagen gibt", erklärte er. "Es macht keinen Sinn, wenn sie nicht gewollt wird. Ich werde sie auf keinen Fall gegen den Willen der Mannschaft mitnehmen", hatte der Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) Gerd Heinze vor zwei Wochen bereits gesagt. Der DOSB hatte Pechstein wegen der bis zum 8. Februar 2011 geltenden Sperre nicht für das deutsche Olympia-Team nominiert.

mpl/dpa/sid

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Das Ad-hoc-Gericht des Cas
Der Internationale Sportgerichtshof Cas bildet seit 1996 für die Olympischen Spiele sogenannte Ad-hoc-Kammern. Am Olympiaort sind neun (Winterspiele) beziehungsweise zwölf (Sommerspiele) Schiedsrichter einsatzbereit, um über Streitigkeiten im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen zu entscheiden.
Die Zuständigkeit der Kammer beginnt zehn Tage vor der Eröffnungsfeier und endet mit dem Tag der Schlusszeremonie. Die Schiedsrichter werden für jeden Einzelfall direkt vom Präsidenten der Ad-hoc-Kammer benannt. Die Schiedsgerichte sind angehalten, die Fälle in möglichst kurzer Zeit zu entscheiden. (sid)